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ernstes Männergesicht

Was versteht man unter einer Depression?

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Als Depression im medizinischen Sinne bezeichnet man eine länger anhaltende psychische Erkrankung, die unter anderem durch eine gedrückte Stimmung, den Verlust von Interesse und Freude und einer erhöhten Ermüdbarkeit geprägt ist. Typisch sind eine "Trauer ohne Grund" oder auch ein "Gefühl der Gefühllosigkeit".

Traurigkeit und Niedergeschlagenheit sind Empfindungen, die alle Menschen im Laufe ihres Lebens erfahren. Oft sind Verluste, private oder berufliche Enttäuschungen oder Misserfolge so belastend, dass sie alle Lebensbereiche negativ beeinflussen. Doch diese Gefühle gehen in der Regel vorbei, machen neuen Empfindungen Platz und die Stimmung hellt wieder auf. Aus medizinischer Sicht handelt es sich dabei nicht um eine Depression, sondern um eine "normale" Reaktion unserer Psyche auf bestimmte Lebensprobleme.

 

Im Gegensatz zu einer "normalen" Traurigkeit ist der an einer Depression Erkrankte nicht in der Lage, sich aus eigener Kraft von der gedrückten Stimmung zu befreien. Sein privater wie beruflicher Alltag wird dadurch erheblich beeinträchtigt. Die Depression beeinflusst das gesamte körperliche Empfinden, das Denken, die Gefühle und das Verhalten des Erkrankten sowie die Bezüge zur eigenen Person, zum Umfeld und zu seiner Zukunft. Dies kann dazu führen, dass schwer depressive Menschen unfähig sind, den eigenen Lebensverpflichtungen nachzukommen, sie schaffen es manchmal kaum, morgens aus dem Bett aufzustehen.

 

An einer Depression zu erkranken bedeutet aber weder "verrückt" zu sein, noch heißt es, dass Betroffene gefährdeter sind, eine andere psychiatrische Erkrankung wie eine Schizophrenie oder eine Demenz zu entwickeln. Der Realitätsbezug und die Orientierung zur eigenen Person bleiben bei der Depression erhalten. Die Depression ist eine Erkrankung der Stimmungen und Gefühle, die mit modernen Therapiemethoden meistens gut zu behandeln ist.

 

Wie häufig tritt eine Depression auf? 

Die Depression ist eine häufige psychische Störung nicht nur hierzulande, sondern weltweit. Man kann davon ausgehen, dass das Risiko, im Laufe des Lebens an einer Depression zu erkranken, bei circa 16 bis 20 Prozent liegt. Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer.

 

Laut einer Untersuchung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bleibt etwa die Hälfte der depressiven Erkrankungen unerkannt, das heißt die Dunkelziffer ist hoch. Dafür gibt es zwei wesentliche Gründe: Zum einen gehen die Betroffenen nicht zum Arzt, zum anderen diagnostizieren Ärzte die psychische Erkrankung nicht.

 

Grundsätzlich kann eine Depression in jedem Lebensalter auftreten, jedoch beginnen 50 Prozent der Erkrankungen vor dem 31. Lebensjahr.

 

Wodurch wird eine Depression verursacht? 

Experten gehen davon aus, dass bei Entstehung einer Depression verschiedene Faktoren beteiligt sind und erst ein Zusammenspiel dieser Faktoren die Krankheit auslöst.

 

Dabei scheint eine Erkrankungsbereitschaft genetisch bedingt zu sein. So haben Angehörige ersten Grades von depressiven Patienten, zum Beispiel Kinder oder Geschwister, ein doppelt so hohes Risiko zu erkranken. Dies allein würde jedoch noch keine Depression verursachen. 

 

Hinzu kommen vermutlich weitere Faktoren wie Lebensweise, soziales Umfeld oder Lebensgeschichte. Insgesamt kommen Depressionen häufiger bei belastenden Lebensereignissen vor: Das kann der Tod eines nahe stehenden Menschen sein. Oder Scheidung, auch wenig soziale Unterstützung, Vereinsamung, bedrückende Begleiterkrankungen, Abhängigkeit von Alkohol, Tabletten oder Drogen sind ausschlaggebende Faktoren.

 

Neben depressiven und manisch-depressiven Erkrankungen bei Angehörigen erhöhen bereits durchgemachte depressive Episoden sowie Selbstmordversuche von Familienmitgliedern das Risiko für eine Depression.

