Was ist eine Varikozele?
Eine Varikozele ist eine Erweiterung des Venengeflechts, das um den Samenstrang der Hoden verläuft (Plexus pampiniformis).
Varikozelen entwickeln sich in den meisten Fällen links. Man vermutet, dass dies auf den schlechteren Mündungsverhältnissen der Hodenvene auf der linken Seite beruht. Gelegentlich tritt sie jedoch auch beidseitig auf.
Varikozelen entstehen meistens während der Pubertät oder kurz vorher. Sogenannte symptomatische Varikozelen können bei Tumoren im hinteren Bauchraum entstehen, zum Beispiel bei Nierentumoren. An diese Möglichkeit ist vor allem bei rechtsseitigen Varikozelen und bei der Entwicklung von Varikozelen im Kindesalter oder bei älteren Erwachsenen zu denken.
Welche Beschwerden können bestehen?
Oft verursachen Varikozelen keine Beschwerden. Bei sehr ausgeprägten Krampfadern klagen manche Patienten über dumpfe oder ziehende Schmerzen beziehungsweise über ein Schweregefühl auf der betroffenen Seite.
Eine Varikozele kann die normale Durchblutung des Hodens stören und das empfindliche hormonelle Systems verändern. Außerdem können Varikozelen zu einem eingeschränkten Hodenwachstum führen. Meist bleibt dann das Wachstum der betroffenen Hodenseite zurück. Bei Jugendlichen kann das Wachstum der Gegenseite ebenfalls eingeschränkt sein.
Wie kann man eine Varikozele erkennen?
Eine deutlich ausgeprägte Varikozele ist sichtbar oder zu ertasten. Die Diagnose bestätigt der Arzt zumeist mithilfe einer (). Dabei kann er die Größe des Hodens ausmessen. Mittels einer Duplexsonografie kann der Arzt das Fließgeräusch und die Fließgeschwindigkeiten des Blutes in den Hodenvenen unter einem Pressversuch hörbar/sichtbar machen.
Außerdem sollte das Hodenvolumen bestimmt und - falls möglich - das Sperma untersucht werden. Bei einem auffälligen Befund werden im Blut einige Hormone bestimmt.
Wichtig ist es, eine symptomatische Varikozele auszuschließen. Daher sollte der Arzt möglichst immer auch eine Ultraschalluntersuchung der Nieren und des hinteren Bauchraumes durchführen.
Welche Auswirkungen hat die Varikozele auf die Fruchtbarkeit?
Gesichert scheint, dass die Varikozele einen negativen Einfluss auf die Fruchtbarkeit hat. Bei etwa 15 Prozent der Männer, die eine Varikozele haben, ist die Fruchtbarkeit beeinträchtigt. 25 bis 40 Prozent der Männer, die in die Fruchtbarkeitssprechstunde kommen, haben eine Varikozele.
Das Hodenvolumen der Männer mit einer Varikozele ist durchschnittlich erniedrigt. Das verringerte Hodenvolumen korreliert mit einer ebenfalls erniedrigten Spermienanzahl. Nach einer Behandlung kommt es vor allem bei Heranwachsenden meistens zu einer Normalisierung des Hodenvolumens.
Fruchtbarkeitsstörungen bei Männern mit einer Varikozele treten meist aufgrund einer krankhaften Veränderung der Spermien (Oligo-Astheno-Teratozoospermie-Syndrom, OAT-Syndrom) auf. Dabei ist die Spermienzahl insgesamt zu gering und das Aussehen und die Beweglichkeit vieler Spermien verändert. Bei einer geringen Störung kann die Zeugungsfähigkeit normal sein. Das OAT-Syndrom tritt jedoch auch bei anderen Ursachen einer gestörten Fruchtbarkeit auf.
Die meisten Untersuchungen ergeben, dass sich die Spermienqualität nach der Behandlung einer Varikozele verbessert. Ob die Behandlung auch zu einer höheren Zeugungsrate führt, ist nicht sicher zu sagen.
Wann sollte eine Varikozele behandelt werden?
Die Frage, wann eine Varikozele behandelt werden muss, ist schwierig zu beantworten und nur nach ausführlicher Beratung zusammen mit dem Arzt zu entscheiden. In die Überlegungen sollte ein bestehender Kinderwunsch mit eingehen. Ob die Therapie die Spermienqualität verbessert, ist jedoch unsicher.
Weitgehende Einigkeit besteht darüber, dass eine Varikozele zu behandeln ist, wenn sie Beschwerden verursacht. Auch bei Kindern und Heranwachsenden mit einem verringerten Hodenvolumen sollte eine Varikozele behandelt werden. Durch die Therapie erreicht man in der Regel eine Normalisierung des Hodenvolumens.
