Was ist Tinnitus?
Tinnitus ist der medizinische Fachausdruck für Ohrgeräusche oder Ohrensausen. Der Betroffene hört Töne oder Geräusche, für die es entweder keine äußere Schallquelle gibt oder die im Körper selbst entstehen, aber normalerweise nicht hörbar sind (zum Beispiel das Rauschen des Bluts in den Adern).
Es ist nicht ungewöhnlich, dass Menschen ab und zu Geräusche hören, die eigentlich nicht vorhanden sind. Dies ist aber meist nur vorübergehend der Fall, zum Beispiel in Stresssituationen oder bei Schlaflosigkeit. Beim Tinnitus sind solche Geräusche für einige Zeit dauerhaft vorhanden.
Tinnitus kann in jedem Lebensalter auftreten und ist - möglicherweise durch laute Musik oder durch die Verwendung von tragbaren Musikspielern wie MP3-Playern (iPod & Co.) - bereits unter Jugendlichen verbreitet.
Welche Ursachen hat Tinnitus?
Beim Tinnitus handelt es sich meist um sogenannte Schallempfindungsstörungen, die im Hörsystem entstehen. Viele Faktoren wie Stress, Altersschwerhörigkeit, bestimmte Medikamente, ein plötzlicher lauter Knall, einige Hirntumoren oder die Erkrankung Morbus Menière können diese Empfindungsstörung begünstigen. Wie es zu der Störung im Hörsystem kommt, ist noch nicht vollständig geklärt.
Es gibt noch eine andere Art des Tinnitus, bei dem die Betroffenen Geräusche hören, die zwar vorhanden sind, aber üblicherweise nicht gehört werden. Die Betroffenen hören dann beispielsweise, wie das Blut durch eine Ader nahe am Ohr fließt. Ursache dafür sind meist anatomische Fehl- beziehungsweise Sonderbildungen.
Welche Beschwerden verursacht Tinnitus?
Das Ohrgeräusch kann als Pfeifen, Rauschen, Summen oder Zischen wahrgenommen werden. Der Tinnitus kann am Abend auftreten und am nächsten Morgen wieder verschwunden sein. In manchen Fällen nimmt das Geräusch auch nach Monaten oder sogar Jahren nicht ab.
Viele Betroffene empfinden die Ohrgeräusche zunächst als quälend, insbesondere wenn sie länger andauern. Ob und wie stark der Tinnitus die Lebensqualität der Betroffenen beeinträchtigt, ist sehr unterschiedlich: Einige Menschen fühlen sich durch die Ohrgeräusche nicht beeinträchtigt, andere fühlen sich dadurch gestört. Bei manchen Menschen kann der Tinnitus die Lebensqualität stark beeinträchtigen: Schlafstörungen, eine Abnahme der allgemeinen Leistungsfähigkeit und Angstzustände bis hin zum sozialen Rückzug und Depressionen können auftreten.
Welche Untersuchungen sind notwendig?
Der Arzt wird zunächst eine ausführliche Befragung (zum Beispiel nach Art und Dauer der Ohrgeräusche) und eine körperliche Untersuchung durchführen, um mögliche Auslöser des Tinnitus zu finden beziehungsweise auszuschließen. Hierfür sind verschiedene Untersuchungen beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt und bei Bedarf auch beim Neurologen, Orthopäden oder Zahnarzt notwendig. In Abhängigkeit von der individuellen Problematik erfolgen Hörprüfungen, Gleichgewichtstests, Blutuntersuchungen sowie Untersuchungen per , oder Magnetresonanztomografie.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Die Behandlung des Tinnitus orientiert sich einerseits an der Ursache, andererseits an der Dauer, am Zeitverlauf und am Schweregrad. Im Vordergrund der Therapie steht die Beseitigung der Schwer- beziehungsweise Fehlhörigkeit.
Bei einem plötzlichen Tinnitus-Anfall kommen häufig durchblutungsfördernde Infusionen und Kortison zum Einsatz. Ob sie bleibende Schäden verhindern, ist noch nicht eindeutig geklärt. Bei Bedarf erhalten die Betroffenen eine psychosoziale Beratung oder eine kognitive Verhaltenstherapie. Dabei sollen sie lernen, mit den Ohrgeräuschen zu leben.
Besteht der Tinnitus länger als drei Monate, ist es meist unwahrscheinlich, dass er wieder verschwindet. Der akute Tinnitus geht in einen chronischen Tinnitus über.
Besteht ein starker Hörverlust, können Hörgeräte helfen. Sie blenden Hintergrundgeräusche aus, sodass möglicherweise auch der Tinnitus weniger stört. Liegen Erkrankungen der Halswirbelsäule oder am Kieferapparat vor, müssen diese behandelt werden. Außerdem sollten die Betroffenen Tinnitus verstärkende Situationen meiden.
Durch gezieltes Training können sie lernen, ihr Ohrgeräusch zu akzeptieren und es weitgehend zu ignorieren. Eine wichtige Rolle spielen hierbei psychotherapeutische Verfahren. Es ist nachgewiesen, dass eine kognitive Verhaltenstherapie die Lebensqualität von Patienten mit Tinnitus verbessern kann.
Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, mit verschiedenen Apparaten wie Hörgeräten oder sogenannten Noisern (Rauschgeräte) Linderung zu verschaffen. Der Vorgang der Gewöhnung erfordert Geduld, Motivation und Zuversicht. Besonders wichtig ist die Unterstützung von außen, zum Beispiel durch den Arzt, Psychologen, Selbsthilfegruppen und Angehörige.