Ob Klinik, Geburtshaus oder Hausgeburt: Während der neun Monate Schwangerschaft haben Sie Zeit, sich Gedanken über die Wahl des Geburtsortes zu machen.
Welcher Ort der sicherste für eine Geburt ist, ist seit langem strittig und auch wissenschaftlich nicht so einfach zu beantworten. Denn Studien, die einen direkten Vergleich von häuslicher Geburt und Krankenhaus zulassen, sind so ohne weiteres nicht durchführbar.
Es gibt jedoch Hinweise aus zwei aktuellen Studien. Eine kanadische Studie kommt zu dem Schluss, dass Hausgeburten sogar mit besseren Ergebnissen verbunden sind (CMAJ 2009; doi: 10.1503/cmaj.081869). Die jüngste Studienanalyse von US-Forschern dagegen zeigt, dass die Risiken für die Kinder erhöht sind, was sie vor allem der eingeschränkten medizinischen Versorgung zuschreiben. Für die Mütter allerdings ließen sich einige Vorteile belegen, wie ein geringerer Bedarf an Schmerzmitteln, weniger Infektionen und mit der Geburt verbundene Komplikationen.
Tatsächlich lassen sich Komplikationen während und nach der Geburt, wie sie bei etwa fünf bis 20 Prozent der Schwangerschaften vorkommen, in einer Klinik häufig am besten beherrschen. Bei Mehrlingen, Beckenendlage und Risiken bei der Mutter wie etwa Diabetes, Bluthochdruck oder Gestose, ist die Klinik in jedem Fall die bessere Wahl. Dies gilt auch, wenn Risikofaktoren beim Kind bestehen, beispielsweise bei einem sehr kleinen Kind oder drohender Frühgeburt.
Medizin & Gesundheit
Leistungen & Services
Bei normalem Schwangerschaftsverlauf ohne besondere Risiken auf Seiten der Mutter oder des Kindes sollte die Frau jedoch selbst entscheiden, in welcher Atmosphäre sie ihr Kind bekommen möchte. Während manche Frauen sich sicherer fühlen, wenn medizinische Versorgung in unmittelbarer Reichweite ist, fühlen sich andere dadurch eher verunsichert. Das Gefühl von Sicherheit und Vertrauen kann den Geburtsverlauf beeinflussen.
Hausgeburt
Eine Hausgeburt kommt also nach risikofreiem Schwangerschaftsverlauf in Betracht. Während der gesamten Zeit der Entbindung werden die werdenden Mütter im familiären Umfeld von einer Hebamme ihres Vertrauens betreut. Betroffene Frauen und ihr Partner sollten von ihrer Entscheidung überzeugt sein.
Treten unvorhersehbare Komplikationen während oder nach der Geburt auf, kann die Aufnahme in einer Klinik unumgänglich werden. Auch stehen bei einer Hausgeburt Schmerz- und Wehenmittel nur bedingt zur Verfügung. Planen Sie eine Hausgeburt, sollten Sie sich bereits frühzeitig mit einer Hebamme in Verbindung setzen. Hausgeburthebammen sind rar, und die Betreuung zu Hause setzt ein beiderseitiges Vertrauensverhältnis voraus, das erst in mehreren Treffen aufgebaut werden muss.
Geburtshaus
Geburtshäuser stellen eine Alternative zur Klinikgeburt und Hausgeburt nach risikofreiem Schwangerschaftsverlauf dar. In einem Geburtshaus haben sich freiberufliche Hebammen zusammengeschlossen, um Paaren eine hausgeburtsähnliche Atmosphäre zu bieten. In der Regel gibt es keinen Arzt bei der Geburt.
Schmerz- und Wehenmittel stehen nur bedingt zur Verfügung. Die Frauen werden kontinuierlich von einer der diensthabenden Hebammen, die sie bereits aus der Vorbereitung kennen, betreut. Treten jedoch Komplikationen auf, so müssen Betroffene eventuell ähnlich wie bei einer Hausgeburt in eine Klinik verlegt werden. Viele Geburtshäuser haben sich in Netzwerken zusammengeschlossen.
Wie auch immer Sie sich entscheiden: Auf jeden Fall sollte ein so intensives Ereignis wie eine Geburt gut geplant sein. Fragen, die Sie sich stellen sollten, sind:
- Wie hoch ist mein Sicherheitsbedürfnis für mich und mein Kind?
- Wo fühle ich mich gut aufgehoben?
- Wo kann ich am besten entspannen?
- Was rät mein Frauenarzt?
Schwangere Frauen sollten alle Faktoren berücksichtigen - emotionale und medizinische - und dann gegebenenfalls gemeinsam mit ihrem Partner entscheiden. Bei einem außerklinischen Geburtsort kann es von Vorteil sein, wenn eine Klinik für den Notfall in kurzer Zeit erreichbar ist.
Autor: Datapharm, erstellt am 06.12.05; zuletzt aktualisiert von Dr. med. Julia Hofmann am 10.01.12
Quelle: Datapharm, JR Wax et al.: Maternal and newborn outcomes in planned home birth vs planned hospital births: A metaanalysis. American Journal of Obstetrics and Gynecology 2010; 203: 243.e1-243.e8