Zufriedenheit unter deutschen Ärztinnen und Ärzten
Ergebnisse einer empirischen Umfrage
Autoren: Beate Bestmann, Thomas Küchler, Doris Henne-Bruns
Veröffentlicht in: Schwartz FW, Angerer P (Hrsg.), Arbeitsbedingungen und Befinden von Ärztinnen und Ärzten: Befunde und Interventionen. Deutscher Ärzte-Verlag 2009, S. 209-218.
Zusammenfassung
In einer bundesweit repräsentativen Studie wurde die Berufssituation von Ärztinnen und Ärzten in Deutschland untersucht. Dazu wurden jeweils 3.500 Kliniker und Niedergelassene angeschrieben. Der hohe Rücklauf (>30%) und die hohe Repräsentativität deuten darauf hin, dass die gegenwärtige berufliche Situation von Medizinerinnen und Medizinern in Deutschland mit dieser Studie aussagekräftig abgebildet werden kann.
Betrachtet man zusammenfassend zunächst die Gesamtgruppe der Befragten, so ist aus Sicht der Autoren vor allem die Diskrepanz zwischen den von den Befragten genannten Belastungsfaktoren und der dennoch verhältnismäßig hohen Zufriedenheit mit den Arbeitsbedingungen erstaunlich. Weder Hierarchieposition, Anzahl der Arbeitsstunden, mangelnde Unterstützung durch den Weiterbilder, Anzahl der wöchentlichen Überstunden, personelle Ausstattung der jeweiligen Einrichtung noch die Bezahlung haben bei Ärztinnen oder Ärzten einen Einfluss auf die berufliche Zufriedenheit.
Dies ist in Bezug auf Medizinerinnen noch deutlicher: Neben der insgesamt größeren Unzufriedenheit mit allen in dieser Studie abgefragten Bereichen gibt es spezifische Unzufriedenheiten mit den familienbezogenen Rahmenbedingungen (Kinderbetreuung etc.) der ärztlichen Tätigkeit. Dennoch hat dieses gerade bei Ärztinnen keinen Einfluss auf die Gesamtbewertung des Berufes, denn in einem Punkt herrscht Übereinstimmung zwischen Medizinerinnen und Medizinern: Trotz aller Unzufriedenheit geben 63,0% der Männer und 68,1% der Frauen an, dass sie sich zu den gegenwärtigen Bedingungen auch heute wieder für diesen Beruf entscheiden würden.
Die Ergebnisse machen darüber hinaus deutlich, dass es immer noch starke Unterschiede in der beruflichen Situation von Ärztinnen und Ärzten gibt. „Von Frauen wird heute in widersprüchlicher Weise sowohl berufliche Leistung als auch familiäre Arbeit erwartet. Frauen - insbesondere in hochqualifizierten Berufen - sollen beruflich „ihren Mann stehen“ und privat „die Familie managen“. Speziell für den Arztberuf gilt, dass die Ausbildung eine lange und zeitliche Flexibilität verlangt, durch die sich die Lebenssphären „Beruf“ und „Familie“ nur schwer miteinander vereinbaren lassen.
Die Studienergebnisse zeigen an einigen Stellen Unzufriedenheitspotentiale und geschlechtsspezifische Unterschiede auf. Diese Befunde betreffen vor allem die Arbeitszeit, die Vergütung sowie familienassoziierte Bereiche (Tätigkeit im Haushalt, Möglichkeiten der Kinderbetreuung etc.) der allgemeinen Lebenszufriedenheit. Hier besteht von Seiten der Politik, Krankenhäuser und Universitäten deutlich Handlungsbedarf. Es sollten Rahmenbedingungen geschaffen werden, die Ärztinnen und Ärzten ein zufrieden stellendes Nebeneinander von Beruf und Familie ermöglichen.