Gleich nach seiner Geburt kümmern sich Arzt oder Hebamme um seine Erstversorgung. Was sie tun, hängt davon ab, wie reif und vital das Kind ist.
Ist es ein Frühgeborenes oder krank, zum Beispiel mit einem Atemnotsyndrom, werden sie es schnellstmöglich von einem Kinderarzt behandeln lassen.
Bei einem reifen und gesunden Neugeborenen hingegen können sie sich mehr Zeit nehmen. Unmittelbar nach der Geburt saugen sie Mundhöhle und Nasengänge ab, damit das Kind frei atmen kann. Die meisten Neugeborenen beginnen innerhalb der ersten 20 Sekunden nach der Geburt zu atmen. Manchmal genügt ein festes Streicheln des Rückens, um die Atmung zu stimulieren.
Sie wickeln das Kind in vorbereitete warme Tücher, um seine Temperatur zu halten, und legen es der Mutter auf den Bauch. Oft darf der Vater dann die Nabelschnur durchschneiden, nachdem die Hebamme sie abgeklemmt hat.
Nach einigen Minuten findet die erste Untersuchung (U1) statt. Der Arzt misst Länge, Gewicht und Kopfumfang des Kindes und trägt das Ergebnis in das gelbe Kinderuntersuchungsheft ein.
Die ersten Tests
Ein Bestandteil der Erstuntersuchung ist der Apgar-Test, eine Vitalitätsprüfung, die nach der amerikanischen Kinderärztin Virginia Apgar benannt ist. Der Arzt bewertet dabei fünf Kriterien: die Herzaktion, die Atmung, den Muskeltonus, also den Spannungszustand der Muskulatur, die Reaktion auf Hautreize und die Hautfarbe.
Er untersucht auch gründlich Herz, Lunge, Bauch, Genitalien und die Sinnesorgane des Kindes und untersucht es auf sichtbare Fehlbildungen, zum Beispiel eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte. Außerdem schätzt er ab, ob das Kind körperlich so weit entwickelt ist, wie es der angenommen Länge der Schwangerschaft entspricht.
Oft kann die Mutter das Neugeborene schon bereits im Kreißsaal ein erstes Mal anlegen, damit das Baby die wertvolle Vormilch trinken kann, das Kolostrum. Das Kolostrum ist sehr reich an Immunglobulinen (Antikörper). Das sind lebenswichtige Eiweiße, die im Blut zirkulieren und vielfältige Aufgaben erfüllen. Sie sind ein wichtiger Bestandteil unseres Immunsystems. Im Kolostrum stärken sie das Immunsystem des Neugeborenen.
Mit dem Einverständnis der Eltern bekommt das Kind am ersten Lebenstag Vitamin K als Tropfen oder als Spritze verabreicht, um Problemen mit der Blutgerinnung
vorzubeugen.
Autor: Datapharm, erstellt am 01.04.05; zuletzt aktualisiert von Dr. med. Julia Hofmann am 10.08.11
Quelle: TK-Ärztezentrum