Ob Schmerzen als mild, unangenehm, heftig oder unerträglich empfunden werden, hängt neben der Stärke des Schmerzreizes auch von der "Reaktionsbereitschaft" des Organismus ab.
Hier können viele Faktoren eine Rolle spielen: die individuelle Erfahrung mit Schmerzen und die psychische Disposition, die Situation und die Stimmungslage. So kann Schmerz in einer mit Angst besetzten Situation als wesentlich intensiver empfunden werden - auch dies eine zusätzliche Reaktion zum Schutz vor Gefahr.
Wenn gleichzeitig angenehme Reize wirken, zum Beispiel Streicheln und eine beruhigend-vertraute Situation, ist die Schmerzempfindung dagegen weniger heftig. Oder es können "objektiv" starke Geburtsschmerzen als erträglich empfunden werden, wenn es sich für die Frau um ein "freudiges Ereignis" handelt.
Der Organismus verfügt zudem über ein eigenes schmerzhemmendes System, das in Ausnahmesituationen wie zum Beispiel einem Unfall dafür sorgt, dass Schmerzen erst verspätet bemerkt oder als mild empfunden werden. Dafür sorgt die körpereigene Bildung von Endorphinen, die sich an die sogenannten Opioidrezeptoren binden und die Schmerzempfindung beeinflussen. Dieser Mechanismus dient gleichfalls dem Schutz, denn zunächst gilt es, in einer Gefahrensituation handlungsfähig zu bleiben.
Im Laufe seines Lebens entwickelt jeder Mensch eine individuelle Schmerztoleranz, unabhängig von der "objektiven" Intensität des Schmerzreizes. So kann es beispielsweise zu einer Gewöhnung an den Schmerz kommen, wenn ein bestimmter Schmerzreiz regelmäßig wiederkehrt. Der Schmerz wird dann nicht mehr als so stark empfunden.
Manche Menschen leiden unter einer allgemein erhöhten Schmerzempfindlichkeit, der sogenannten Hyperalgesie. Eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit der Haut kann beispielsweise Folge einer vorangegangenen Hautschädigung durch UV-Strahlen, extreme Kälte oder Wärme sein.
Autor: Dr. med Susanne Holthausen / Sabine Keller, erstellt am 23.02.09; zuletzt aktualisiert am 14.09.11