Sucht ist eine chronische Krankheit, bei der Rückfälle nicht selten sind. Selbst eine erfolgreich abgeschlossene Therapie bietet keinen hundertprozentigen Schutz.
Rückfallvermeidung hat Priorität
Auch wenn das Ziel einer jeden Suchttherapie die Abstinenz, also das Leben ohne Suchtstoff, ist, so müssen folglich ganz pragmatisch Wege gefunden werden, mit der Situation eines Rückfalls angemessen umzugehen. Der wichtigste Punkt ist und bleibt aber natürlich die Rückfallvermeidung. Situationen, die mit einer hohen Rückfallgefahr verbunden sind, sollten konsequent vermieden werden. Hierzu gehört zum Beispiel der Kontakt zu Suchtkranken, die nicht abstinent leben wollen, zu früheren Saufkumpanen oder zur Drogenszene. Situationen, die mit einer hohen Rückfallgefahr verbunden sind, die der Betroffene aber nicht ohne größere Nachteile vermeiden kann, sollten bewusst und systematisch vorbereitet werden. Gerade im Vorfeld von Betriebsfesten, Geschäftsessen oder Ähnlichem, kann die Hilfe eines Psychotherapeuten, aber auch von Selbsthilfegruppen nützlich sein.
Rückfall muss keine Katastrophe sein
Trotz bester Vorbereitung kann es dazu kommen, dass der Betreffende rückfällig wird. Rückfall muss aber auch dann keine Katastrophe sein. Es gilt, einen kühlen Kopf zu bewahren. Wer im Vorfeld des Rückfalls dafür gesorgt hat, dass sein soziales Netz aus Freunden, Bekannten, Therapeut und Selbsthilfegruppe trägt, kann sich jetzt Rat und Unterstützung holen.
Autor: Dr. med. Anne-Kristin Schulze, erstellt am 06.03.03; zuletzt aktualisiert von Dr. med. Anne-Kristin Schulze am 07.10.11
Quelle: Tölle R. und Windgassen K.: Psychiatrie. 14. Aufl. Heidelberg: Springer 2006; Frank Schneider, Wilhelm Niebling (Hrsg.): Psychische Erkrankungen in der Hausarztpraxis, Springer Verlag Berlin Heidelberg 2008