Medikamente

Die heute eingesetzten Bluthochdruckmedikamente (Antihypertensiva) wirken unterschiedlich an den Organen, die an der Regulierung des Blutdrucks beteiligt sind.

 

Die unterschiedlichen Wirkstoffe, sowohl alleine als auch in Kombination gegeben, erlauben eine auf Sie persönlich zugeschnittene Therapie.

 

Anatomische Darstellung von Gehirn, Herz und NierenA - Alpha-Blocker
B - Kalzium-Antagonisten
C - Hemmstoffe des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems
D - Betablocker
E - Diuretika
A - Alpha-Blocker

Der Sympathikus ist ein Teil unseres Nervensystems, der unter anderem für eine Blutdrucksteigerung zuständig ist. Alpha-Blocker reduzieren den Einfluss des Sympathikus, somit können sich die kleinen Blutgefäße entspannen und die Pumpleistung des Herzens wird gedämpft. Der Druck in den Blutgefäßen nimmt ab und der Blutdruck sinkt.

 

Häufige Nebenwirkungen: Müdigkeit, Herzklopfen, Mundtrockenheit, Schwindel, Wassereinlagerungen, verstärkter Harndrang

 

B - Kalzium-Antagonisten

Kalzium bewirkt, dass sich die Gefäßmuskulatur zusammenzieht, das heißt, es wirkt gefäßverengend. Kalzium-Antagonisten verhindern diese Wirkung. Dadurch entspannt sich die Gefäßmuskulatur, die Gefäße erweitern sich und der Blutdruck sinkt.

 

Häufige Nebenwirkungen: Wassereinlagerung an den Knöcheln, Herzklopfen, Kopfschmerzen, Hautrötung und Wärmegefühl, Schwindel

 

C- Hemmstoffe des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems

ACE-Hemmer

ACE-Hemmer regulieren den Blutdruck hormonell, indem sie die Bildung eines Hormons blockieren, das gefäßverengend und blutdrucksteigernd wirkt.

 

Häufige Nebenwirkungen: Reizhusten, Schwindel, Übelkeit, Kopfschmerzen, niedriger Blutdruck, Ausschlag, Überempfindlichkeitsreaktionen, Müdigkeit

 

Angiotensin-II-Antagonisten (Sartane)

Ähnlich wie die ACE-Hemmer blockiert diese Substanzgruppe das Hormon, das Gefäße eng stellt und damit den Blutdruck ansteigen lässt. Die Gefäße werden durch die Hormonblockade geweitet und der Blutdruck sinkt.

 

Häufige Nebenwirkungen: Schwindel, Müdigkeit, niedriger Blutdruck, Unterzuckerungen

 

Renin-Hemmer

Ein Renin-Hemmer senkt den Blutdruck, indem er die Bildung eines Hormons blockiert, das gefäßverengend und blutdrucksteigernd wirkt.

Häufige Nebenwirkung: Durchfall, Gelenkschmerzen

 

D - Herzaktivität-dämpfende Medikamente (Betarezeptorenblocker)

Diese Medikamente dämpfen überaktive Nervenreize am Herzen. Das Herz pumpt damit weniger Blut durch die Adern - der Blutdruck sinkt.

Häufige Nebenwirkungen: Müdigkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, verlangsamter Herzschlag, negativer Einfluss auf den Zuckerstoffwechsel

 

E - Entwässernde Medikamente (Diuretika)

Diuretika regen die Nieren an, vermehrt Wasser und Salze auszuscheiden. Hierdurch sinken Blutvolumen und Blutdruck.

 

Häufige Nebenwirkungen: häufiges Wasserlassen, Mundtrockenheit, Muskelverspannungen (Wadenkrämpfe), Blutdruckabfall, Abgeschlagenheit, Übelkeit, Störungen im Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt, Anstieg der Harnsäure-, Zucker-, Cholesterin- und Triglyzeridspiegel

 

Anmerkung: Die Auflistung der Nebenwirkungen ist nicht komplett und kann sich bei den einzelnen Medikamenten unterscheiden. Genannt sind nur einige häufige Beschwerden. Häufig heißt, dass bei weniger als einer von zehn Personen, aber bei mehr als einer von 100 Personen diese Nebenwirkungen auftreten können.

 

Wie wird der Blutdruck medikamentös gesenkt?

Wenn der Bluthochdruck nicht akut gefährlich ist, versucht der Arzt, den Blutdruck medikamentös langsam über mehrere Wochen zu senken. Besonders langsam sollte die Blutdrucksenkung bei älteren Patienten erfolgen.

