Europabefragung 2009 - Deutsche Patienten auf dem Weg nach Europa
Kostenersparnis und die Kombination der Behandlung mit einer Urlaubsreise sind die Gründe für TK-Mitglieder, sich gezielt im Ausland medizinisch behandeln zu lassen.
Projektleitung: Dr. Caroline Wagner
Expertenpanel: Prof. Dr. Reinhard Busse, TU Berlin; Jeni Bremner, European Health Management Association (EHMA)
Hintergrund und Ziel der Befragung
Die Befragung "Die TK in Europa" aus dem Jahr 2008 hatte gezeigt, dass der Trend zu geplanten EU-Auslandsbehandlungen auch vor TK-Mitgliedern nicht Halt macht. Die TK hat es sich deshalb zum Ziel gesetzt, dieses Phänomen, über das bisher kaum zuverlässige Informationen vorlagen, näher zu untersuchen. Die Befragungsergebnisse liefern der TK erstmals darüber Erkenntnisse, warum Mitglieder für ihre medizinische Behandlung gezielt ins EU-Ausland gehen, für welche Behandlungen sie in welche Länder reisen, welche soziodemographischen Eigenschaften diese Mitglieder charakterisieren und wie die Leistungen finanziert und abgerechnet werden.
Ziel der neuen TK Europabefragung 2009 war es, Erkenntnisse über die Eigenschaften und Bedürfnisse derjenigen TK-Mitglieder zu erhalten, die im Jahr 2008 geplante EU-Auslandsbehandlungen hatten. Diese neuen Erkenntnisse werden genutzt, um das Service-, Beratungs- und Versorgungsangebot der TK für diese Mitgliedergruppe gezielt weiterzuentwickeln.
Methodik und Inhalt
Es wurden insgesamt ca. 47.000 TK-Mitglieder über 18 Jahre angeschrieben, die sich 2008 im EU-Ausland haben medizinisch behandeln lassen.
Bei der Befragung wurden sämtliche Auslandsbehandlungen in allen europäischen Ländern berücksichtigt, in denen das Sozialversicherungsabkommen durch die EWG Verordnung 1408/71 gilt. Dies betrifft alle Mitgliedsstaaten der EU, des Europäischen Wirtschaftsraumes (EWR) sowie die Schweiz. Diese werden der Einfachheit halber unter dem Begriff "EU-Ausland" zusammengefasst.
Durch das Abkommen des EWR mit den Mitgliedsstaaten der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA) werden auch Island, Liechtenstein und Norwegen berücksichtigt. Damit sind alle europäischen Länder mit einbezogen, in denen die Europäische Krankenversicherungskarte (European Health Insurance Card, EHIC) gilt, welche 2004 das Formular E 111 ablöste. Mit der EHIC haben Versicherte Anspruch auf Akut- und Notfallbehandlungen im öffentlichen Gesundheitssystem in den genannten Ländern, nicht aber auf geplante Behandlungen. Bei Akut- und Notfällen, z.B. im Urlaub, auf Dienstreise, bei Entsendungen, erfolgt die Abrechnung der Behandlungskosten über die EHIC, bei geplanten Behandlungen bezahlt der Versicherte eine Privatrechnung. Die Kosten werden dann von der deutschen Krankenkasse geprüft und in der Regel bis zu dem Betrag erstattet, der auch für eine entsprechende Behandlung in Deutschland angefallen wäre.
Der Fragebogen mit jeweils 42 Fragen beinhaltete die wesentlichen Charakterisierungsmerkmale der Mitglieder und ihrer Auslandsbehandlungen:
- Alter, Geschlecht, Einkommen, Beruf, Versicherungsstatus, Bundesland,
- Behandlungsland, Art der Erkrankung, Art und Häufigkeit der Behandlung,
- Gründe für die Auslandsbehandlung, für Zufriedenheit oder Unzufriedenheit mit der Behandlung,
- Art der Finanzierung, Art der Abrechnung,
- Wissensstand zum Leistungsanspruch und zur Abrechnung,
Meinung zum Gesundheitstourismus und zur EU-Gesundheitspolitik.
Ergebnisse
Von den insgesamt 47.038 per Post versendeten Fragebögen wurden 16.446 an die TK zurückgesendet. Dies entspricht einer Rücklaufquote von 35 Prozent und belegt das hohe Interesse der Mitglieder an Auslandsbehandlungen. Nach Erfassung und Qualitätsbereinigung des Datensatzes blieben15.540 Fragebögen übrig, die 30.000 Behandlungsfälle betrafen. Die Ergebnisse der Auswertung wurden in der Ergebnisbroschüre "TK-Europabefragung 2009. Deutsche Patienten auf dem Weg nach Europa" veröffentlicht.
Die Studie hat gezeigt, dass die beiden maßgeblichen Gründe für die gezielte Inanspruchnahme einer EU-Auslandsbehandlung die Kostenersparnis und die Kombination der Behandlung mit einer Urlaubsreise sind. Letzteres spiegelt den Trend zum Gesundheitstourismus auch unter TK-Mitgliedern wider. Es handelt sich dabei mehrheitlich um Senioren ab 60 Jahren. Wir möchten diese TK-Mitgliedergruppe in Zukunft auf ihrem Weg in den europäischen Gesundheitsmarkt noch stärker fachkundig beraten. Deshalb planen wir eine weitere Europa-Studie, die sich mit deren Bedürfnissen und Erfahrungen bei der EU-Auslandsbehandlung beschäftigt.
Downloads: C. Wagner, F. Verheyen. Die TK in Europa. TK-Europabefragung 2009. Deutsche Patienten auf dem Weg nach Europa. März 2010. , .