Was sind Divertikel?
Als Divertikel bezeichnet man begrenzte Ausstülpungen im Magen-Darm-Trakt. Die Ausstülpungen bestehen entweder aus allen Teilen der Wand des Magens oder Darms oder nur aus der Schleimhautschicht.
Divertikel können überall im Verdauungstrakt vorkommen. Man findet sie in der Speiseröhre (Ösophagus-Divertikel), im Zwölffingerdarm (Duodenal-Divertikel) und besonders häufig im Dickdarm (Kolon-Divertikel). Treten mehrere Divertikel auf, spricht man von einer Divertikulose.
Welche Formen der Speiseröhren-Divertikel gibt es?
Speiseröhren-Divertikel können an verschiedenen Stellen vorkommen. Man unterscheidet:
- Das Speiseröhren-Divertikel im Hals-Rachen-Bereich (Zenker-Divertikel) ist die häufigste Aussackung der Speiseröhre. Betroffen sind vor allem Männer im höheren Lebensalter. Es ist ein sogenanntes Pseudo-Divertikel. Das bedeutet, dass sich lediglich die Schleimhaut durch eine Muskellücke ausstülpt.
- Das Speiseröhren-Divertikel im Brustbereich der Speiseröhre ist dagegen ein echtes Divertikel. Hier stülpt sich die gesamte Wand aus.
- Das Speiseröhren-Divertikel oberhalb des Zwerchfells ist ein Pseudo-Divertikel, das oft zufällig bei einer Röntgenuntersuchung entdeckt wird.
Wie entstehen Aussackungen der Speiseröhre?
Speiseröhren-Divertikel im Bereich des Halses und auf Höhe des Zwerchfells sind sogenannte Pulsions-Divertikel. Sie entstehen als Folge eines dauerhaft erhöhten Drucks innerhalb der Speiseröhre. Dies kann zum Beispiel bei Funktionsstörungen des oberen oder des unteren Speiseröhren-Schließmuskels der Fall sein.
Beim Speiseröhren-Divertikel im Brustbereich handelt es sich um ein Traktions-Divertikel, das durch Zug von außen entsteht. Beispielsweise können wiederholte Entzündungen im Brustraum narbige Stränge hinterlassen, die so stark an der Speiseröhrenwand ziehen, dass sich die gesamte Muskelwand ausbuchtet. Deshalb nennt man diese Ausstülpungen auch echte Divertikel.
Welche Beschwerden machen Speiseröhren-Divertikel?
Viele Speiseröhren-Divertikel bleiben völlig unbemerkt, da sie keine Beschwerden verursachen.
Bei größeren Divertikeln leiden die Betroffenen meist an einem kloßigen Druckgefühl im Brustkorb, unter Schluckstörungen und Mundgeruch. Oft müssen sie aufstoßen und haben einen Hustenreiz bei Nahrungsaufnahme. Zum Teil finden sich morgens Reste unverdauter, während des Schlafes aufgestoßener Nahrung auf dem Kopfkissen.
Welche Komplikationen können auftreten?
Es besteht die Gefahr, sich beim Essen und Trinken zu verschlucken. Gelangt aufgestoßener saurer Mageninhalt in die Lunge, kann dies eine Lungenentzündung zur Folge haben.
Andere Komplikationen treten sehr selten auf. Speiseröhren-Divertikel können bluten, einreißen und durchbrechen, sich entzünden oder Verbindungsgänge (Fisteln) zu anderen Organen oder Strukturen ausbilden.
Wie wird die Erkrankung diagnostiziert?
Der Verdacht auf Divertikel der Speiseröhre ergibt sich im Wesentlichen aufgrund der charakteristischen Beschwerden. Der Arzt sichert die Diagnose durch eine Röntgen-Kontrastmittel-Untersuchung. Dabei muss der Betroffene vor der Röntgenaufnahme ein Kontrastmittel trinken, durch das die Aussackungen auf dem Röntgenbild sichtbar werden.
Gegebenenfalls kann noch eine Spiegelung der Speiseröhre (Ösophagoskopie) erfolgen, um Veränderungen der Schleimhaut festzustellen. Bei der Spiegeluntersuchung entnimmt der Arzt Gewebe und untersucht es mikroskopisch, um eine bösartige Erkrankung der Speiseröhre (Speiseröhren-Krebs) auszuschließen.
Wie behandelt man die Aussackungen der Speiseröhre?
Speiseröhren-Divertikel im Halsbereich entfernt der Arzt in der Regel durch eine Operation. Der Eingriff kann auch auf endoskopischem Wege durch den Mund erfolgen, sodass kein Schnitt von außen notwendig wird.
Bei Speiseröhren-Divertikeln, die keine Beschwerden verursachen, ist keine Behandlung erforderlich.