 

Die Therapie des Bluthochdrucks ist eine Dauertherapie. Jede Unterbrechung sowie jede Verringerung der Dosis ohne Rücksprache mit Ihrem Arzt kann gefährlich sein. Sie sollten Ihre Medikamente in der verordneten Dosierung regelmäßig einnehmen.

 

Hilfreich ist es, die Medikamenteneinnahme in den eigenen Tagesablauf fest einzuplanen. Die beste Zeit dafür ist morgens - bei einigen Patienten gleich nach dem Aufwachen, da die höchsten Blutdruckwerte am frühen Morgen gemessen werden.

 

Bei manchen Medikamenten reicht die morgendliche Gabe nicht aus, um den Hochdruck dauerhaft zu senken. In diesen Fällen müssen die Patienten die Arzneimittel zweimal täglich einnehmen.


Die Behandlung des Bluthochdrucks wird mit einem einzigen Medikament in einer niedrigen Dosierung oder mit einem Kombinationspräparat begonnen. Damit es für den Patienten einfacher ist, wird der Arzt in der Regel Medikamente mit 24-stündiger Wirkung bevorzugen. Ist die Wirkung ungenügend, kann der Arzt entweder die Dosis des verordneten Medikaments steigern, ein weiteres Medikament einsetzen oder auf ein anderes Medikament umsteigen. Auch bei der Hochdruckbehandlung gilt: so wenig wie möglich und so viel wie nötig.

 

Die Kombination zweier Hochdruckmittel mit verschiedenen Angriffspunkten hat den Vorteil, dass der Arzt die einzelnen Substanzen niedriger dosieren kann. Dadurch treten weniger Nebenwirkungen auf. Bei schwer beeinflussbarem Bluthochdruck kommen auch Dreifachkombinationen, ja sogar Vier- und Fünffachkombinationen zum Einsatz.

 

Wie wichtig ist die Therapietreue?

Obwohl Medikamente den Blutdruck erfolgreich senken können und sie als sehr sicher gelten, verunsichert die Situation viele Betroffene. Wir sind es nicht gewohnt, über einen sehr langen Zeitraum Tabletten einzunehmen. Hiermit werden Ängste und Befürchtungen verbunden, wie zum Beispiel, dass Medikamente chemisch und damit auch giftig sind, abhängig machen und Nebenwirkungen verursachen. Etwa 60 von 100 Hochdruckpatienten vernachlässigen die Tabletteneinnahme oder verringern die Dosis, ohne Rücksprache mit ihrem Arzt zu halten.

 

Viele wissenschaftliche Studien zeigten, dass der Therapieerfolg von der Therapietreue des Patienten abhängt. Hochdruckpatienten, die konsequent ihre Medikamente in der verordneten Form einnehmen, haben ein wesentlich geringeres Risiko, einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt zu erleiden.

 

Welche Therapiehürden gibt es?

Die Behandlung eines Bluthochdrucks ist eine Langzeittherapie. Hier können typische Hürden auftreten, die die Therapietreue gefährden und die Motivation bremsen, regelmäßig die Tabletten einzunehmen.

 

Gesundfühlfalle

Die Gesundfühlfalle gaukelt den Betroffenen vor, gesund zu sein. Da die Symptome fehlen, nehmen sie den Bluthochdruck nicht als echte Erkrankung wahr und schätzen die dahinter lauernden Gefahren (zum Beispiel Herzinfarkt oder Schlaganfall) nicht richtig ein.

 

Langsame Wirkung

Eine weitere Hürde ist, dass blutdrucksenkende Medikamente selten so spürbar wirken wie etwa eine Schmerztablette. Die Wirkung der Therapie erkennt der Patient an den langsam sinkenden Blutdruckwerten.

 

Gesundung

Erwarten Sie nicht, durch eine Therapie wieder vollständig zu gesunden. Viele Patienten verringern die Tabletteneinnahme, wenn der Blutdruck sinkt und denken, wieder gesund zu sein. Tatsache ist, dass die meisten Bluthochdruck-Patienten ein Leben lang Tabletten nehmen müssen, da sonst der Blutdruck wieder steigt.

 

Langzeittherapie

Der Gedanke, ein Leben lang körperfremde, chemische Tabletten einnehmen zu müssen, hat für viele Patienten etwas Bedrohliches. Sie können jedoch davon ausgehen, dass die vom Arzt empfohlenen Medikamente normalerweise schon seit vielen Jahren zugelassen sind und eine große Zahl von Patienten diese erfolgreich einnehmen. Auch bei einer Langzeittherapie bieten sie ein hohes Maß an Sicherheit.

