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Schwindel - Vertigo

 

Schwindelanfälle gehören zu den häufigsten Problemen, mit denen Patienten zum Arzt kommen. Oft handelt es ich um den gutartigen Lagerungsschwindel. Er tritt morgens bei der ersten Lageänderung - meistens beim Aufstehen - plötzlich auf.

Laut einer Befragung leiden in Abhängigkeit vom Alter 17 bis 39 Prozent aller Menschen darunter. Der gutartige Lagerungsschwindel kann in jedem Lebensalter auftreten, er gilt aber als typische Alterserkrankung mit einem Maximum in der sechsten bis siebten Lebensdekade.

 

Schwindel an sich ist keine Krankheit, sondern ein Symptom. Die Störung des Gleichgewichtssinns kann unterschiedliche Ursachen haben, welche nicht immer zweifelsfrei geklärt werden können.

 

Wie funktioniert der Gleichgewichtssinn?

Das Innenohr besteht aus einem Vorhof, drei C-förmigen Bogengängen und einem knöchernen spiralförmigen Gang, der sogenannten Schnecke. Im knöchernen Teil des Innenohrs befindet sich eine Flüssigkeit, die Perilymphe. Darin eingeschlossen befindet sich das Labyrinth, das aus Haut besteht und mit einer weiteren Flüssigkeit, der Endolymphe, gefüllt ist.

 

Wenn wir uns drehen, führt auch diese Flüssigkeit eine Drehung aus. In den Bogengängen befinden sich Sinneshaarzellen als Bewegungsrezeptoren. Bei Drehbeschleunigungen verschiebt sich die Flüssigkeit und mit ihr die Sinneshaarzellen. Um den gesamten Raum erfassen zu können, bilden die Bogengänge drei aufeinander senkrecht stehende Ebenen. Die Sinneshaarzellen in einem Bogengang sind nur für die Drehung in der Ebene des jeweiligen Bogenganges zuständig. Zusammen mit den Informationen der Augen registriert und verarbeitet unser Körper so Drehbewegungen.

 

Die Lage des Körpers im Raum vermitteln der Vorhof mit dem großen und dem kleinen Vorhof-Säckchen. Dort befindet sich auf den Sinneshaarzellen eine gallertige Membran mit kleinen Steinchen, den Statolithen. Bei Veränderung der Lage des Menschen im Raum kommen diese Steinchen ins Rutschen und übertragen die Lageveränderung über die Membran an die Sinneshaarzellen. So können Sie Beschleunigung und Positionswechsel des Kopfes in Bezug zum Boden (Lageveränderung) registrieren. 

 

Gutartiger Lagerungsschwindel: Steinchen täuschen das Innenohr

Haben die Steinchen sich von allein oder durch äußere Einwirkung von der Membran losgelöst, können sie verklumpen und durch Druck auf die Sinneshaarzellen zu einer Reizung im Bogengang führen. Somit wird unserem Gleichgewichtsorgan eine Kopfbewegung vorgetäuscht und ein Schwindelgefühl ausgelöst.

 

Das erklärt, warum der gutartige Lagerungsschwindel meist im Laufe des Tages nachlässt. Wenn der Patient seinen Kopf für mehrere Stunden ruhig hält (so wie im Schlaf), fügen sich die vorher auseinandergefallenen Teilchen an der tiefsten Stelle innerhalb des Bogengangs wieder zu einem Klumpen zusammen und lösen beim Kopflagewechsel Schwindel aus. Nach dem Aufstehen löst sich der Klumpen wieder in seine Bestandteile auf.

 

Die vom Arzt empfohlene Behandlung des gutartigen Lagerungsschwindels besteht darin, dass der Patient nach einem bestimmten Schema rasch den Kopf zur Seite legt, dann den Körper nach links, rechts oder nach hinten legt und sich wieder aufrichtet. Auf diese Weise gelangen die kleinen Steinchen im Innenohr an einen Ort, an dem sie keine Schwindelattacken mehr auslösen können.

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Autor: Marcus Anhäuser/Dr. med. Susanne Holthausen, erstellt am 01.08.05; zuletzt aktualisiert von Dr. Judith Neumaier am 22.07.11

Quelle: Der Allgemeinarzt/Informationsdienst Wissenschaft; Strupp M, Brandt T: Leitsymptom Schwindel: Diagnose und Therapie. Dtsch Arztebl 2008; 105(10): 173–80; Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie: Schwindel-Diagnostik, Oktober 2008 (www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/030-017_S1_Schwindel_-_Diagnostik_10-2008_10-2013.pdf) und Schwindel-Therapie, Oktober 2008 (www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/030-018_S1_Schwindel_-_Therapie_10-2008_10-2013.pdf).

 
 
 

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