Migräne bei Kindern und Jugendlichen: Kann man Migräneanfällen ohne Medikamente vorbeugen?

Entspannungsverfahren in Kombination mit einer Biofeedback-Therapie oder einer Verhaltenstherapie können die Schwere von Migräneattacken bei Kindern und Jugendlichen vielleicht verringern. Es ist nicht eindeutig belegt, dass eine bestimmte Diät Migräne bei Kindern vorbeugen kann. Auf bestimmte Lebensmittel zu verzichten, die Migräneanfälle auslösen, könnte jedoch helfen.

Migräne kommt bei Kindern und Jugendlichen relativ häufig vor: Wenn junge Menschen in die Pubertät kommen, hat etwa einer von 10 ab und zu Migräneanfälle. Im Kindesalter sind Jungen und Mädchen etwa gleich oft betroffen. In der Pubertät haben Mädchen dann aber häufiger mit Migräne zu tun als Jungen.

Migräneanfälle dauern bei Erwachsenen und Jugendlichen mindestens vier Stunden an, bei Kindern mindestens zwei Stunden. Ein typisches Anzeichen sind plötzlich einsetzende, heftige und pochende Kopfschmerzen, die meist nur eine Kopfseite betreffen.

Neben den Schmerzen kann eine Migräne zudem von Übelkeit sowie Licht- und Lärmempfindlichkeit begleitet sein. Bei Kindern kann sie auch mit Blässe, Erbrechen und Unterleibsschmerzen einhergehen. Bewegung und Aktivität verstärken die Kopfschmerzen in der Regel noch. Die genauen Ursachen von Migräne sind bisher unbekannt.

Wenn Kinder und Jugendliche eine Migräneattacke haben, ist es sinnvoll, dass sie sich in ein ruhiges, dunkles Zimmer legen, bis die Schmerzen nachlassen. Auch eine Kältepackung auf der betroffenen Kopfseite kann helfen. Es gibt verschiedene Medikamente, die Migränesymptome bei Kindern und Jugendlichen lindern können.

Vorbeugung von Migräneattacken

Um festzustellen, wodurch Migräneattacken ausgelöst werden, ist ein Kopfschmerztagebuch eine oft verwendete Methode: Man notiert oder zeichnet auf, welche Beschwerden aufgetreten sind und was kurz vor der Migräneattacke passiert ist. Dadurch kann man eine ungefähre Vorstellung davon bekommen, was die Migräneattacken auslöst.


Allerdings sollte man vorsichtig sein mit zu schnellen Vermutungen. Es passiert rasch, dass man einen Auslöser übersieht und etwas anderes für den vermeintlichen Auslöser hält, das nicht mit der Migräne im Zusammenhang steht. Daher ist es wichtig, ein Kopfschmerztagebuch sehr sorgfältig und über mehrere Wochen oder Monate zu führen, bevor man Vermutungen anstellt. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, zuverlässig festzustellen, wie es zu einer Migräne kommt.

Wenn ein Kind Migräne hat, bedeutet das nicht automatisch, dass die Migräne lebenslang bleibt. Wenn es aber eine familiäre Veranlagung für Migräne gibt, passiert dies häufiger. Auch wenn die Migräne in der Pubertät einsetzt, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass man auch in Zukunft häufiger damit Probleme haben wird.

Nichtmedikamentöse Möglichkeiten zur Migränevorbeugung

Man nimmt an, dass Anspannung und Stress mögliche Auslöser für eine Migräne sein können. Wenn dies im einzelnen Fall zutrifft, können Entspannungsverfahren helfen, Schmerzattacken vorzubeugen oder vorhandene zu lindern. Weitere Maßnahmen zur Vorbeugung einer Migräne setzen an der Umstellung von Lebensgewohnheiten an, zum Beispiel der Ernährung oder der Schlafgewohnheiten. Wichtig ist auch, genug Pausen zu machen, sodass der Tag nicht von Hektik geprägt ist.

Es gibt unterschiedliche Formen der Entspannungstherapie. Am meisten verbreitet sind die sogenannte progressive Muskelrelaxation und das autogene Training. Beide Methoden muss man einüben - entweder in einem Kurs oder mit Ton- oder Videoaufnahmen zum Selbstlernen. Bei der progressiven Muskelentspannung - und häufig auch bei anderen Techniken - lernt man, die einzelnen Muskelpartien seines Körpers bewusst und wiederholt anzuspannen und wieder zu lösen. Auf diese Weise soll ein tiefer Entspannungszustand erreicht werden, sodass sich Körper und Geist beruhigen.

Das autogene Training ist ein Entspannungsverfahren, bei dem eine Art "Selbst-Hypnose" erreicht werden soll. Man nimmt eine bequeme sitzende oder liegende Haltung ein, bei der sich die Muskeln entspannen können. In verschiedenen Übungen konzentriert man sich darauf, einzelne Körperteile zu spüren und zu entspannen. Dabei denkt man sich intensiv in bestimmte Zustände hinein, zum Beispiel Ruhe, Schwere, Wärme oder Kühle. Dadurch soll ein tiefer Entspannungszustand eingeleitet werden, mit dem Stress und negative Gefühle abgebaut werden sollen. Wenn man solche Techniken mehrmals am Tag anwendet, ist man allgemein entspannter, so die Annahme.