 

Darüber hinaus liegen bei depressiven Menschen meist typische negative Denkmuster vor, die die Entstehung der Erkrankung begünstigen und auch die Symptomatik aufrecht halten können. So neigen Depressive beispielsweise oft stark zu Schuldgefühlen, welche die ohnehin schon gedrückte Stimmung noch weiter negativ beeinflussen. Auch körperliche Erkrankungen und hormonelle Umstellungen, zum Beispiel während der Wechseljahre oder nach einer Entbindung, können Auslöser einer Depression sein.

 

Davon zu unterscheiden sind allerdings Depressionen aufgrund einer bekannten körperlichen Ursache. In diesem Fall spricht man von sogenannten "sekundären Depressionen". So können zahlreiche körperliche Erkrankungen, etwa Schilddrüsenerkrankungen, Hormonstörungen, die Parkinson-Krankheit, Gehirntumoren, Demenzen, Herzmuskelschwäche, aber auch Medikamente wie Betablocker, Kortison und einige Antibiotika eine depressive Symptomatik auslösen.

 

Insbesondere lang dauernde und immer wiederkehrende (chronische) Erkrankungen sowie Suchterkrankungen führen häufig zu sekundären Depressionen. 

 

Welche Symptome kennzeichnen die Erkrankung? 

Insgesamt kann sich die Depression in einer Vielzahl von sowohl psychischen als auch physischen Symptomen äußern.

 

Wichtige Symptome sind unter anderem:

 

  • Verlust von Interesse und Freude an normalen Aktivitäten und Vergnügungen
  • mangelnder Antrieb
  • erhöhte Ermüdbarkeit, körperliche Abgeschlagenheit
  • Schlafstörungen
  • verminderte Aufmerksamkeit und Konzentration
  • Schuldgefühle
  • vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen
  • Unentschlossenheit, teilweise auch bei einfachen Entscheidungen
  • negative Zukunftsgedanken
  • Suizidgedanken
  • Appetitlosigkeit und Gewichtsabnahme
  • innere Unruhe
  • vermindertes sexuelles Interesse
  • Verspannungen der Muskulatur
  • Engegefühl in Hals und Brust
  • körperliche Symptome wie Schwindel, Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden, Luftnot, Herzrhythmusstörungen und so weiter, für die der Arzt keine organische Ursache finden kann
  • depressive Stimmung oft ohne jeden Anlass, mit allen Übergängen von leichter Bedrücktheit bis zur tiefen Traurigkeit und zum versteinerten "Nichts mehr fühlen können"

 

Wie wird die Diagnose gestellt? 

Besteht der Verdacht auf eine Depression, sollte der Betroffene in jedem Fall einen Arzt aufsuchen, der ihn gegebenenfalls an einen Facharzt überweisen kann. In der Regel erfolgt die Diagnose anhand der Symptomatik.

 

Eine Depression liegt dann vor, wenn wenigsten zwei sogenannte Haupt- und zwei Nebensymptome über mindestens zwei Wochen bestehen. Zu den Hauptsymptomen zählen:

 

  • depressive Stimmungslage

  • Verlust von Interesse und Freude

  • mangelnder Antrieb und erhöhte Ermüdbarkeit

 

Nebensymptome sind:

 

  • verringerte Aufmerksamkeit und Konzentration

  • eingeschränktes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen

  • Schuldgefühle und Gefühl der Wertlosigkeit

  • negative Zukunftsgedanken

  • Selbstmordgedanken und -handlungen

  • Schlaflosigkeit

  • Appetitverlust

     

Daher steht im Mittelpunkt der Diagnostik ein ausführliches Gespräch. Zunächst geht es dabei um die aktuellen Beschwerden und Vorerkrankungen. Aber auch die Lebens- und Familiengeschichte sowie bestehende Probleme sind bei der medizinischen Betrachtung ganz wichtig.

 

Weitere Hinweise auf die Erkrankung und deren Ausmaß können psychologische Tests, zum Beispiel Allgemeine Depressionsskala, Beck-Depression-Inventar, oder einfache Fragebögen liefern. Eventuell werden die Betroffenen auch gebeten, Tagesprotokolle zu erstellen. So gewinnt der Arzt einen Einblick in ihren Alltag und kann feststellen, wie und welchem Ausmaß sich die depressive Erkrankung auswirkt.

