Wann spricht man von einer Schwerhörigkeit?

Rund 14 Millionen Menschen in Deutschland haben eine Hörminderung; viele nehmen sie jedoch gar nicht wahr. Leistungseinschränkung, Vereinsamung und längerfristig auch Depressionen sind mögliche Folgen. Nicht nur Ältere sind betroffen. Immer mehr Jugendliche und junge Erwachsene schädigen ihr Gehör vor allem durch häufiges Hören zu lauter Musik.

 

Hören ist für uns etwas sehr Selbstverständliches. Welche Bedeutung dieser Sinn besitzt, fällt erst dann auf, wenn er nicht mehr reibungslos funktioniert. Diese Erfahrung müssen leider viele Menschen machen, denn Schwerhörigkeit ist fast eine Volkskrankheit. Fast jeder fünfte Mensch in Deutschland leidet an einer behandlungsbedürftigen Hörstörung, wobei ältere Menschen sehr viel häufiger betroffen sind.

 

Daten der TK zeigen: 2006 haben rund 50 von 1.000 TK-versicherten Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahre ein Hörgerät verschrieben bekommen. 2010 waren es schon rund 63 von 1.000. Das entspricht einem Anstieg von 26 Prozent.

  

Bei Babys und Kleinkindern ist Vorsorge besonders wichtig. Nur Kinder, die gut hören, können problemlos sprechen lernen. In Deutschland kommen ein bis zwei von 1.000 Kindern mit stark eingeschränktem Hörvermögen zur Welt. Seit Anfang 2009 haben Eltern einen Anspruch darauf, bei ihren Neugeborenen einen Hörtest durchführen zu lassen. Je früher der Hörschaden festgestellt und behandelt wird, desto besser kann man den Kindern helfen.

 

Wie funktioniert das Hören?

Alle akustischen Informationen, zum Beispiel Sprache, Musik oder Geräusche, verursachen Schallwellen. Diese werden von der Ohrmuschel aufgefangen, dort und im äußeren Gehörgang gebündelt, treffen dann auf das Trommelfell und versetzen es in Schwingungen. Das Trommelfell grenzt den Gehörgang vom Mittelohr ab. Die Paukenhöhle, ein kleiner Hohlraum, ist Teil des Mittelohres, der über einen Gang, die sogenannte Ohrtrompete, mit dem Rachen verbunden ist und von dort aus belüftet wird. Diese Verbindung ist notwendig, um den Luftdruck im Mittelohr ständig dem im äußeren Gehörgang anzugleichen.

 

In der Paukenhöhle befinden sich drei kleine Gehörknöchelchen, die aufgrund ihrer Form Hammer, Amboss und Steigbügel genannt werden. Diese Gehörknöchelchen sind untereinander durch Gelenke verbunden. Der Hammer haftet an der Innenseite des Trommelfells, der Steigbügel am sogenannten ovalen Fenster, einer dünnen Haut, die das Mittel- gegen das Innenohr abgrenzt. So wird eine Verbindung zwischen dem Trommelfell und dem ovalen Fenster als Eingang zum Innenohr hergestellt. Die durch Schall verursachten Schwingungen des Trommelfells werden über die Gehörknöchelchen auf das Innenohr übertragen.

 

Das Innenohr besteht aus der sogenannten Schnecke (Cochlea), dem eigentlichen Hörorgan, und dem Gleichgewichtsorgan. Im Hörorgan werden die Schallwellen in elektrische Nervensignale umgewandelt. Diese werden über den Hörnerven an das Gehirn weitergeleitet. Dort finden letztlich die Verarbeitung und das Verständnis von Höreindrücken statt.

 

Welche Formen der Schwerhörigkeit gibt es?

Entsprechend dem Aufbau des Hörorgans lassen sich grundsätzlich drei verschiedene Arten der Schwerhörigkeit unterscheiden:

 

Schallleitungs-Schwerhörigkeit 

Verschlossener Gehörgang: Im einfachsten Fall werden die Schallwellen bereits im Bereich des äußeren Ohres nicht ordnungsgemäß gebündelt und an das Trommelfell weitergeleitet. Dies kann zum Beispiel die Folge einer Verstopfung des äußeren Gehörgangs durch Ohrenschmalz (Cerumen) sein. Vor allem bei Kindern sind häufig Fremdkörper die Ursache. Diese Form der Schwerhörigkeit tritt oft ganz plötzlich auf. Auch angeborene Missbildungen des äußeren Gehörgangs kommen vor, fallen aber in der Regel bereits frühzeitig auf.

