Knigge für Jungunternehmer
Führungskräfte, die relativ frisch in ihrer Position sind, wollen in jedem Fall einen "guten Draht" zu ihren Mitarbeitern aufbauen. Dabei können einige Verhaltensregeln behilflich sein.
"Autoritär und barsch" - mit solch einem Führungsverhalten möchte keiner gern in Verbindung gebracht werden. Wie es anders geht, erfahren Sie hier.
Generelles Verhalten als junger Chef
Wenn Sie gerade eine Führungsposition übernommen haben, sollten Sie von Anfang an klar machen, dass Sie zu Recht Führungskraft geworden sind und Ihre neue Rolle ernst nehmen. Seien Sie Herr der Lage, begegnen Sie Ihren Mitarbeitern immer mit Respekt und zeigen Sie fachliche Kompetenz.
Die Benehmensberaterin Marlies Smits rät, in Gesprächen mit Mitarbeitern "Augenkontakt zu halten und mit einer offenen Körpersprache zu agieren". Begrüßungsregeln sollten stets beachtet werden, so Smits. Grundsätzlich wird immer zuerst der Ranghöhere begrüßt, auch wenn eine Frau anwesend ist.
Wir haben die wichtigsten Punkte für Sie zusammengestellt:
- Arbeiten Sie im und mit Ihrem Team zusammen. Machen Sie aber ruhig deutlich, dass Sie letztendlich für das Ergebnis verantwortlich sind.
- Bleiben Sie sich Ihrer Führungsrolle trotz guter Teamarbeit bewusst.
- Seien Sie kooperativ.
- Stellen Sie für Ältere eine Position bereit, in der diese ihr Wissen an die Jungen weitergeben können.
- Gehen Sie als Chef oder Chefin bei Kleidung, Arbeitseinsatz und Umgangston mit einer Vorbildfunktion voran.
- Äußern Sie Kritik immer im Vier-Augen-Gespräch, kritisieren Sie nie vor anderen. "Hierbei hat sich die Sandwich-Taktik bewährt", sagt Expertin Smits. So sollten Sie die Kritik immer zwischen zwei Nettigkeiten oder Lob verpacken. Wichtig ist hierbei, dass die Kritik dabei nicht untergeht, sondern auch beim Kollegen ankommt. Es ist extrem wichtig, Kritik sachlich zu formulieren.
- Stellen Sie in Zielvereinbarungsgesprächen klar dar, wie Ihre Erwartungen sind. Lassen Sie aber auch Ihre Mitarbeiter ihre Erwartungen formulieren. Legen Sie dabei die Karten offen auf den Tisch.
- Als Chef sollten Sie Meetings, wann immer möglich, selbst leiten. Machen Sie dabei deutlich, dass Sie an der Meinung der Mitarbeiter interessiert sind.
"Du" oder "Sie"?
"Das Du kann nur vom Vorgesetzten angeboten werden", sagt Smits. Ob Sie ihre Mitarbeiter überhaupt duzen sollten, ist im Einzelfall zu klären. In einigen Unternehmen ist es verpönt, sich zu duzen, in anderen Firmen wie etwa bei Ikea werden in bestimmten Ländern sogar die Kunden geduzt. Duzen sich alle Mitarbeiter untereinander, kann es sinnvoll sein, auch alle zu duzen.
Vor Kundschaft gilt bei vielen Betrieben die Regel, dass sich gar nicht geduzt wird. Die Benehmensexpertin Smits rät aber vom gestelzten Siezen vor der Kundschaft ab. "Man kann den Kollegen, wenn man ihn direkt anspricht, ruhig duzen. Nach dem Motto "Peter, komm doch mal rüber" - ist das in Ordnung. Sprechen Sie über ihren Kollegen, sollten Sie aber immer über Herrn Meyer sprechen."
Steigt ein Duzfreund auf und übernimmt den Chefsessel, ergibt sich die Frage, ob Sie die Anredeform ändern sollten. Hier schlägt immer der oder die Höhergestellte, in diesem Fall der neue Chef, das weitere Vorgehen vor. Sie können sich auch privat weiter duzen und vor der Belegschaft die gewünschte Distanz mit einem "Sie" herstellen.
Bewerbungsgespräch
Als Chef müssen Sie auch Bewerbungsgespräche mit künftigen Mitarbeitern führen. "Die Vorbereitung ist das absolut Wichtigste beim Bewerbungsgespräch", sagt Smits. Das gilt auch für Chefs. Bewerbungsgespräche verlaufen im besten Fall in drei Phasen:
- In der Aufwärmphase sollte das Gespräch mit einigen lockeren Fragen begonnen werden, zum Beispiel über den Verlauf der Anreise. Es gilt, eine entspannte Atmosphäre zu schaffen.
- Im nächsten Schritt gehen Sie intensiv auf den Lebenslauf ein, hinterfragen Unklarheiten und lassen dem Bewerber die Möglichkeit, sich selbst darzustellen.
- In der dritten Phase wird geklärt, wo sich der mögliche neue Mitarbeiter in Ihrem Unternehmen sieht und welche Wege der Entwicklung vorstellbar sind. Beim Abschluss des Gesprächs sollten Sie den Bewerber nicht im Unklaren über das weitere Procedere lassen, sondern ankündigen, wann es eine Rückmeldung gibt, und diese dann auch wie besprochen geben.