 

Um körperliche Ursachen der Beschwerden auszuschließen, können eine gründliche körperliche Untersuchung und die Bestimmung verschiedener Blutwerte erfolgen. Außerdem sind unter Umständen zum Beispiel eine Hirnstrommessung (EEG) und in besonderen Fällen eine Computertomographie Glossar-Symbol des Kopfes (CCT Glossar-Symbol) notwendig. Auf diese Weise kann man Veränderungen des Gehirns, zum Beispiel Tumoren oder einen Hirninfarkt (Schlaganfall) erkennen.

 

Auch sind andere psychische Erkrankungen, insbesondere Sucht- und Angsterkrankungen sowie Persönlichkeitsstörungen auszuschließen.

 

Je nach Ausprägung der Symptomatik lässt sich die Depression in eine leichte, mittelschwere und schwere Form einteilen. Daneben unterscheidet man Depressionen nach der jeweiligen Verlaufsform, das heißt, ob eine anhaltende depressive Verstimmung vorliegt oder die Symptomatik in Phasen (einmalig oder wiederholt) auftritt. 

 

Wie verläuft eine Depression und wie ist die Prognose? 

Die Depression kann unterschiedlich verlaufen. Dabei können sogenannte depressive Episoden auftreten, die entweder einmalig oder wiederholt vorkommen. Dabei liegen zwischen den einzelnen Episoden unter Umständen mehrere Jahre, aber auch kürzere Abstände sind möglich. Bei den von einer erstmalig vorliegenden depressiven Episode Betroffenen tritt bei mindestens der Hälfte eine weitere Episode (Rezidiv) auf.

 

Weiterhin unterscheiden Mediziner die Dysthymie. Hierbei handelt es sich zwar ebenfalls um eine Phase mit dauerhafter gedrückter Stimmung. Doch ist diese nicht so schwer wie bei einer depressiven Episode.

 

Außerdem gibt es die chronische Depression, dabei bestehen die depressiven Symptome über wenigstens zwei Jahre. Eine Remission ist dagegen das vollständige Wiedereintreten der psychischen Gesundheit nach einer depressiven Episode. Bessert sich die Gesundheit nur zum Teil, spricht man von einer unvollständigen Remission.

 

Somit sind folgende Verlaufsformen möglich:

 

  • depressive Episode mit vollständiger Remission
  • depressive Episode mit unvollständiger Remission
  • wiederholte (rezidivierende) depressive Episoden
  • depressive Episode mit vorheriger Dysthymie
  • Dysthymie
  • chronische Depression

 

Insgesamt ist die Prognose jedoch gut. Bei vielen Patienten lassen sich die depressiven Episoden durch eine konsequente Behandlung durchbrechen und zum Abklingen bringen.

 

Wie wird eine Depression behandelt? 

Die Behandlung der Depression zielt auf eine vollständige Rückbildung der akuten Symptomatik sowie eine Vorbeugung von Rückfällen. Welche Behandlungen für den Einzelnen infrage kommen, hängt von dem Schweregrad und bisherigen Verlauf der Erkrankung sowie von den Wünschen des Betroffenen ab.

 

Hauptpfeiler der Depressionsbehandlung sind die Psychotherapie und die medikamentöse Therapie mit Antidepressiva. Besonderes Augenmerk sollte sich während der Behandlung auf eine Selbstmordgefährdung richten, die nicht zu unterschätzen ist.

 

Bei leichten und mittelschweren Depressionen kann eine alleinige Psychotherapie oder medikamentöse Behandlung ausreichen. Bei der schweren Form bietet sich eine Kombination aus medikamentöser Therapie und Psychotherapie an.

 

Auch eine aktiv-abwartende Begleitung des Patienten ist möglich, wenn sich beispielsweise die Symptome bei einer leichten depressiven Episode voraussichtlich von alleine zurückbilden. Allerdings sollte der Arzt die Symptome innerhalb der folgenden zwei Wochen überprüfen, um gegebenenfalls eine Behandlung einleiten zu können.

 

Bei körperlich verursachten Depressionen steht zunächst die Behandlung der Grunderkrankung im Vordergrund. Bei schwerer Ausprägung der Depression kann jedoch zusätzlich eine medikamentöse Therapie und/oder Psychotherapie erforderlich sein.

 

Insbesondere wenn Selbstmordgefahr besteht oder eine häusliche Verwahrlosung anzunehmen ist, sollte der Erkrankte unbedingt in einer Klinik behandelt werden. 

 

Was bewirkt eine Psychotherapie? 

