Arzneimittelferien auf eigene Faust
Patienten können sehr erfinderisch sein, wenn es darum geht, dem Arzt eine gute Mitarbeit vorzugaukeln, meint die Psychologin Marion Sonnenmoser.
So befolgen sie beispielsweise die Therapieanweisungen nur kurz vor einem Arztbesuch, unterlassen dies aber sonst, erklärt die Expertin. Oder sie machen zwischendurch immer mal wieder Arzneimittelferien und nehmen für ein paar Tage keine Tabletten ein.
Andere Patienten wiederum wenden ihre Medikamente falsch an, weil sie nicht ausreichend informiert wurden. Sie wissen nicht genau, wann oder wogegen sie die Medikamente einnehmen sollen, und verstehen die Packungsbeilage nicht, betont Marion Sonnenmoser. Ist die Therapie kompliziert und lässt sich nur schwer in den Alltag integrieren, scheitern Patienten schon an den ersten Schritten.
Auch die Dauer einer Therapie führt häufig dazu, dass die sinkt. Fehlender Leidensdruck wie etwa bei einem beginnenden Diabetes mellitus oder Bluthochdruck lässt einige Patienten dagegen leichtsinnig werden. Weder Schmerz noch andere Beschwerden erinnern daran, dass man krank ist. Da kann der besprochene Therapieplan schon mal vergessen werden.
Umgekehrt können dauernde Schmerzen ebenfalls ein Grund für die mangelnde Mitarbeit des Patienten sein. Allgemein gilt zwar, dass die Compliance umso besser ist, je schmerzhafter und lebensbedrohlicher eine Krankheit ist.
Dies gilt aber nicht immer für sehr schwer erkrankte Patienten oder Menschen, die im Sterben liegen, sagt Sonnenmoser. Fehlende Hoffnung und depressive Stimmung lassen jeden Antrieb zur regelmäßigen Medikamenteneinnahme verschwinden.