Nackenschmerzen: Hilft eine Mobilisation oder Manipulation?

Eine Manipulation der Hals- oder Brustwirbelsäule könnte chronische Nackenschmerzen möglicherweise kurzfristig lindern. Die wissenschaftliche Basis hierfür ist jedoch schwach. Wenn eine Behandlung hilft, hält die Wirkung nach einigen Wochen oder Monaten vielleicht nicht mehr an.

 

Nackenschmerzen sind ein häufiges Problem. Sie können akut oder subakut auftreten oder chronisch sein. Akute oder subakute Nackenschmerzen dauern weniger als 30 beziehungsweise weniger als 90 Tage. Von chronischen Nackenschmerzen spricht man, wenn sie länger als 90 Tage anhalten. Nackenschmerzen können in die Arme oder den Kopf ausstrahlen und sich durch bestimmte Bewegungen oder Haltungen verstärken.

Die Ursachen von Nackenschmerzen sind vielfältig. Sie können zum Beispiel nach einer akuten Überbelastung wie einem Schleudertrauma auftreten, die Folge einer belastenden Haltung sein oder durch Verschleißerscheinungen an den Gelenken verursacht werden. Allerdings lässt sich nicht immer herausfinden, was genau die Ursachen für die Schmerzen sind.

 

Manipulation und Mobilisation sind Verfahren aus der manuellen Therapie. Sie sollen Schmerzen lindern und die Beweglichkeit der Gelenke verbessern. Bei einer Mobilisation wird das Gelenk durch einen Therapeuten langsam innerhalb seiner natürlichen Bewegungsgrenzen bewegt. Im Gegensatz dazu werden bei einer Manipulation kleine, ruckartige Bewegungen ausgeführt, die über die natürlichen Bewegungsgrenzen hinausgehen.

Eine Manipulation oder Mobilisation bei Nackenschmerzen kann sowohl im Nacken (Halswirbelbereich) als auch im oberen Rückenbereich (Brustwirbelbereich) eingesetzt werden. Die Techniken werden vor allem in der Physiotherapie und Chiropraktik, aber manchmal auch in der ärztlichen Praxis eingesetzt.

Forschungsergebnisse zur Mobilisation und Manipulation bei Nackenschmerzen

Wissenschaftler des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane Collaboration haben untersucht, ob eine Manipulation oder Mobilisation der Hals- oder Brustwirbelsäule Nackenschmerzen lindern kann. Sie haben jedoch keine Studien mit Personen ausgewertet, bei denen die Nackenschmerzen die indirekte Folge einer anderen Krankheit waren, wie zum Beispiel einer Rückenmarksverletzung.

Die Wissenschaftlergruppe hat nach Studien gesucht, in denen diese Behandlungen zum Beispiel mit einer Scheintherapie oder anderen Therapien verglichen wurden. Eine Scheintherapie meint, dass der Therapeut zum Beispiel nur so tut, als würde er eine Mobilisation durchführen.

Die aussagekräftigsten Ergebnisse liefern sogenannte randomisierte kontrollierte Studien. Darin werden Freiwillige nach dem Zufallsprinzip in zwei (oder mehrere) Gruppen eingeteilt. Jede Gruppe erhält daraufhin eine andere Behandlung, zum Beispiel eine Mobilisation oder eine Scheinbehandlung. Am Ende der Studie lässt sich feststellen, welche der Behandlungen die Schmerzen besser lindern konnte.

Insgesamt fanden die Wissenschaftler 27 Studien mit 1.522 Teilnehmenden. Trotzdem blieben viele Fragen offen. Viele der Studien hatten methodische Mängel und waren zu klein, um verlässliche Ergebnisse zu liefern. Im Durchschnitt nahmen weniger als 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an einer Studie teil.

 

Außerdem wurden unterschiedliche Behandlungsvarianten eingesetzt. Nicht zuletzt gibt es viele verschiedene Faktoren, die beeinflussen können, ob eine manuelle Therapie wirksam ist, zum Beispiel die Qualifikation des Therapeuten. Daher sind besonders gut durchgeführte Studien notwendig, um sichere Aussagen zu solchen Behandlungen treffen zu können.

Mobilisation oder Manipulation der Halswirbelsäule

Drei Studien haben geprüft, ob eine einmalige Manipulation der Halswirbelsäule chronische Nackenschmerzen lindern kann. Allerdings waren diese Studien methodisch nicht gut genug, um aussagekräftige Ergebnisse zu liefern.

 

Zusammengenommen deuteten die Ergebnisse darauf hin, dass diese Behandlung die Schmerzen unmittelbar nach der Therapie lindern kann. In den Studien hielt diese Wirkung jedoch nicht über mehrere Wochen an.

 

Möglicherweise ist die Behandlung wirksamer, wenn sie mehrfach durchgeführt wird. Allerdings ist bislang kaum erforscht, wie viele Behandlungseinheiten optimal sind.

Die Wissenschaftlergruppe fand keine Studien, die die Mobilisation der Halswirbelsäule mit einer Scheintherapie verglichen. Allerdings haben zwei Studien Manipulation und Mobilisation der Halswirbelsäule direkt miteinander verglichen. Dabei zeigten sich keine Unterschiede in der Wirksamkeit der beiden Behandlungen. Da die Studien relativ klein waren, schließt dies nicht definitiv aus, dass es Unterschiede zwischen den beiden Verfahren gibt.

Mobilisation oder Manipulation der Brustwirbelsäule

Eine Studie lieferte Hinweise darauf, dass auch eine Manipulation der Brustwirbelsäule kurzfristig chronische Nackenschmerzen lindern könnte. Allerdings prüfte die Studie nicht, ob diese Wirkung länger anhält. Zur Mobilisation der Brustwirbelsäule fanden die Wissenschaftler keine Studien.

Die anderen Studien, die die Wissenschaftlergruppe fand, haben verschiedene Formen der Manipulation oder Mobilisation untereinander oder mit anderen Schmerztherapien verglichen, wie zum Beispiel Akupunktur, Schmerztabletten, einer Wärmetherapie oder einer sogenannten TENS (transkutane elektrische Nervenstimulation).

 

Sie fanden keine eindeutigen Vorteile für eine bestimmte Behandlung. Allerdings sind größere und aussagekräftigere Studie nötig, um beurteilen zu können, wie verschiedene Manipulations- und Mobilisationstechniken im Vergleich zueinander und mit anderen Behandlungen abschneiden.

Unerwünschte Wirkungen

Die Wissenschaftlergruppe hat auch versucht herauszufinden, wie oft es durch eine Manipulation oder Mobilisation zu Schäden kommt. In den Studien, die die Wissenschaftlergruppe auswertete, traten nur leichte und vorübergehende unerwünschte Wirkungen auf, wie Kopfschmerzen oder Schwindel.

 

Unter den 1.800 Teilnehmenden in den Studien traten keine ernsthaften unerwünschten Wirkungen wie Schlaganfälle infolge von Gefäßverletzungen auf. Solche Komplikationen sind wahrscheinlich selten.

Die Wissenschaftler zogen die Schlussfolgerung, dass die Forschung keine eindeutigen Unterschiede zwischen Mobilisation und Manipulation zeigt. Beide Verfahren scheinen Nackenschmerzen kurzfristig zu lindern, ohne die Beschwerden zu verschlimmern - es ist jedoch mehr Forschung nötig, um sicher sein zu können.