Die Psychotherapie dient dazu, die seelischen Gründe der Erkrankung zu ermitteln und zu behandeln. Für die Depression anerkannte Verfahren sind der verhaltenstherapeutische und der psychoanalytische Ansatz.

 

Die Verhaltenstherapie geht davon aus, dass es sich bei der Depression um "erlerntes Fehlverhalten" oder fehlgeleitete Denkvorgänge handelt. Durch neue Einsichten in das eigene Verhalten und Denken sowie das Einüben neuer Verhaltens- und Denkweisen soll die Erkrankung überwunden werden.

 

So ist ein wichtiger Baustein der Therapie der Aufbau von positiven Aktivitäten: Auch wenn es den Betroffenen anfänglich sehr schwer fällt, wieder aktiver zu sein, werden in der Therapie angenehme Tätigkeiten erarbeitet und dann schrittweise in den Alltag eingebaut, um so die Lebensqualität zu erhöhen.

 

Belastende Lebensereignisse werden in der Therapie thematisiert und neue Problemlösungsmöglichkeiten entwickelt. Ziel ist es allgemein, die sozialen Fähigkeiten und das Selbstvertrauen des Depressiven zu verbessern.

 

Insbesondere der Nutzen der kognitiven Verhaltenstherapie ist deutlich nachgewiesen: Die übertriebenen und verallgemeinernden negativen Annahmen, mit denen sich depressive Personen häufig belasten, zum Beispiel "Ich bin an allem schuld", werden überprüft. Therapeut und Betroffener betrachten die Realität und erarbeiten gemeinsam angemessenere Denkmuster.

 

Psychoanalytische Verfahren gehen gegen unbewusste innere Konflikte vor, die der Depression zugrunde liegen und durch negative Erlebnisse in der individuellen Geschichte entstanden sind. Diese liegen mitunter in der Kindheit oder auch in der jüngeren Lebensgeschichte. Indem der Psychotherapeut dem Betroffenen aktiv zuhört, hilft er dem Patienten, bislang nicht bekannte Zusammenhänge zu verstehen.

 

Daneben gibt es viele andere Psychotherapieformen, die die gesetzlichen Krankenkassen jedoch nicht bezahlen. Grund dafür ist, dass bislang ausreichende wissenschaftliche Belege für ihre Wirksamkeit fehlen. Das heißt jedoch nicht, dass sie im Einzelfall nicht hilfreich sein können. 

 

Wie sieht die medikamentöse Therapie aus? 

Medikamente zur gezielten Behandlung von Depressionen nennt man Antidepressiva. Sie bewirken bei etwa drei Viertel der Betroffenen, dass sich die Symptome innerhalb der ersten zwei Wochen der Therapie bessern.

 

Antidepressiva beeinflussen den Stoffwechsel des Gehirns, insbesondere die Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin. Sie fördern die Signalübertragung zwischen den Nervenzellen und regulieren so den aus der Balance geratenen Stoffwechsel.

 

Die Auswahl des geeigneten Antidepressivums trifft der behandelnde Arzt abhängig von den Beschwerden, dem Wirkungseintritt sowie anderen körperlichen Erkrankungen und Nebenwirkungen.

 

Antidepressiva entfalten ihre Wirkung nicht sofort, sondern mit einer Verzögerung von bis zu drei bis vier Wochen.

 

Außerdem gibt es Johanniskrautpräparate. Sie eignen sich zur Behandlung der leichten Depression und müssen ausreichend hoch dosiert sein. Sie sind allerdings nicht unumstritten. Denn ihre Wirksamkeit ist nicht so gut belegt wie die der anderen Antidepressiva.

 

Johanniskraut ist ein pflanzliches Arzneimittel und gilt als „sanftes“ Antidepressivum, kann jedoch durch Wechselwirkungen zu einem Wirkverlust anderer lebenswichtiger Medikamente führen. Die Einnahme sollte daher mit dem Arzt besprochen werden.

 

Auch wenn die akute Symptomatik abgeklungen ist, sollten die Medikamente über einen längeren Zeitraum eingenommen werden, da es ein hohes Rückfallrisiko gibt. Es empfiehlt sich eine Weiterbehandlung für vier bis neun Monate.

 

Anschließend sollte der Betroffene mit dem behandelnden Arzt besprechen, ob eine längerfristige rückfallverhütende Behandlung notwendig ist. Eine solche weitere Behandlung über mehrere Jahre bietet sich beispielsweise dann an, wenn in der Vergangenheit wenigstens zwei Episoden mit schweren Beeinträchtigungen aufgetreten sind.