Das Ziel der Biofeedback-Therapie besteht darin, mehr Kontrolle über den eigenen Körper zu erlangen. Bei Migräne kann eine besondere Form dieses Verfahrens eingesetzt werden, die als thermales Biofeedback bezeichnet wird. Dazu wird ein Sensor an einem Finger angebracht, der die Fingertemperatur misst. Daraufhin versucht man, sich auf die Vorstellung zu konzentrieren, dass die Hand wärmer wird. Wenn dies gelingt, ertönt der Sensor. Dadurch lernt man, die eigene Körperfunktion zu beeinflussen - und damit nach dieser Theorie möglicherweise auch, beginnende Kopfschmerzen zu kontrollieren.

Unterschiedliche Verfahren der kognitiven Verhaltenstherapie können Menschen dabei helfen, anders über ihre Schmerzen zu denken und so ihre Symptome als weniger quälend zu erleben. Ein Kind könnte zum Beispiel lernen, Ängste und negative Gedanken über die Kopfschmerzen abzubauen, sodass es mit den Schmerzen besser umgehen kann.

Bisher ist nicht genau bekannt, was eine Migräne auslöst. Einige Forschungsergebnisse weisen jedoch darauf hin, dass Schlafgewohnheiten etwas damit zu tun haben könnten. Daher wird angenommen, dass sich eine Migräne möglicherweise mit geänderten Schlafgewohnheiten vorbeugen lässt. Das könnte zum Beispiel beinhalten, gegen Abend keine koffeinhaltigen Limonaden mehr zu trinken und eine Weile vor dem Schlafengehen keine laute Musik zu hören.

Entspannung und Biofeedback- oder Verhaltenstherapie könnte helfen

Um zu klären, ob diese Methoden einer Migräne bei Kindern und Jugendlichen tatsächlich vorbeugen können, hat eine Wissenschaftlergruppe aus den Niederlanden nach Studien gesucht, in denen die beschriebenen Maßnahmen untersucht wurden.

Mithilfe bestimmter Studien - auch randomisierte kontrollierte Studien genannt - lässt sich prüfen, ob eine Behandlung hilft. Dazu werden Freiwillige zufällig in zwei Gruppen aufgeteilt, von denen eine Gruppe eine bestimmte Methode anwendet, die andere Gruppe jedoch nicht. Am Ende der Studie wird dann verglichen, ob die Behandlung zu einer Besserung geführt hat.

Die Wissenschaftler fanden 19 kontrollierte Studien zu nichtmedikamentösen Methoden, die einer Migräne bei Heranwachsenden vorbeugen sollten. Insgesamt nahmen gut 800 Kinder und Jugendliche im Alter von drei bis 18 Jahren an den Studien teil. In zwei der Studien, die sich mit dem Einfluss der Ernährung befassten, stellten die Teilnehmenden im Laufe der Studie ihre Ernährung um.

Die Ergebnisse der Studien deuten darauf hin, dass eine Entspannungstherapie, kombiniert mit Biofeedback oder einer kognitiven Verhaltenstherapie, Migräne bei Kindern und Jugendlichen möglicherweise vorbeugen kann. Für eine abschließende Bewertung gibt es jedoch noch zu wenige Studien. Entspannungsverfahren allein reichen möglicherweise nicht aus, um eine bedeutsame Besserung zu erreichen. Die Wissenschaftler folgerten, dass mehr Forschung nötig ist, um genau angeben zu können, wie viel Linderung Kinder und Jugendliche erwarten können, wenn sie diese Techniken anwenden.

Die Schlafgewohnheiten zu ändern, könnte ebenfalls helfen, aber dazu gibt es bislang noch weniger Forschungsergebnisse.

Die Forschung zur Umstellung von Ernährungsgewohnheiten lieferte widersprüchliche Ergebnisse. In zwei Studien wird berichtet, dass eine allergenarme (oligoantigene) Diät Migränesymptome lindern kann. Bei einer oligoantigenen Diät wird auf bestimmte Nahrungsmittel wie Käse, Milch, Eier oder Lebensmittel mit Zusatzstoffen verzichtet. Die Daten der beiden Studien reichen jedoch nicht aus, um eine wirklich sichere Aussage über die Wirkung dieser Diät zu treffen. In anderen Studien zeigte sich allerdings kein Unterschied zwischen Diät und normaler Ernährung in Bezug auf eine erfolgreiche Vorbeugung von Migräneanfällen. Bevor wichtige Nahrungsmittel vom Speiseplan von Kindern und Jugendlichen gestrichen werden, ist es wichtig, eine ärztliche Beratung in Anspruch zu nehmen.

Andere nichtmedikamentöse Verfahren wie das Tragen von getönten Brillen oder Akupunktur sind ebenfalls untersucht worden. Die Forschung reicht jedoch nicht aus, um sagen zu können, ob sie helfen oder nicht.

Einer der wichtigsten Aspekte bei der Migränebehandlung von Kindern und Jugendlichen ist, sie zu beruhigen und zu unterstützen: Auch wenn Migräne sehr schmerzhaft sein kann, bedeutet dies nicht, dass ein ernsthaftes Gesundheitsproblem vorliegt. Wie man besser mit Migräne zurechtkommt, lässt sich erlernen.