Bei kleineren Impetigo-contagiosa (Grindflechte)-Infektionen spricht der Stand des Wissens derzeit für eine Behandlung mit bestimmten Antibiotika-haltigen Salben.
Um die Wirksamkeit verschiedener Behandlungsmöglichkeiten vergleichen zu können, haben Wissenschaftler des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane Collaboration vorhandene Studien gesammelt und systematisch ausgewertet.
Bei der Suche zeigte sich, dass es weltweit mindestens 36 unterschiedliche Therapievorschläge gibt, was man gegen die Grindflechte tun kann.
Obwohl die Forscher 57 Studien fanden, an denen mehr als 3.500 Menschen mit Impetigo teilgenommen haben, war keiner der zahlreichen Behandlungsvorschläge wirklich gut erprobt. Die Studien untersuchten sehr viele unterschiedliche Mittel, aber für keins waren die Ergebnisse eindeutig genug, um zu zeigen, dass es deutlich besser hilft als die anderen.
Bei begrenzten Infektionen spricht der aktuelle Stand des Wissens für eine gute Wirkung der Antibiotika-Salben mit den Wirkstoffen Fusidinsäure oder Mupirocin. Auch einige Antibiotika zur Einnahme scheinen nach aktuellen Studien die Heilung der Grindflechte zu beschleunigen. Sie haben aber vermutlich mehr unerwünschte Wirkungen als Salben.
Antibiotika zum Einnehmen werden gewöhnlich nur bei Kindern mit sehr großflächiger Infektion eingesetzt, bei denen die mehrtägige Anwendung großer Salbenmengen unpraktisch ist. All diese Antibiotika-haltigen Mittel sind verschreibungspflichtig – man benötigt ein Rezept des Arztes dafür.
Als erste Stufe der Behandlung werden oft auch Antibiotika-freie desinfizierende Lösungen oder Salben empfohlen. Allerdings ist deren Nutzen nach dem Stand des Wissens fraglich.
Neuere Studien verändern das bereits gewonnene Bild nicht
Ergebnisse von drei neueren veröffentlichten Studien mit insgesamt mehr als 500 Teilnehmern, die das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) ausgewertet hat, veränderten das bereits gewonnene Bild nicht.
Eine Studie untersuchte eine neue Antibiotika-Salbe mit dem Wirkstoff Retapamulin, der seit 2007 in Deutschland auf dem Markt ist. Die Studie zeigte, dass das Mittel im Vergleich zu einem Scheinmedikament (Placebo) möglicherweise hilft, aber auch mehr unerwünschte Wirkungen hat, wie Juckreiz, Kribbeln oder Taubheitsgefühle.
Es ist aber immer noch zu früh, um Aussagen darüber treffen zu können, ob das neue Mittel Retapamulin besser wirken kann als die schon länger eingesetzten Antibiotika. Man benötigt mehr Studien von guter Qualität, um diese Frage beantworten zu können. Sicher ist: Es stehen mehrere Antibiotika-haltige Salben zur Verfügung, die gut gegen eine Grindflechte helfen können.
Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), erstellt am 29.11.11
Quelle: www.gesundheitsinformation.de ((IQWiG)