Was Jugendliche stresst

Angst vor Prüfungen, schlechten Noten und davor, keinen guten Schulabschluss machen zu können - das erleben jugendliche Schüler als besonders stressig. Auch der alltägliche Termindruck, Streit in der Familie und Konflikte mit Freunden verursachen Stress.

Das zeigt eine Studie der Universität Marburg, die von der Techniker Krankenkasse gefördert wurde. Eine Untersuchung aus Österreich aus dem Jahr 2007 belegt, dass fast 60 Prozent der Jugendlichen sich in Schule, Arbeit und Studium unter Druck fühlt. Viele Jugendliche haben Angst davor, durch schlechte Leistungen ihre Eltern zu enttäuschen. Auf gesellschaftlich bedingte Ängste weist die deutsche Shell-Jugendstudie 2006 hin. Fast 70 Prozent der Jugendlichen machen sich Sorgen um einen angemessenen Arbeitsplatz, viele haben Angst vor steigender Armut. Besonders pessimistisch sind Jugendliche an Hauptschulen und aus ärmeren Familien.

 

Unübersichtliches Leben

Im Vergleich zu früheren Epochen, so der Jugendforscher Klaus Hurrelmann, ist das Leben für alle Altersgruppen unübersichtlicher geworden. Viele Lebenswelten und "Szenen" existieren nebeneinander. Der Eintritt in den Beruf und die Heirat, die früher als Meilensteine den Beginn des Erwachsenenlebens markierten, haben sich zeitlich weit nach hinten verschoben. Für manche werden sie erst im vierten Lebensjahrzehnt Realität, für andere nie.

 

Welten klaffen auseinander

Feste Normen, Werte und ethische Standards oder klar vorgezeichnete Wege zu einem Leben als selbstständiger Erwachsener gibt es immer weniger. Viele, die heute einen Ausbildungsplatz haben, bangen darum, übernommen zu werden. Studienabsolventen lavieren sich mit Praktika und schlecht bezahlten Jobs durchs Leben. Die Medien dagegen führen ihnen gleichaltrige, erfolgreiche Stars und Jungmanager vor. Diese Welten klaffen weit auseinander. Wer es nicht schafft, demgegenüber seinen eigenen Stil zu finden und zu akzeptieren, gerät zusätzlich unter Druck.

 

Eine eigene Persönlichkeit werden

Jugendliche müssen heute mehr Eigenleistung einsetzen, um ihre Lebenspläne zu entwerfen und, wenn nötig, auch zu verändern. Sie müssen ihre persönlichen Interessen mit den ökonomischen und gesellschaftlichen Realitäten in Einklang bringen. Sie wollen unverwechselbare Persönlichkeiten sein und sich gleichzeitig erfolgreich in ihre Freundesgruppe einbinden. Sie müssen offen sein für Chancen und flexibel genug, sich auf die sich verändernden Bedingungen einzustellen.

 

Zwischen Abhängigkeit und eigenem Stil

Damit sind sie über eine lange Zeit beschäftigt. Die Jugendphase beginnt früher und dauert länger als noch wenige Jahrzehnte zuvor. Jugendliche sind in dieser Zeit oft lange ökonomisch von ihre Eltern abhängig. Trotzdem sollen und wollen sie ihren eigenen Stil, ihr eigenes Leben finden. Das erfordert Ausprobieren, Mut und flexible Entscheidungen über den nächsten Lebensschritt.

 

Hohe Anforderungen an Jugendliche

Die meisten Jugendlichen entwickeln die nötigen Strategien, um mit den widersprüchlichen Anforderungen erfolgreich fertig zu werden. Etwa jeder fünfte aber ist damit mindestens zeitweise überfordert. Das kann zu depressivem, aggressivem oder auch zu Suchtverhalten führen.

 

Wer dagegen früh lernt, mit Stresssituationen konstruktiv umzugehen und wer Unterstützung durch die Familie, Freunde und Schule erfährt, kommt mit dem Stress im Jugendalter besser klar.