 

Bei der Mittelohrschwerhörigkeit wird der am Trommelfell eintreffende Schall nicht oder nur teilweise an das ovale Fenster weitergeleitet. Dem liegt entweder eine Störung im Bereich der Gehörknöchelchen, des Trommelfells oder des ovalen Fensters zugrunde. Da Außen- und Mittelohr der Weiterleitung des Schalls an das Innenohr dienen, bezeichnet man Störungen in diesem Gebiet auch als Schallleitungs-Schwerhörigkeit.

 

Eine akute Schallleitungs-Schwerhörigkeit entsteht häufig als Folge einer Mittelohrentzündung. Bedingt durch eine Entzündung der Schleimhautschicht in der Paukenhöhle kommt es zu einer Flüssigkeitsansammlung im Mittelohr. Der Arzt bezeichnet das als Mittelohrerguss. Dadurch wird die Beweglichkeit des Trommelfells behindert.

 

Chronische Schallleitungs-Störungen beruhen auf einem fortschreitenden Funktionsverlust der Gehörknöchelchen-Kette, des Trommelfells und/oder des ovalen Fensters. Ursache können wiederholte schwere oder chronische Mittelohrentzündungen mit nachfolgendem Verkleben oder Verkalken dieser Teile des Hörorgans (Paukensklerose/-fibrose) sein oder die sogenannte Otosklerose. Die Ursache dieser Erkrankung, bei der die Gehörknöchelchen und das ovale Fenster durch Verknöcherung zunehmend unbeweglich werden, ist unbekannt. Erbliche Faktoren scheinen eine gewisse Rolle zu spielen.

 

Schallempfindungs-Schwerhörigkeit/Innenohrschwerhörigkeit

Die Formen der Schwerhörigkeit, die als Folge von Innenohrerkrankungen oder Schädigungen des Hörnervs entstehen, fasst man unter dem Begriff der Schallempfindungs-Schwerhörigkeit zusammen.

 

Aufgrund der engen anatomischen Nachbarschaft von Innenohr und Gleichgewichtsorgan ist die Innenohrschwerhörigkeit gelegentlich mit Schwindel und Gleichgewichtsstörungen verbunden. Bei manchen Formen der Innenohrschwerhörigkeit treten auch Ohrgeräusche (Tinnitus) auf.

 

Wodurch kann das Hörvermögen beeinträchtigt werden? 

Bei den meisten Menschen lässt das Hörvermögen mit zunehmendem Lebensalter mehr oder weniger nach. Diese Altersschwerhörigkeit beruht auf einer Funktionsminderung des Innenohres, deren Ursache nicht genau geklärt ist. Die Altersschwerhörigkeit bleibt, da sie in der Anfangsphase meist nur hohe Töne (zum Beispiel Grillenzirpen) betrifft, oft längere Zeit unbemerkt und wird erst auffällig, wenn das Sprachverständnis der betroffenen Person deutlich nachlässt.

 

Eine weitere wesentliche Ursache der Innenohrschwerhörigkeit ist Lärm. Laute Geräusche, auch diejenigen, denen man sich freiwillig aussetzt (zum Beispiel laute Musik), können einen fortschreitenden Gehörverlust auslösen.

 

Schon Kleinkinder sind heutzutage lauten Geräuschen zum Beispiel vom Straßenverkehr oder Fernseher ausgesetzt. Bei den Jugendlichen sind es vor allen Dingen technische Geräte wie Handy und MP3-Player, die dem Gehör bei Dauerberieselung langfristig schaden können. Ein MP3-Player erreicht durchschnittlich einen Pegel von 95 Dezibel. Ab 85 Dezibel gilt Lärm bereits als gehörschädigend.

 

Anhaltende, immer wiederkehrende Lärmbelastungen am Arbeitsplatz, aber auch eine kurzfristige Lärmexposition wie bei einem lauten Knall, ziehen nicht selten Gehörschäden nach sich. Deshalb ist die Schwerhörigkeit für einzelne Berufe als Berufskrankheit anerkannt.

 

Durch verschiedene Infekte kann es zur akuten Innenohrschwerhörigkeit kommen. Hierzu gehören zum Beispiel Herpes, Mumps, Masern, Borreliose und Toxoplasmose.

 

Von einigen Medikamenten ist bekannt, dass sie zu bleibenden Schallempfindungs-Schäden führen können. Zu diesen gehören insbesondere bestimmte Antibiotika (Bakterien abtötende Medikamente) und Diuretika (harntreibende Medikamente). Bei den meisten Arzneimitteln hängt diese Nebenwirkung von der eingenommenen Menge und der Einnahmedauer ab. Auch die Art der Medikamentengabe (Spritze oder Tablette) spielt eine Rolle. Insbesondere bei vorbestehenden Schäden des Hörorgans sollte man entsprechende Warnhinweise in Beipackzetteln ernst nehmen und den verordnenden Arzt auf die Schwerhörigkeit hinweisen.

