Eine Tür schließt sich, eine andere öffnet sich

TK-Motivationscoach Andreas Niedrig spricht mit Wojtek Czyz über geplatzte Träume, wie der EX-Fußballprofi nach seiner Unterschenkelamputation aus dem Tief kam und die Ziele des vierfachen Paralympics-Goldmedailliengewinners.

 

Andreas Niedrig im Gespräch mit Wotjek Czyz

Wer kennt das nicht: Wir haben einen Traum, ein Ziel, eine Vision, die wir umsetzen möchten. Wir bereiten uns gut darauf vor und dann ... kommt alles anders, als man denkt. Die erste Reaktion ist fast bei allen Menschen die gleiche: Man fragt sich, warum passiert nur mir so etwas immer?

 

Hochleistungssport mit Handicap: Andreas Niedrig im Gespräch mit ...

 

 

 

Je mehr wir für das Erreichen unseres Traumes investiert haben, umso größer wird das Loch, in das wir hineinfallen können, wenn es nicht funktioniert.

 

In der Zeit der Vorbereitung befinden wir uns meist auf einem Weg der Sicherheit. Um aus einem Traum ein Ziel werden zu lassen, haben wir einen Plan ausgedacht, bestenfalls haben wir diesen schon zu Papier gebracht. Wir wissen, was zu tun ist oder beschäftigen uns zumindest mit den Möglichkeiten, dem Vorgehen, den geplanten Schritten.

 

Es sind doch genau die Situationen, auf die wir hinarbeiten. Wir möchten interessierten Mitmenschen auf die Frage: "Und was machst Du so?", gerne antworten: "Ich plane gerade dies und das und möchte gerne in der Zeit X dies oder jenes erreichen." Ziemlich sicher eine schönere Antwort-Situation als zu sagen: "Ach, eigentlich nix!"

 

In diesen Momenten brauchen wir Hilfe

Pläne zu schmieden liegt ganz allein in unseren Händen. Die Umsetzung sicherlich auch, wobei man von äußeren Einflüssen und Eventualitäten nie ganz verschont bleibt. Vielleicht ist es ein bisschen so wie der Einsatz eines Spielers beim Roulette. Je höher der Einsatz, umso größer kann der Verlust aber natürlich auch der Gewinn sein. Läuft alles glatt, können wir den Erfolg genießen und neue Pläne schmieden. Klappt es nicht, fangen wir an zu schwimmen. In diesen Momenten brauchen wir Hilfe und Unterstützung. Vielleicht auch nur ganz einfach die Lebensgeschichte eines anderen Menschen, um unsere Enttäuschung und den Misserfolg einzuordnen und zu verarbeiten.

 

Wojtek Czyz hatte den Traum, Fußballprofi zu werden

Wir brauchen Beispiele von Menschen, bei denen eine persönliche Situation, ein nicht erreichtes Ziel, ein geplatzter Traum sich ins Positive gedreht hat. Einen dieser Menschen möchte ich Ihnen heute vorstellen. Ein Mensch, der seinen großen Traum hatte und für den von einem auf den anderen Tag alles ganz anders wurde.

 

Zwei Tage vor dem Vereinswechsel passierte das Unglück

Wojtek Czyz hatte schon als Kind den Traum, Fußballprofi zu werden. Er wurde es, unterschrieb einen Profivertrag und zwei Tage vor seinem Vereinswechsel stieß er bei einem Freundschaftspiel so unglücklich mit einem Torwart zusammen, dass er sich eine schwere Verletzung am Knie zuzog. Leider wurde seine Verletzung nicht adäquat behandelt und der Unterschenkel musste amputiert werden. Als ob dies nicht bereits schlimm genug wäre, bekam er noch im Krankenhaus einen Brief von der Sporthochschule in Köln, in dem ihm seine bestandene Aufnahmeprüfung fürs Sportstudium bestätigt wurde.


Als ich diese Geschichte hörte, musste ich unweigerlich an eigene persönliche Situationen denken und fragte mich, was ist bei mir annähernd so dramatisch verlaufen wie bei Wojtek Czyz? Was habe ich aus eigenen persönlichen Rückschlägen gemacht? Was hätte ich in einer solchen Situation getan?

 

Wojtek wurde einer der weltbesten Behindertensportler

Fragen, die weder ich, noch Sie beantworten können. Denn wir stecken nicht im Körper von Wojtek Czyz. Aber Wojtek Czyz hat uns eine Antwort gegeben. Er wurde schon kurz nach der Entlassung aus dem Krankenhaus einer der besten Behindertensportler der Welt. In diesem Jahr wird er in London bei den Paralympics seine sportliche Karriere beenden.

 

Auch sein Sportstudium wird er in diesem Jahr als Diplomsportlehrer abgeschlossen haben. Und dann? Ja und dann wird er mit seiner Lebensgeschichte anderen Menschen Mut machen. Mut machen, niemals aufzugeben und immer an seinen eigenen, ganz persönlichen Weg zu glauben. Nicht immer ist es der direkte Weg, der uns zu unserem Ziel bringt. Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich auch immer wieder eine neue Tür. Aber wir sind diejenigen, die es zulassen müssen, durch diese neue Tür zu gehen.

 

Wotjek macht anderen mit seiner Geschichte Mut

In unserem Gespräch erzählte Wojtek mir, wie er in einem Krankenhaus ein kleines Kind besuchte. Das Kind hatte wegen einer schweren Erkrankung sein Bein verloren, es musste amputiert werden. Beim Betreten des Krankenzimmers sah Wojtek zuerst in hoffnungslose, traurige Kinderaugen.

 

Der Kleine fing wieder an zu träumen

Wojtek erzählte seine Geschichte und nach wenigen Minuten fing das Kind wieder an zu lachen und vor allem: Es fing an zu träumen. Es stellte fest, dass es nicht allein ist auf dieser Welt mit seinem Problem. Wenn wir dies erkennen und akzeptieren, werden uns genau solche Geschichten helfen und Mut machen.

 

Weitere Artikel aus "Mach was draus - Das macht Mut"