Der Ausbildungsabbruch
Viele Jugendliche haben Schwierigkeiten, den passenden Ausbildungsplatz zu finden. Nicht wenige brechen ihre Ausbildung vorzeitig ab. Wir sagen Ihnen, wo die Ursachen dafür zu finden sind und wie Sie einen Ausbildungsabbruch verhindern können.
Ein großer Teil der Auszubildenden in Deutschland ist mit der Ausbildung unzufrieden. Die Quote für die vorzeitige Lösung des Ausbildungsvertrages liegt seit mehreren Jahren branchenübergreifend bei rund 20 Prozent. Nach einer Untersuchung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BBIB) geht die Initiative zur Auflösung des Ausbildungsvertrags zu 57 Prozent von den Auszubildenden selbst aus. Bei einem Drittel löst der Betrieb das Ausbildungsverhältnis, in 11 Prozent der Fälle trennt man sich in gegenseitigem Einvernehmen.
Die Gründe der Auszubildenden, ihren Vertrag zu lösen, sind unterschiedlich. Rund 70 Prozent der Befragten nannten die schlechte betriebliche Atmosphäre als Grund für den Abbruch. Etwa 60 Prozent gaben Konflikte mit den Ausbildern oder Firmeninhabern als Ursache an.
Für einen Abbruch vonseiten des Unternehmens gibt es meist mehrere Auslöser: Während der Probezeit ist der häufigste Grund, dass die "Chemie" zwischen den Beteiligten nicht stimmt. Diese Zeit dient ja schließlich dazu, sich kennenzulernen. Oft erkennt das Unternehmen auch, dass der Azubi mit falschen Vorstellungen an die Ausbildung herangegangen ist.
Viele wechseln nur den Betrieb
Für die überwiegende Mehrheit der Abbrecher aus der BBIB-Untersuchung endete die Ausbildung bereits im ersten Ausbildungsjahr, bei gut einem Drittel im zweiten oder letzten Ausbildungsjahr. Die Studie zeigt aber auch, dass Auszubildende, deren Ausbildungsvertrag vorzeitig gelöst wird, nicht automatisch aus der Berufsausbildung ausscheiden.
Knapp 62 Prozent der jungen Menschen, die ihre Ausbildung abbrachen, blieben im Ausbildungssystem, die Hälfte wechselte in einen anderen Betrieb. Der Ausbildungsabbruch muss also nicht zwangsläufig das Ende der Karriere in diesem Berufszweig bedeuten.
Unzufriedenheit mit der Berufswahl
Für 46 Prozent spielten persönliche Gründe für den Ausstieg aus der Ausbildung eine Rolle. Dicht dahinter folgen mit 43 Prozent eine schlechte Vermittlung von Ausbildungsinhalten und ungünstige Arbeitszeiten sowie ausbildungsfremde Tätigkeiten.
Jeder dritte Abbrecher war generell unzufrieden mit der Berufswahl. Entweder entsprach der Ausbildungsberuf nicht dem Wunschberuf oder die Vorstellungen unterschieden sich von der Ausbildungsrealität.
Kündigung nur als letzter Ausweg
Die Auflösung des Ausbildungsvertrages sollte bei betrieblichen Problemen nicht die einzige Option, sondern nur den letzten Ausweg darstellen. Handwerks- und Handelskammern geben zu bedenken, dass eine Kündigung immer "das letzte Mittel" sein müsse. Zunächst sollten Arbeitgeber versuchen, Probleme in Gesprächen mit den Auszubildenden zu klären.
Nach einer Studie des Westdeutschen Handelskammertags bewerten Auszubildende Konflikte oft schwerwiegender als ihre Ausbilder. Wichtig ist deshalb eine ruhige und sachliche Aussprache zwischen den Beteiligten.
Dafür sollte man am besten einen Termin vereinbaren und nicht direkt nach einem aufgetretenen Konflikt alles aussprechen, was einem auf der Seele liegt. Dann sollte darüber gesprochen werden, wie die konkreten Erwartungen des Betriebs aussehen und wo mögliche Fehler oder Missverständnisse liegen.
In Nachhilfe investieren
Nach Ansicht der IHK Berlin haben viele Unternehmen bereits erkannt, dass sie zusätzlich in ihre Azubis investieren müssen, unter anderem mit Angeboten die über den Ausbildungsvertrag hinausgehen. Immer weniger Jugendliche verlassen die Schule gut vorbereitet für die Berufswelt. Investieren die Unternehmen viel in die Ausbildung, erwarten sie im Gegenzug natürlich ein entsprechendes Maß an Zuverlässigkeit und sozialer Kompetenz. Doch gerade im Umgang mit den Nachwuchskräften ist das Thema Toleranz sehr wichtig. Der Auszubildende darf sich jedoch nicht alles erlauben. Auf einigen Gebieten, wie etwa bei Diebstahl im Betrieb, ist Toleranz in der Regel fehl am Platz.
Motivation als Schlüssel
Ein Unternehmen, das seine Mitarbeiter und damit natürlich auch seine Auszubildenden langfristig an sich binden möchte, muss motivieren können und Anreize für die Arbeitskräfte schaffen. Ein Prämiensystem zur Belohnung von guten Ausbildungsleistungen einzuführen, ist eine Option. Überstunden sollten unbedingt vergütet werden, und wenn es in Form von Gleit- oder Freitagen ist. Die IHK Berlin rät, den Azubi in Projekte einzubinden und ihm Aufgaben zu übertragen, die er eigenverantwortlich erledigen muss. So signalisieren Sie ihm, dass er ein wichtiger Teil des Unternehmens ist.