Betriebe gleichen mit Zeitarbeit Personalengpässe aus, Arbeitnehmer vermeiden damit Arbeitslosigkeit oder sammeln erste Berufserfahrung. Allerdings hat die sogenannte Arbeitnehmerüberlassung auch ihre Tücken.
Zeitarbeit ist in Deutschland bei vielen Unternehmen und Beschäftigten etabliert. Die große Zahl unterschiedlicher Bezeichnungen zeigt aber, dass die Dienstleistung noch immer umstritten ist. Während die einen von Arbeitnehmerüberlassung und Personalleasing reden, bezeichnen Kritiker die Zeitarbeit auch als Leih- oder Fremdarbeit. Sie sehen die Beschäftigten als Mitarbeiter zweiter Klasse und befürchten Lohndumping. Fakt ist, dass Zeitarbeiter in der Regel deutlich weniger verdienen als ihre fest angestellten Kollegen.
"Das Lohngefälle bei der Zeitarbeit gegenüber einem regulären Beschäftigungsverhältnis ist die Existenzgrundlage des Modells Zeitarbeit. Andernfalls gäbe es für die Arbeitgeber keinen Grund, auf Leiharbeiter zurückzugreifen“, erklärt Arbeitsrechtler Alexander Bartz von der Kanzlei Kliemt & Vollstädt. Tatsache ist aber auch, dass inzwischen weitreichende Schutzrechte für Zeitarbeiter und entsprechende Pflichten für den Arbeitgeber existieren.
Zunehmend qualifizierte Arbeitskräfte
Traditionelle Auftraggeber sind konjunktur- und saisonabhängige Branchen wie der Tourismus, die Gastronomie und der Autobau. Sie nutzen bisher eher gering qualifizierte Kräfte. Derzeit findet allerdings ein Wandel statt: "Durch die zunehmende Globalisierung, die anziehende Konjunktur und auch den demografischen Wandel entwickeln sich die Personaldienstleistungsunternehmen zunehmend zu Maklern für hoch qualifizierte Arbeitskräfte“, so Matthias Stief, Regionalkreisleiter des Interessenverbands Deutsche Zeitarbeitsunternehmen e.V. - kurz iGZ - für Oberbayern Nord und Niederbayern.
Engpässe seien bei den akademischen Berufen - insbesondere bei Mathematikern, Informatikern, Naturwissenschaftlern und Technikern - zu erwarten. "Schon in sechs Jahren werden nach Schätzungen von Experten 254.000 dieser hoch qualifizierten Arbeitskräfte fehlen“, so Stief. Experten prognostizieren deshalb, dass sich die Zeitarbeitsfirmen viel stärker als bisher auf die Vermittlung von Hochqualifizierten spezialisieren und neue Angebote schaffen.
Autor: Luca Nelson, erstellt am 18.01.10