Die Therapie sehr großer Varikozelen ist bei Jugendlichen auch ohne Volumenminderung des Hodens sinnvoll, um mögliche negative Auswirkungen zu vermeiden. Bei normalem Hodenvolumen und kindlicher Varikozele wird zunächst abgewartet, da eine spontane Rückbildung, also eine Rückbildung ohne Therapie möglich ist. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen, alle sechs Monate, sind jedoch wichtig.
Bei einer deutlich eingeschränkten Samenqualität, die auf die Varikozele zurückzuführen ist, sollte ebenfalls aktiv vorgegangen werden. Dies gilt vor allem bei eingeschränktem Hodenvolumen.
Bei unerfülltem Kinderwunsch und OAT-Syndrom beziehungsweise Unfruchtbarkeit ist eine Behandlung mit Einschränkungen empfehlenswert. In aller Regel ist bei Kinderwunsch eine Paarberatung sinnvoll, das heißt, auch die Fruchtbarkeit der Partnerin und ihr Alter sind bei der Entscheidung für oder gegen eine Therapie von Bedeutung. Entscheidet man sich bei noch guter Samenqualität für ein abwartendes Vorgehen, sind eine jährliche Spermiogramm-Kontrolle und Bluttests empfehlenswert.
Wenn keine Spermien mehr in der Samenflüssigkeit vorhanden sind, ist eine Therapie der Varikozele aus Gründen der Fruchtbarkeit nicht mehr sinnvoll.
Wie sieht die Behandlung aus?
Es gibt vielfältige Behandlungsmöglichkeiten einer Varikozele. Man unterscheidet die offenen chirurgischen Verfahren und die Sklerosierungen (Verödungen) der Hodenvene.
Retrograde Sklerosierung
Der Arzt punktiert die Leistenvene, führt einen in die betroffene Vene ein und verödet (sklerosiert) sie anschließend.
Antegrade Sklerosierung (nach Tauber)
Der Urologe sucht durch einen kleinen Schnitt am oberen Hodensack vergrößerte Venen, führt einen Katheter in die betroffene Vene ein und verödet sie. Dies geschieht zumeist in örtlicher Betäubung, da der Patient während der Sklerosierung pressen sollte. Das Verfahren ist auch in Narkose möglich.
In seltenen Fällen sind diese beiden Verfahren durch anatomische Besonderheiten (zum Beispiel ungünstige Gefäßabflüsse) nicht möglich, sodass eine offene Operation notwendig ist. Bei der antegraden Sklerosierung erfolgt diese möglicherweise gleich anschließend.
Offene operative Verfahren
Varikozelen wurden in der Vergangenheit immer durch offene Schnitte operiert. Die verschiedenen Verfahren unterscheiden sich in der Höhe, in der die Hodenvene abgebunden wird und somit in der Schnittführung. Bei einigen Verfahren wurde auch die Hodenarterie mit abgebunden, mehr Komplikationen als nach alleiniger Unterbindung der Vene traten dabei nicht auf.
Die Schnittführung liegt zwischen der Leiste und der Flanke, oft wird ein Schnitt gemacht, der dem einer Blinddarmentfernung ähnelt. Der Bauchraum wird bei der Abbindung der Hodenvene normalerweise nicht eröffnet.
Laparaskopisch
Auch mithilfe von Endoskopen (Knopflochchirurgie) ist die Therapie einer Varikozele möglich. Hierbei wird die betroffene Vene am inneren Leistenring durch einen Clip abgebunden.
Mikrochirurgisch
Bei den mikrochirurgischen Verfahren werden die Venen mit ihren seitlichen Abflüssen im Bereich der Leiste unter Verwendung eines Operationsmikroskops abgebunden.
Welche Komplikationen können nach der Therapie auftreten?
In den ersten Tagen nach einer Sklerosierungs-Therapie kommt es zum leichten, teigigen Anschwellen des Hodensacks. Ob die Therapie erfolgreich war (bei allen Verfahren normalerweise in über 90 Prozent der Fälle), kann man erst nach einigen Wochen beurteilen. Die Hauptgefahr der Varikozelen-Behandlung liegt in der Hodenatrophie, das heißt, der Hoden wird funktionslos und klein.
Darüber hinaus bestehen die generellen Operationsrisiken: Bildung eines Blutgerinnsels mit der Gefahr einer Embolie, Wundheilungsstörungen, Verletzung des Samenleiters, des Bauchfells und der Harnleiter sind - je nach Operationsmethode - möglich.
Außerdem kann sich nach der Operation eine Hydrozele (Wasserbruch) bilden. Die versehentliche Sklerosierung anderer Gefäße mit entsprechendem Funktionsverlust ist möglich. Bei den Sklerosierungs-Verfahren darf der Patient keine Kontrastmittelallergie haben. Insgesamt sind die operativen Risiken jedoch als gering einzustufen.