 

Vergessen der Medikamenteneinnahme

Eine ebenfalls große Hürde bei der Therapie des Bluthochdrucks ist, die Tabletteneinnahme zu vergessen, da das gelegentliche Auslassen zumindest vorübergehend oft ohne spürbare Folgen bleibt. Dennoch kann es zu hypertensiven Krisen mit starken Blutdruckanstiegen kommen. Gerade zu Anfang, wenn es ungewohnt ist, jeden Tag zur gleichen Zeit eine oder mehrere Tabletten einzunehmen, kann dies leicht passieren.

 

Tipp: Wenn nicht anders verordnet, hilft es, die Tabletteneinnahme in die Alltagsroutine einzubauen, zum Beispiel beim Frühstück oder beim Zähneputzen.

 

Nebenwirkung

Die Angst vor oder das Spüren von Nebenwirkungen ist eine beachtliche Therapiehürde. Obwohl Nebenwirkungen nicht selten vorübergehend und oft harmlos sind, lassen sie viele Patienten daran zweifeln, dass sie den richtigen Weg gehen. Ihrer Besorgnis begegnen sie am besten mit Wissen.


Wichtig ist, dass Sie bei Auftreten einer oder mehrerer der oben genannten Hürden den Arzt ansprechen und ihm die Sorgen oder Zweifel mitteilen. Er kann entsprechend aufklären und gegebenenfalls alternative Behandlungsmaßnahmen vorschlagen. Entscheidend ist aber, nicht eigenständig, das heißt, ohne Rücksprache mit dem Arzt die verordnete Dosis zu verändern oder gänzlich die Therapie abzubrechen.

 

Wann können Medikamente wieder abgesetzt werden?

Bei leichten Formen des Bluthochdrucks, insbesondere bei solchen, die in vorübergehenden belastenden Lebenssituationen auftreten, können frühestens nach einem Jahr der Therapie und unter ärztlicher Kontrolle die Medikamente versuchsweise abgesetzt werden. Voraussetzung ist, dass der Blutdruck die ganze Zeit normal war.

 

In jedem Fall werden die Medikamente niemals abrupt, sondern mit langsam sinkender Dosierung und häufigen Blutdruckkontrollen reduziert. Nimmt der Patient mehrere Medikamente ein, wird zunächst nur eines in der Dosis langsam verringert.

 

Blutdrucksenkende Medikamente abzusetzen, ist selten gerechtfertigt, solange blutdrucksteigernde Belastungsfaktoren weiter bestehen. Leider können nur die wenigsten Patienten nach einem solchen Versuch dauerhaft auf ihre Medikamente verzichten. Bei den meisten steigt nach einem Absetzen der Blutdruck nach ein bis sechs Monaten wieder an.

 

Welche neuen Verfahren zur Blutdrucksenkung gibt es, wenn Medikamente nicht helfen?

Inzwischen haben Wissenschaftler auch minimalinvasive Verfahren zur Blutdrucksenkung entwickelt.

 

Bei der renalen Denervierung verödet der Arzt in der Niere bestimmte Nervenfasern, die an der Entstehung von Bluthochdruck beteiligt sind. Dazu verwendet er einen Katheter, den er an der Leiste in ein Gefäß einführt und bis zur Niere vorschiebt. An der Spitze des Katheters befindet sich eine Elektrode, die Hochfrequenzstrom abgibt und so die Nerven durchtrennen kann.

 

Eine weitere neue Methode ist die Barorezeptorstimulation. Dabei implantiert der Arzt Elektroden an der Halsschlagader. Dort befinden sich Sensoren (Barorezeptoren), die den Blutdruck registrieren und entsprechend dieser Werte die Herzfrequenz und den Blutdruck regulieren. Über einen in der Nähe implantierten Schrittmacher ist es möglich, die Barorezeptoren zu stimulieren und damit eine Blutdrucksenkung zu erzielen.

 

Bisher gibt es noch wenige Daten zur langfristigen Sicherheit und Wirksamkeit dieser beiden Verfahren. Sie kommen nur dann infrage, wenn auch Mehrfachkombinationen den Blutdruck nicht ausreichend senken, die Therapietreue gewährleistet ist und sekundäre Ursachen des Bluthochdrucks ausgeschlossen sind. Die Anwendung erfolgt bisher nur in einigen spezialisierten Zentren.