 

Antidepressiva haben wie jedes Medikament auch Nebenwirkungen. Häufige Nebenwirkungen sind zum Beispiel Müdigkeit, aber auch Unruhe, Schwindel, Mundtrockenheit, Übelkeit, Verstopfung, Kreislaufstörungen, Kopfschmerzen oder eine Gewichtszunahme. Das Auftreten von Nebenwirkungen ist individuell verschieden und lässt sich nicht vorhersagen.

 

Insgesamt sollten bei Einsatz von Antidepressiva Risiko und Nutzen sorgfältig gegeneinander abgewogen werden. Dabei sollte der Betroffene wissen, dass Antidepressiva nicht süchtig machen!

 

 Gibt es noch weitere Behandlungsmöglichkeiten? 

Neben Psychotherapie und Medikamenten gibt es noch weitere Behandlungsmöglichkeiten. 

 

Lichttherapie

Die Wirksamkeit der Lichttherapie ist nur bei der kleinen Gruppe der "saisonal abhängigen Depressionen", den sogenannten Winterdepressionen, belegt. Wie der Name schon besagt, treten die Symptome überwiegend jahreszeitenabhängig in den Herbst- und Wintermonaten auf.

 

Während der Behandlung sitzt der Patient circa 30 bis 40 Minuten täglich nicht mehr als 80 Zentimeter entfernt von einer speziellen Lichtquelle. Voraussetzung sind dabei offene Augen. Nach bis zu drei Wochen kommt es bei sechs bis neun von zehn Betroffenen zu einer Besserung der Symptome. Die Behandlung sollte möglichst früh nach dem Aufstehen stattfinden. Allerdings geht die Wirkung relativ schnell verloren, weshalb die Lichttherapie den ganzen Herbst und Winter erfolgen sollte. Allerdings übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für eine Lichttherapie nicht.

 

Schlafentzugstherapie beziehungsweise Wachtherapie

Viele depressive Patienten leiden unter Schlafstörungen. Zwar verstärkt der gestörte Schlaf die Depression zum einen, zum anderen kann sich ein vorübergehender kontrollierter Schlafentzug aber auch positiv auf die Stimmung auswirken. Der Entzug von Schlaf lässt sich deshalb therapeutisch nutzen.

 

Dafür muss der Patient eine ganze Nacht oder die zweite Nachthälfte und den darauf folgenden Tag wach bleiben. Dadurch kommt es bei vielen Patienten zu einer Stimmungsaufhellung, die ein bis zwei Tage anhält. Durch diese vorübergehende Entlastung schöpfen viele Patienten wieder Hoffnung, dass die Depression unterbrochen werden kann. Meist ergänzt die Wachtherapie andere Therapiemethoden. Dieses Therapieverfahren kommt meist nur unter stationären Bedingungen zum Einsatz.

 

Elektrokrampftherapie (EKT)

Bei schweren Depressionen, die auf andere Behandlungsversuche nicht anschlagen, kann die Elektrokrampftherapie ein sehr wirksames Verfahren in der Krankenhausbehandlung sein.

 

Ein kurzer elektrischer Stromstoß löst dabei einen künstlichen epileptischen Anfall aus. Da das Verfahren unter Kurznarkose durchgeführt wird, bekommt der Patient den elektrischen Stimulationsvorgang sowie den Krampfanfall nicht mit. Es sind mehrere Anwendungen, verteilt über bis zu sechs Wochen, erforderlich.

 

Bei den meisten Patienten, die auf die anderen Behandlungen nicht ansprechen, kann die EKT die depressive Phase durchbrechen, auch wenn diese schon Monate oder Jahre andauert. Im Anschluss muss eine medikamentöse Behandlung und eine Psychotherapie erfolgen, um erneute Rückfälle zu verhindern.

 

Bewegung und weiteres

Regelmäßige körperliche Aktivität in Maßen kann den Betroffenen dabei unterstützen, Antriebslosigkeit und Ermüdung zu überwinden. Außerdem steigert Sport das Wohlbefinden und lindert mitunter zusammen mit anderen Therapien die depressiven Symptome.

