Podiumsdiskussion "Praxis sucht Arzt"

Die Techniker Krankenkasse engagiert sich im Dialog um den drohenden Ärztemangel

 

Laut des Gesundheitsberichts 2011 der Region Hannover kann es in Zukunft zu einem Ärzte-Mangel in der Region Hannover kommen. Innerhalb der nächsten fünf Jahre - so die Prognose - würden viele der niedergelassenen Haus- und Fachärzte pensionsbedingt ihre Praxis verlassen. Nachfolger seien für diese Praxen nicht in Sicht. 

 

Anlässlich der Ergebnisse des Berichts wurde am 8. November im Haus der Region in Hannover die Podiumsdiskussion "Praxis sucht Arzt" abgehalten. Auf dem Podium vertreten waren Vertreter aus Politik und Gesundheitswesen - darunter auch Dr. Sabine Voermans, Leiterin der TK-Landesvertretung Niedersachsen und Dr. med. Hans-Bernhard Behrends, Leiter des Fachbereichs Gesundheit der Region Hannover.

 

Podiumsdiskussion "Praxis sucht Arzt"Dr. med. Hans-Bernhard Behrends und Dr. Sabine VoermansZiel der Veranstaltung war es, Gründe für die neue Problematik "Ärztemangel auf dem Land" aufzudecken. Des Weiteren sollte ein früher Anstoß gegeben werden, sich eingängiger mit dem Thema auseinanderzusetzen, um Ideen und Lösungsansätze zu formulieren.

 

Immer weniger Ärzte wollen aufs Land 

Unter den Neuabsolventen der Humanmedizin herrscht ein bestimmtes Berufsbild vom ländlichen Haus- oder Facharzt: Dieser müsse sieben Tage die Woche verfügbar sein und sei aufgrund der hohen Patientenzahl, die er alleine zu bewältigen hat, mit einer sehr hohen Arbeitsbelastung konfrontiert.

 

Dass es unter diesen Umständen für die jungen Ärzte schwierig ist, eine ausgeglichene "Work-Life-Balance" zu realisieren, klingt schlüssig, umso mehr als ein großer Anteil der Studierenden im Fach Humanmedizin heute weiblich ist. Nach Aussage von Dr. Sabine Voermans ist die Unistadt, in der die jungen Ärzte studiert und ihren Abschluss gemacht haben, auch in vielen Fällen zum Lebensmittelpunkt geworden. Viele jungen Mediziner können sich deshalb einen Ortswechsel aufs Land nicht mehr vorstellen, da sie auf die gewohnte Infrastruktur und beispielsweise kulturellen Angebote nicht verzichten wollen. 

 

Was kann man dagegen tun?

Vorneweg lässt sich sagen, dass es nach Ansicht der TK in Deutschland auch in naher Zukunft kein Ärztemangel geben wird. Lediglich auf die strukturelle Verteilung - wie sie auch in der Diskussion angesprochen wurde - gilt es zu reagieren.

 

Die Teilnehmer auf dem Podium haben die Formen der Niederlassungsmöglichkeiten diskutiert. Diese verschiedenen Arten der Praxisorganisation und -kooperation könnten in den betroffenen Bereichen noch stärker zur Anwendung kommen.

 

Das GKV-Versorgungsstrukturgesetz sieht die Aufhebung der Residenzpflicht vor, so dass Ärzte nicht mehr unbedingt am Sitz oder in unmittelbarer Nähe der Praxis ihren Wohnsitz nehmen müssen.

 

Der geplante Strukturfonds sieht die Möglichkeit vor, in den von Unterversorgung bedrohten Bereichen finanzielle Anreize zu setzen. Die Umsetzung ist hier allerdings noch nicht geklärt. Die TK präferiert eine Regelung, die sowohl Zu- als auch Abschläge enthält.

 

Weiterhin soll die Bedarfsplanung flexibler gestaltet werden, um auf die unterschiedlichen regionalen Gegebenheiten stärker eingehen zu können und so auch bedarfsgerechtere Entscheidungen in den Zulassungsausschüssen zu ermöglichen. 

 

Klagen auf hohem Niveau? 

Wenn man die ärztliche Versorgung in Deutschland mit anderen Ländern vergleicht, so fällt auf, dass Patienten in Deutschland - auch auf dem Land - immer noch sehr gut versorgt sind.

 

Der vorgelegte Gesundheitsbericht 2011 zeigte zwar, dass sich die ländliche ärztliche Versorgung aller Wahrscheinlichkeit nach strukturell wandeln wird. Dennoch sollte man dieses neue Phänomen nach Ansicht der TK nicht nur als Herausforderung, sondern auch als Chance verstehen.