Bei akuter Nasennebenhöhlenentzündung können Antibiotika meist nicht helfen, weil die Erkrankung in der Regel nicht durch Bakterien, sondern durch Viren verursacht wird. Bei einer schweren Infektion sind Antibiotika jedoch notwendig.
Studien zur Sinusitisbehandlung mit Antibiotika
Zur Behandlung einer Sinusitis werden häufig Antibiotika verschrieben. Wissenschaftler der Cochrane Collaboration wollten wissen, wie effektiv Antibiotika beim Einsatz gegen eine Entzündung der Kieferhöhlen (der häufigsten Form der Sinusitis) bei Erwachsenen sind.
Die Cochrane Collaboration ist ein internationales Forschungsnetzwerk, das sich zum Ziel gesetzt hat, die Ergebnisse klinischer Studien zu analysieren. In randomisierten kontrollierten (zufallskontrollierten) Studien werden Behandlungsverfahren geprüft. Dabei werden die freiwilligen Studienteilnehmer nach dem Zufallsprinzip in Gruppen aufgeteilt, von denen eine die Behandlung erhält und die andere(n) ein Scheinmedikament (Placebo), keine oder eine andere Behandlung. Auf diese Weise ist es möglich, herauszufinden, wie sich die Behandlung auf die Gesundheit der Teilnehmenden auswirkt.
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Die Cochrane-Forschergruppe fand 59 randomisierte kontrollierte Studien, von denen die meisten verschiedene Antibiotika miteinander verglichen. Fünf Studien mit insgesamt 630 Teilnehmenden untersuchten, wie Antibiotika gegenüber einer Behandlung mit Präparaten ohne Wirkstoff (Placebo) abschnitten. Wenn sich die Symptome nach spätestens ein bis zwei Wochen nicht gebessert hatten, betrachtete die Forschergruppe die Behandlung als erfolglos.
Eine zweite Forschergruppe der Universitätsklinik Basel analysierte Studien danach, ob es Personen gibt, die von einer Behandlung mit Antibiotika mehr profitieren als andere. Sie untersuchten zum Beispiel, ob ein Therapieerfolg wahrscheinlicher ist, wenn bestimmte Symptome wie gelb-grünlicher Nasenschleim vorliegen, die auf eine bakterielle Infektion hinweisen.
Der Hintergrund: Es ist relativ aufwendig und teuer festzustellen, ob eine Sinusitis durch Bakterien oder durch Viren verursacht ist. Bei einem solchen Test wird eine Probe des Nasensekrets im Labor untersucht. Wenn es auch ohne Test möglich wäre, die Art des Krankheitserregers (Viren oder Bakterien) festzustellen, würde dies die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass Antibiotika nur dann eingesetzt werden, wenn sie tatsächlich helfen können.
Die Chancen, sich nach zwei Wochen besser zu fühlen, erhöhen sich nur leicht
Die Cochrane-Analyse der Studien zum Antibiotika-Einsatz zeigte, dass eine Sinusitis der Kieferhöhlen in den meisten Fällen auch ohne die Anwendung dieser Medikamente ausheilt: Bei acht von zehn Patienten (80 Prozent), die keine Antibiotika einsetzten, besserten sich die Symptome innerhalb der ersten zwei Wochen.
Wenn die Teilnehmenden Antibiotika genommen hatten, erhöhte sich diese Zahl lediglich auf neun von zehn Personen - es ging also zusätzlich nur etwa zehn Prozent der Teilnehmenden besser. In den Studien, die verschiedene Antibiotika miteinander verglichen, war keiner der untersuchten Wirkstoffe einem anderen überlegen.
Die Forschergruppe aus Basel fand heraus, dass Antibiotika bei Menschen mit Symptomen wie gelb-grünlich verfärbtem Nasenschleim oder Schmerzen im Gesichtsbereich kaum mehr nützten als bei anderen.
Bei manchen Studienteilnehmern schienen Antibiotika Magen-Darm-Beschwerden und Pilzinfektionen verursacht zu haben: Die Angaben hierzu schwankten in den verschiedenen Studien von zwei Prozent bis 23 Prozent. Dass Teilnehmende die Medikamente wegen starker unerwünschter Wirkungen absetzten, blieb aber die Ausnahme.
Weil eine Sinusitis auch anders behandelt werden kann und in der Regel auch ohne Antibiotika ausheilt, wird der Einsatz von Antibiotika bei dieser Erkrankung vielfach infrage gestellt. Der zu häufige und unsachgemäße Einsatz von Antibiotika hat in den vergangenen Jahren außerdem dazu geführt, dass sich vermehrt widerstandsfähige (resistente) bakterielle Krankheitserreger ausbilden konnten. Die Entwicklung von Resistenzen bedeutet, dass Antibiotika nicht mehr zuverlässig wirken und manche Erkrankungen heute schlechter behandelt werden können als früher.
Antibiotika sind dann notwendig, wenn Komplikationen drohen
Bei einer akuten Sinusitis ist es möglich, zunächst ein bis zwei Wochen abzuwarten, ob die Symptome von selbst wieder verschwinden. Bessern sich die Beschwerden nicht, bietet es sich an, eine Ärztin oder einen Arzt aufzusuchen - eventuell mit dem Schwerpunkt Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde.
Die Schlussfolgerungen aus den Studien gelten für milde bis moderate Formen der Sinusitis. Menschen mit sehr starken Beschwerden wurden nicht in die Studien aufgenommen. Bei ihnen ist eine schnelle Behandlung mit Antibiotika häufig notwendig, da die Symptome auf eine schwere bakterielle Infektion hinweisen können. In diesem Fall ist das Risiko für Komplikationen erhöht. Zu den Anzeichen für einen schweren Krankheitsverlauf gehören: hohes Fieber, Schwellungen um die Augen herum, entzündliche Hautrötungen, starker Gesichtsschmerz, Lichtempfindlichkeit, Nackensteife.
Eine Sinusitis lässt sich nicht nur mit Antibiotika behandeln. Auch schmerzlindernde und entzündungshemmende Medikamente, Kortisonsprays, abschwellende Mittel und Inhalationen werden häufig angewendet.
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| akute Nasennebenhöhlenentzündung | Gesundheitsinformation.de |
Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), erstellt am 16.05.11; zuletzt aktualisiert am 15.05.12
Quelle: www.gesundheitsinformation.de ((IQWiG)