 

Sucht- und Genussmittel wie Kokain, Heroin, Tabak, Alkohol können ebenfalls eine Schwerhörigkeit auslösen. Außerdem können bestimmte Erkrankungen (zum Beispiel Vitamin-B12-Mangel, hohe Blutfettspiegel) und Gendefekte die Ursache der Schwerhörigkeit sein. Auch Schwermetalle, Kohlenstoffverbindungen und andere giftige Stoffe können bei Menschen, die diesen Substanzen jahrelang ausgesetzt sind, zu Schwerhörigkeit führen.

 

In vielen Fällen lässt sich die Ursache einer fortschreitenden Schallempfindungs-Störung trotz umfangreicher Diagnostik nicht feststellen. Dann wird von einer idiopathischen Innenohrschwerhörigkeit gesprochen.

 

Selten weisen allein Schallempfindungs-Störungen auf Erkrankungen des Hörnervs hin. Auch die speziellen Hirnregionen, die dem Hören zugeordnet sind, können durch eine Krankheit geschädigt sein. Meist fallen bereits vor dem Eintritt einer störenden Schwerhörigkeit solche Erkrankungen durch andere Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schwindel, Sprach- und Bewegungsstörungen auf.

 

Der Hörsturz

Eine plötzlich und ohne erkennbare äußere Ursache einsetzende Innenohrschwerhörigkeit wird als Hörsturz bezeichnet. Ein Hörsturz ist gewöhnlich einseitig, häufig mit Ohrgeräuschen und einem Druckgefühl auf dem Ohr verbunden und kann zu sehr verschiedenartigen Hörschäden bis hin zur Taubheit führen. Die Ursachen sind unklar. Hörstürze verlaufen individuell sehr unterschiedlich. Neben der spontanen, vollständigen Wiederherstellung des Hörvermögens einerseits und der bleibenden, nicht beeinflussbaren Taubheit können unterschiedlich starke Beeinträchtigungen des Hörvermögens vorkommen.

 

Welche Auswirkungen hat die Schwerhörigkeit im täglichen Leben? 

Schwerhörigkeit bewegt sich im weiten Feld zwischen fast normalem Hörvermögen auf der einen und Gehörlosigkeit auf der anderen Seite. Entsprechend der Erkrankungsursachen variieren die Auswirkungen dieser Behinderung. So sind Beeinträchtigungen beim Erleben von Musik und nicht mehr hörbares Vogelgezwitscher im Einzelfall zwar belastende Umstände, das Ausmaß der Beeinträchtigung für den Betroffenen wird aber sehr viel mehr durch die Einschränkungen beim Verständnis von Sprache bestimmt. Insbesondere Störungen der Schallempfindung führen oft frühzeitig zu deutlichen Veränderungen des Sprachverständnisses.

 

Auch bei isoliertem Verlust des Hörvermögens für hohe Frequenzen verändert sich das wahrgenommene Klangbild. So kommt es nicht nur zu Schwer-, sondern im eigentlichen Sinne des Wortes zu Fehl-Hörigkeit. Dieses nicht nur in seiner Intensität abgeschwächte, sondern auch fehlerhafte Hören lässt sich so lange teilweise durch Hörgeräte ausgleichen, wie das Hörorgan über eine verstärkbare Hörfähigkeit im gesamten Frequenzbereich verfügt.

 

Bei vielen Schwerhörigen ist die Toleranz für hohe Lautstärken stark reduziert, die Schmerzgrenze für laute Töne kann derjenigen von Normalhörigen entsprechen oder sogar darunter liegen. Die Bandbreite zwischen gerade noch hörbar und unangenehm laut ist bei Hörbehinderten häufig sehr klein. Das setzt den Möglichkeiten der Verstärkung durch Hörgeräte enge Grenzen. Vor allem, wenn eine Versorgung mit Hörgeräten erst spät erfolgt, empfinden viele Betroffene die plötzlich wieder wahrnehmbaren Umweltgeräusche wie Vogelzwitschern, Straßenverkehr oder Waldesrauschen subjektiv als störend.

 

Die (zu) späte Versorgung mit Hörgeräten kommt insbesondere dann vor, wenn die Betroffenen einen schleichenden Hörverlust erst nach längerer Zeit bemerken oder sich eingestehen.