 

Weiterhin sind ergänzende Maßnahmen mitunter sinnvoll: zum Beispiel die Ergotherapie Glossar-Symbol, die dabei hilft, die Betroffenen handlungsfähig zu halten, sodass sie alltägliche Situationen meistern können und somit die Lebensqualität steigt. Eine andere unterstützende Form ist die Soziotherapie, die den Patienten in die Lage versetzen soll, seine sozialen Interessen wieder selbst wahrzunehmen. Also zum Beispiel Unterstützungsleistungen, auf die ein Anspruch besteht, auch einzufordern.

 

Daneben gibt es noch die häusliche psychiatrische Krankenpflege, die psychisch erkrankten Menschen die Pflege zuhause ermöglicht. So können Angehörige einbezogen und das gewohnte Umfeld erhalten bleiben. Wiederholte Krankenhausaufenthalte oder der Abbruch von Behandlungen können dadurch vermieden werden.

 

Was können Angehörige tun? 

Die Depression kann einen Menschen stark verändern. Familie und Freunde stehen vor einer schwierigen Situation. Sie wissen häufig nicht, wie sie mit der Erkrankung umgehen sollen und sind besorgt.

 

Oft reagieren Angehörige auch mit Wut auf den Betroffenen, da die Symptome für den Außenstehenden nicht nachvollziehbar sind. Dauert die Erkrankung länger an, sind die Angehörigen zunehmend überlastet und überfordert. Ganz wichtig ist es deswegen, eigene Bedürfnisse nicht zu vernachlässigen, sich Freiräume zu schaffen oder den Kontakt zu anderen Angehörigen in Selbsthilfegruppen zu suchen.

 

Was Angehörige noch beachten sollten:

 

  • Akzeptieren Sie die Depression als Erkrankung. Freudlosigkeit und mangelndes Interesse entspringen nicht einer bösen Absicht des Betroffenen, sondern werden von ihm selbst als sehr quälend empfunden.
  • Versuchen Sie nicht, den Betroffenen von der Grundlosigkeit seiner Traurigkeit zu überzeugen und vermeiden Sie gut gemeinte Ratschläge, wie: "Das wird schon wieder, es ist doch alles gar nicht so schlimm". Der Betroffene wird sich nicht verstanden fühlen und sich noch mehr abkapseln.
  • Versuchen Sie, geduldig zu bleiben, und wenden Sie sich nicht von dem Betroffenen ab, auch wenn er abweisend erscheint. Rufen Sie sich immer in Erinnerung, dass es sich um eine Erkrankung handelt, die in der Regel vorübergeht, und der Ihr Angehöriger ebenfalls machtlos gegenüber steht.
  • Motivieren Sie den Erkrankten, einen Arzt aufzusuchen und die Behandlung konsequent wahrzunehmen. Helfen Sie ihm, sich über die Erkrankung zu informieren.
  • Überfordern Sie den Betroffenen nicht. Aufgrund der typischen Antriebsarmut ist er vor allem in der akuten Erkrankungsphase nicht in der Lage, selbst einfache Aktivitäten durchzuführen.
  • Nehmen Sie Äußerungen Ihres Angehörigen, nicht mehr leben zu wollen, ernst, und teilen Sie diese umgehend dem behandelnden Arzt mit.
  • Verhindern Sie, dass der Betroffene wichtige Entscheidungen während seiner Erkrankung trifft. Durch die Depression ist die Wahrnehmung der Realität verzerrt und es könnte zu Entscheidungen kommen, die nach der Erkrankung anders bewertet werden. 

Autor: Dr. med. Lars Job; Janna Christoffers, erstellt am 24.04.05; zuletzt aktualisiert von Dr. med. Anne-Kristin Schulze am 28.03.12

Quelle: Benkert/Hippius: Psychiatrische Pharmakotherapie. Springer (2001); Berger, M.: Psychiatrie und Psychotherapie. Urban & Fischer (2000); Tölle (Psychiatrie, Springer 2005)S3-Leitlinie/Nationale Versorgungsleitline: Unipolare Depression. Version 1.1 Dezember 2009; www.versorgungsleitlinien.de/themen/depression/pdf/s3_nvl_depression_lang.pdf (Stand 18.01.2011); Patientenleitlinie Glossar-Symbol zur Nationalen Versorgungsleitlinie: Unipolare Depression. Konsultationsfassung vom 16.01.2011; www.versorgungsleitlinien.de/patienten/ pdf/ NVL-Depression-Patienten-Konsultation-1.0.pdf (Stand 18.01.2011)

 
 
 

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