Untermenü

Krankheiten

 
 
 
Sie befinden sich hier:

tk.de . > Medizin & Gesundheit . > Krankheiten . > Krankheiten: T . > Tumorschmerzen

Inhaltsbereich

Tumorschmerzen - was ist das?

Artikel vorlesen
 

Tumorerkrankungen gehen nicht zwangsläufig mit Schmerzen einher, doch können in jedem Stadium der Erkrankung Schmerzen auftreten. Eine adäquate Schmerztherapie kann die Beschwerden lindern. 

Im Rahmen einer Tumorerkrankung auftretende Schmerzen lassen sich nach ihren Ursachen in vier große Gruppen unterteilen:

 

  • Direkt durch den Tumor verursachte Schmerzen: Der Tumor drückt auf Nerven oder wächst in das umgebende Gewebe ein. Er löst zudem Entzündungsreaktionen im Gewebe aus, die zu einer Reizung von Schmerznerven und Schmerzrezeptoren führen.
  • Indirekt durch den Tumor verursachte Schmerzen: Dazu zählen Schmerzen, deren Ursache begleitende Infektionen wie eine Gürtelrose sind, durch Wundliegen oder Muskelverspannungen bei Bettlägerigkeit. Außerdem kann Angst Schmerzen hervorrufen und verstärken. Angst kann auch zu krampfhaften, dauerhaft bestehenden, schmerzhaften Muskelverspannungen führen.
  • Durch die Krebsbehandlung hervorgerufene Schmerzen: Dazu gehören Operationsschmerzen (Wundschmerzen), Nebenwirkungen von Medikamenten, Entzündungen und Nervenschmerzen nach einer Chemotherapie oder einer Bestrahlungsbehandlung sowie Phantom- oder Stumpfschmerzen nach Amputationen.
  • Unabhängig von der Tumorerkrankung auftretende Schmerzen: Zusätzliche Erkrankungen wie zum Beispiel Rheuma oder Osteoporose (Knochenschwund) können ebenfalls Schmerzen verursachen.

 

Wie wird die Schmerzintensität abgeschätzt?

Die Schmerzempfindlichkeit jedes einzelnen Menschen ist ebenso unterschiedlich wie das Ausmaß der Schmerzen, die jemand ertragen kann.

 

Eine Möglichkeit der Schmerzeinschätzung bietet die visuelle Analogskala (VAS). Auf einer Art Rechenschieber gibt der Patient seine Schmerzintensität an. Die Skala reicht von "kein Schmerz" bis hin zu "größter vorstellbarer Schmerz". Der Arzt liest einen entsprechenden Zahlenwert ab und trägt diesen in ein Schmerz-Tagebuch ein. Anhand dieses Schmerz-Tagebuches kann er eine Schmerzdiagnose stellen und entscheiden, welche Therapie für den jeweiligen Patienten passend ist.

  

Prinzipien der medikamentösen Schmerztherapie - das WHO-Stufenschema

Behandlungsziel ist im besten Fall die Schmerzfreiheit, zumindest aber die Reduktion von Schmerzen auf ein erträgliches Maß. In mehreren kleinen Schritten wird versucht, Schmerzlinderung während der Nacht, in Ruhe und schließlich am Tag zu erzielen.

  

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat für die Krebsschmerztherapie ein Schema entwickelt, das sich auch auf die medikamentöse Behandlung anderer Schmerzformen übertragen lässt. Das Schema empfiehlt ein stufenweises Vorgehen mit verschiedenen Schmerzmitteln oder Schmerzmittel-Kombinationen, das sich an der Stärke der Schmerzen orientiert.

 

Je nach Schmerzintensität wählt der Arzt die therapeutische Stufe, die er bei seinem Patienten für notwendig und Erfolg versprechend hält:

 

  • Stufe 1: Nichtopioid-Analgetikum (Schmerzmittel, das nicht vom Morphin abgeleitet ist)
  • Stufe 2: Nichtopioid-Analgetikum kombiniert mit schwach wirksamem Opioid-Analgetikum
  • Stufe 3: Nichtopioid-Analgetikum kombiniert mit stark wirksamem Opioid-Analgetikum

 

Für jeden Patienten wird ein individueller Therapieplan erstellt, der oft eine Kombination von verschiedenen Medikamenten vorsieht. Denn meist ist die Kombination mehrerer Medikamente für den Patienten schonender als die Einnahme eines einzelnen Medikaments. Da Nichtopioid-Analgetika und Opioid-Analgetika über verschiedene Mechanismen den Schmerz unterdrücken, ist eine Kombination dieser beiden Gruppen sehr sinnvoll. Aufgrund des verstärkenden Effekts (Synergieeffekt) ist es möglich, die einzelnen Medikamente niedriger zu dosieren. Das vermindert die Gefahr unerwünschter Nebenwirkungen.

 

Weiterhin empfiehlt die WHO, die Schmerzmedikamente immer zu einem festgelegten Zeitpunkt und bevorzugt Medikamente zum Schlucken (Tabletten oder Tropfen), alternativ Zäpfchen oder Pflaster einzusetzen. 

Autor: Dr. med. Ursula Marschall; Ulrich Kraft, erstellt am 14.07.05; zuletzt aktualisiert von Dr. Judith Neumaier am 26.05.11

Quelle: Becker, H.D.: Chirurgische Onkologie Glossar-Symbol. Thieme (2001); Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag (2003); Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft: Arzneiverordnung in der Praxis. Tumorschmerzen. 3. Auflage: 2007; Deutsche Krebshilfe: Schmerzen bei Krebs, 9/2010 (http://www.krebshilfe.de/fileadmin/Inhalte/Downloads/PDFs/Blaue_Ratgeber/050_schmerzen.pdf).

 
 
 

Impressum und Hilfe