 

Anderseits ermöglichen erhebliche Fortschritte in der Hörgerätetechnologie vielen Betroffenen einen langfristigen Erhalt des Sprachverständnisses. Bei rechtzeitigem Griff zum Hörgerät kann ein hörbehinderter Mensch heute in den meisten Fällen fast völlig unbeeinträchtigt am täglichen Leben teilnehmen.

 

Kinder mit angeborener Schwerhörigkeit entwickeln sich mit entsprechender Versorgung meist normal und besuchen reguläre Kindergärten und Schulen.

 

Welche Untersuchungen sind notwendig?

Bei jedem Verdacht auf eine Beeinträchtigung des Hörvermögens betrachtet der Arzt zunächst den äußeren Gehörgang und das Trommelfell. Dann schließt sich stets ein Hörtest (Audiometrie) an. Beim am häufigsten durchgeführten Test, der Tonschwellen-Audiometrie, bekommt der Patient Töne in verschiedener Höhe vorgespielt. Der Arzt stellt fest, ab welcher Lautstärke der Ton gerade hörbar wird (Hörschwelle). Dabei sind erhebliche Unterschiede zwischen tiefen und hohen Tönen möglich.

 

In der Regel werden die Prüftöne seitengetrennt über Kopfhörer oder über einen sogenannten Knochenleitungs-Hörer abgegeben, den der Arzt hinter dem Ohr auf den Schädelknochen aufsetzt. Der Schall wird über den Knochen direkt an das Innenohr weitergeleitet. Dadurch lässt sich feststellen, ob der Schwerhörigkeit ein Schaden des Mittelohres oder des Innenohres zugrunde liegt. Der Arzt kann auf diese Weise eine Schallleitungs-, eine Schallempfindungs-Störung und die Kombination von beidem unterscheiden.

 

Da die subjektiv am stärksten belastende Folge einer Schwerhörigkeit die Beeinträchtigung der Kommunikationsfähigkeit ist, führt der Arzt spätestens vor einer Hörgeräteanpassung eine Sprachaudiometrie durch. Das Sprachverständnis hängt nicht nur von der Stärke des Hörverlustes, sondern auch von den betroffenen Tonhöhen, der Empfindlichkeit für Störgeräusche und anderen Faktoren ab. Zur Untersuchung bekommt der Patient entweder seitengetrennt über Kopfhörer oder über Lautsprecher für beide Ohren gleichzeitig Zahlen und einsilbige, ähnlich klingende Worte (zum Beispiel Hund/Mund, Haus/Maus, rund/Pfund) vorgespielt. Gemessen wird, ob und ab welcher Lautstärke er die Worte eindeutig erkennt.

 

Bildgebende Verfahren kommen zum Einsatz, wenn Verletzungen des Kopfes zum Hörverlust geführt haben. Tumore, bestimmte Verkalkungen und Entzündungen lassen sich ebenfalls feststellen. Untersuchungen, die Bilder vom knöchernen Schädel, vom Innenohr, vom Gehirn und von den Hörnerven liefern, sind die Computer- und Kernspintomografie (CT, MRT). Gelegentlich liefert auch die konventionelle Röntgenaufnahme des Schädels oder der Ohrregion zusätzliche wichtige Informationen.

 

Ist eine Schwerhörigkeit mit anderen Beschwerden wie zum Beispiel Gleichgewichtsstörungen verbunden, sind weitere Untersuchungen notwendig.

 

Neugeborenen-Hörscreening

Für die Überprüfung des Hörvermögens von Neugeborenen gibt es zwei Messverfahren, die automatisierte Hirnstammaudiometrie (AABR) und die otoakustische Emissionen (OAE).

 

Bei der AABR klebt der Arzt Elektroden auf Stirn, Nacken und Wangenknochen des Kindes. Mithilfe dieser Elektroden kann er feststellen, ob das Gehirn auf einen Sondenton reagiert.

 

Bei der OAE nutzt man die Tatsache aus, dass das Innenohr nicht nur Geräusche aufnimmt, sondern als Antwort auf eintreffende Geräusche auch sehr leise Geräusche abgibt. Für das bloße Ohr sind diese otoakustischen Emissionen nicht hörbar, aber sie lassen sich mit Hochleistungsmikrofonen auffangen.

 

Wie kann Schwerhörigkeit behandelt werden?

Abhängig von den vielen unterschiedlichen Ursachen kommen verschiedene Behandlungswege infrage.

