Probiotika - dazu gehören vor allem bestimmte Milchsäurebakterien - können die Dauer eines Durchfalls um etwa einen Tag verkürzen. Bei Menschen mit einer ausgeprägten Schwäche des Immunsystems können sie in seltenen Fällen selbst zu schweren Infektionen führen.
Durchfall ist in vielen Fällen die Folge einer Infektion. In Industrieländern sind lebensgefährliche Durchfallattacken selten geworden. Bei einem milden Durchfall genügt es meist, durch viel Trinken den Flüssigkeitsverlust auszugleichen und abzuwarten, bis er vorübergeht. Bei kleinen Kindern und alten Menschen kann ein Flüssigkeitsverlust aber schnell so gefährlich werden, dass spezielle Therapien nötig sind.
Bei einem milden Durchfall raten manche Fachleute, als zusätzliche Maßnahme Lebensmittel zu verzehren, die spezielle Mikroorganismen wie Bakterien oder Hefen enthalten. Sie sollen sich im Darm ansiedeln und den Körper bei der Bekämpfung der Durchfallerreger unterstützen. Diese Mikroorganismen werden oft "Probiotika" genannt; die bekanntesten Vertreter sind bestimmte Milchsäurebakterien in Joghurt und anderen Milchprodukten.
Um die Frage zu beantworten, wie gut Probiotika gegen Durchfall helfen, haben Wissenschaftler des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane Collaboration die vorhandenen Studien systematisch ausgewertet. Das Thema ist recht gut erforscht: Sie fanden 63 Studien mit gut 8.000 Personen.
Die Probiotika wurden in den Studien in unterschiedlichen Formen eingenommen, zum Beispiel als Joghurt, Milch, spezielle Babynahrung, Pulver oder Kapseln. Die meisten Teilnehmenden waren Kinder, deren Durchfall weniger als zwei Wochen andauerte. Die in den Studien am häufigsten erprobten Probiotika waren Lactobacillus casei, Saccharomyces boulardii und Enterokokken.
Aktuelle Forschungsergebnisse
Die Probiotika erwiesen sich durchaus als eine zusätzliche Behandlungsmöglichkeit. In den Studien, in denen die Dauer der Durchfallerkrankung gemessen wurde, verkürzten die Probiotika die Erkrankungsdauer im Schnitt um einen Tag. Andere Studien haben kontrolliert, wie viele Teilnehmer nach einigen Tagen keinen Durchfall mehr hatten:
- Von 100 Personen, die Probiotika nahmen, waren 63 nach drei Tagen den Durchfall los (63 Prozent).
- Von 100 Personen, die keine Probiotika nahmen, waren nur 41 nach drei Tagen ohne Durchfall (41 Prozent).
Eine weitere Forschungsgruppe hat untersucht, ob Probiotika bei Kindern helfen, die anhaltenden Durchfall haben. Von anhaltendem (persistierendem) Durchfall spricht man, wenn die Beschwerden länger als zwei Wochen andauern. Bei persistierendem Durchfall sind Probiotika noch nicht so gut untersucht: Insgesamt fand die Wissenschaftlergruppe nur vier Studien mit weniger als 500 Kindern. Die bisherigen Ergebnisse liefern allerdings Hinweise darauf, dass Probiotika auch bei Kindern mit länger als zwei Wochen anhaltenden Beschwerden den Durchfall um einige Tage verkürzen könnten.
Berichte über unerwünschte Wirkungen gab es nach dieser Auswertung kaum. Insgesamt waren die probiotischen Produkte gut verträglich. Bei Menschen mit einer ausgeprägten Schwäche des Immunsystems oder bestimmten schweren Vorerkrankungen lösten sie jedoch in seltenen Fällen selbst Infektionen wie beispielsweise Entzündungen des Herzmuskels oder eine Blutvergiftung (Sepsis) aus.
Eine wichtige Frage bleibt aber offen: Als "probiotisch" bezeichnete Produkte werden in verschiedenen Formen angeboten, zum Beispiel als Joghurt, Kapseln oder Pulver. Zudem gibt es viele unterschiedliche Probiotika. Bislang ist nicht klar, ob alle diese Mittel gleich wirksam sind.
Autor: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), erstellt am 19.05.11; zuletzt aktualisiert am 15.05.12
Quelle: www.gesundheitsinformation.de ((IQWiG)