 

Bei der akuten Schallempfindungs-Schwerhörigkeit, beispielsweise als Folge eines Lärmschadens, insbesondere aber auch beim Hörsturz, kommen Medikamente zum Einsatz. Die Betroffenen erhalten durchblutungsfördernde Mittel und/oder kortisonhaltige Präparate. In vielen Fällen führt eine solche Behandlung, die meist per Infusion in die Vene erfolgt, zu einer deutlichen Linderung der Beschwerden.

 

Häufig reicht eine ambulante Behandlung aus, bei schweren Fällen sowie deutlicher psychischer Beeinträchtigung sollte die Therapie im Krankenhaus erfolgen.

 

Auch Stressabbau ist ein wesentliches Behandlungsprinzip. Patienten mit einer akuten Schwerhörigkeit schreibt der Arzt vorübergehend arbeitsunfähig.

 

Wenn die Infusionstherapie nicht zum Erfolg führt, kann anschließend eine hyperbare Sauerstofftherapie (HBO) in einer Druckkammer versucht werden. Ein eindeutiger wissenschaftlicher Wirkungsnachweis liegt für diese Behandlung allerdings nicht vor.

 

Infektionen mit nachfolgendem Hörverlust bedürfen einer entsprechenden Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankung.

 

Chronisch fortschreitende Schallleitungs-Störungen aufgrund einer Paukenfibrose oder auch einer Otosklerose lassen sich häufig durch eine Operation korrigieren. Die Chancen für eine Verbesserung der Hörfähigkeit sind umso besser, je früher der Eingriff erfolgt.

 

Nicht heilbare Formen der Schwerhörigkeit wie die Altersschwerhörigkeit bedürfen rechtzeitig des Ausgleichs durch geeignete Hörgeräte.

 

Bei sehr stark ausgeprägter Schwerhörigkeit ist die Implantation eines CI (Cochlear Implantats) zu erwägen. Dies setzt allerdings voraus, dass der Hörnerv noch intakt ist und die Schwerhörigkeit durch Schäden an den Sinneszellen verursacht wurde.

 

Im Alltag können weitere Hilfsmittel wie drahtlose Verstärker mit Kopfhörer für das Fernsehgerät, ein optisches Signal (Lichtblitze) für den Wecker und die Türklingel oder ein Telefonverstärker hilfreich sein.

 

Welchen Verlauf nimmt eine Schwerhörigkeit? 

Der Verlauf einer Schwerhörigkeit hängt vor allem von der Grunderkrankung ab. Bei akuten Schallempfindungsstörungen kommt es oft zu einer nahezu vollständigen Besserung. Schädigungen durch Medikamente oder starken Lärm können allerdings auch schwere, nicht behandelbare Hörschäden bis hin zur Ertaubung verursachen.

 

Chronische Formen der Innenohrschwerhörigkeit besitzen hingegen häufig die Tendenz zur fortschreitenden Verschlechterung. Manchmal münden sie in eine vollständige Taubheit. Chronische Schallleitungs-Störungen sind häufig durch eine Operation gut behandelbar. Unbehandelt jedoch führen sie fast immer zu einem fortschreitenden Verlust des Hörvermögens.

 

Schwerhörigkeit - eine anerkennungsfähige Behinderung?

Eine höhergradige Schwerhörigkeit kann von den zuständigen Behörden (Versorgungsamt) als Behinderung anerkannt werden. In vielen Fällen ist eine Untersuchung durch einen Gutachter erforderlich. Dem Betroffenen wird also ein "Grad der Behinderung" (GdB) zuerkannt, der beispielsweise zur Inanspruchnahme von Steuerfreibeträgen berechtigt. Bei Kindern kann es infolge einer Schwerhörigkeit zu fehlerhafter Sprachentwicklung kommen, die ebenfalls den Grad der Behinderung beeinflusst.

 

Wie kann man vorbeugen?

Eine wesentliche Vorsorgemaßnahme ist der Schutz vor Lärm, und zwar sowohl am Arbeitsplatz als auch im privaten Bereich. Lärmbedingte Gehörschäden sind bei jüngeren Menschen eine wesentliche und meist vermeidbare Ursache für Schwerhörigkeit. Wenn auch medikamentös ausgelöste Schwerhörigkeit insgesamt selten ist, sollten vor allem Menschen mit vorbestehenden Schäden der Ohren bei der Medikamenteneinnahme entsprechend vorsichtig vorgehen und jeden behandelnden Arzt auf eine bestehende Schwerhörigkeit hinweisen. Besteht aus eigenem Empfinden oder auch nur aufgrund der Beobachtung von Angehörigen der Verdacht auf eine Schwerhörigkeit, sollte man umgehend einen Hals-Nasen-Ohrenarzt aufsuchen.