Unternehmensnachfolge
Die Übernahme einer Firma ist eines der schwierigsten Kapitel im Unternehmertum. Ob man diese abgibt oder übernehmen will - viele Aspekte von Steuerfragen bis zur Finanzierung müssen hier berücksichtigt werden.
Tausende Unternehmen werden jedes Jahr in Deutschland übergeben. Die kleinen und mittleren Unternehmen bilden hier entsprechend ihrem Anteil an der Volkswirtschaft den größten Teil. Nach Angaben des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) gibt es einen steigenden Bedarf an Beratungen. Das gilt für Unternehmer, die ihren Betrieb abgeben wollen, und für diejenigen, die ein Unternehmen übernehmen wollen. Laut DIHK stellt dabei vor allem die Finanzierung das größte Problem dar. Drei Viertel der Unternehmen berichten demnach von schwierigen Zugängen zu Bankkrediten. Knapp zwei Drittel registrieren Probleme, das Beteiligungskapital für die Unternehmensnachfolge aufzustellen. Solche Probleme können letztendlich dazu führen, dass Übergaben gänzlich scheitern können. Nach Angaben des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn müssen jährlich über 5.000 Familienbetriebe schließen, da kein Nachfolger für das Unternehmen zur Verfügung steht.
Familiennachfolge oder Verkauf
Einer Erhebung des Instituts für Mittelstandsforschung zufolge werden rund 40 Prozent der Betriebe an Familienangehörige weitergegeben, rund ein Fünftel geht in den freien Verkauf. Lediglich 16 Prozent der übergabereifen Unternehmen gehen danach an externe Führungskräfte. Jedes zehnte Unternehmen wird von seinen Mitarbeitern übernommen.
Frühzeitig planen
"Je früher, desto besser! Frühzeitig an die Nachfolge denken“, empfiehlt das Bundeswirtschaftsministerium den Unternehmern. Das gilt dabei nicht nur für Unternehmer, die in ein gewisses Alter gekommen sind, sondern auch für junge Unternehmer. Diese sollten für den Notfall einen entsprechenden Plan ausgearbeitet haben, wer das Unternehmen für den Fall von Krankheit, Unfall oder Tod des Unternehmers weiterführen und übernehmen kann.
Notfallplan erarbeiten
Ein Betrieb ist führungslos und damit in seiner Existenz gefährdet, wenn der Unternehmer durch Krankheit oder Unfall ausfällt. Entsprechend sollte der Unternehmer festlegen, wer in einem solchen Notfall kurzfristig die Führung der Geschäfte übernehmen kann. Dazu müssen entsprechende Vollmachten wie etwa Handlungs- und Bankvollmachten ausgestellt werden. In den Gesellschafterverträgen muss die Regelung fixiert werden. Der Notfall-Ersatz sollte entsprechende Kopien der wichtigsten Dokumente haben, rät das Bundeswirtschaftsministerium.
Dazu gehören:
der Notfall-Fahrplan,
die wichtigsten Verträge,
das Testament,
die Vollmachten,
Passwörter und Schlüssel und
wichtige Adressen.
Langfristig denken und handeln
Mindestens fünf Jahre Vorbereitungszeit sollten Sie einplanen, wenn Sie einen Betrieb regulär übergeben wollen, empfiehlt das Bundeswirtschaftsministerium. So lange dauert den Angaben zufolge der gesamten Prozess einer Unternehmensübergabe. Dazu gehören die Vorbereitung des Unternehmens auf die Übergabe, die Wahl der Altersversorgung beziehungsweise -vorsorge und die entsprechende Sicherung des (Familien-)Vermögens. In diesem Zeitraum müssen alle steuerlichen und rechtlichen Fragen einer Übertragung geklärt werden und schließlich der Nachfolger ausgewählt und eingearbeitet werden. Mit dem Nachfolger sollte dann eine konkrete Übergabestrategie entwickelt werden. Dabei sollte man berücksichtigen, dass die Interessen der Beteiligten durchaus unterschiedlich sein können, aber im Interesse des Unternehmens ausgeglichen werden sollten.
Das Bundeswirtschaftsministerium rät Unternehmern, die Unternehmensübergabe beziehungsweise -übernahme von Anfang an schriftlich und mit Zeitvorgaben zu planen. "Dazu gehören auch Vorüberlegungen wie unter anderem die Suche nach einem geeigneten Nachfolger, die Definition von Zielen, die Vereinbarung der Übergabe- und Zahlungsmodalitäten und die Regelung von Erbansprüchen“, so die Experten des Ministeriums.
Finanzielle Herausforderungen
Bei einer Unternehmensnachfolge stellen sich dem Übernehmer wie dem Übergeber eine Reihe finanzieller Fragen, zum Beispiel bei unterschiedlichen Vorstellungen über den Kaufpreis. In der Regel sind die begrenzten Eigenmittel des Nachfolgers und der zuletzt deutlich schwierigere Zugang zu Fremdkapital eine der zu lösenden Herausforderungen. Experten empfehlen, grundsätzlich mit einer finanziellen Bestandsaufnahme zu beginnen. Sind die notwendigen Informationen vorhanden, kann die Finanzplanung darauf abgestimmt werden. Damit können die Beteiligten viele Eventualitäten im Voraus berücksichtigen.
Steuerliche Herausforderungen
Unternehmensübergaben können zu erheblichen Steuerbelastungen führen. Das gilt für den ausscheidenden Unternehmer ebenso wie für dessen Nachfolger. Die im Zuge einer Übernahme möglicherweise tangierten Steuerarten sind die Erbschaft- und Schenkungsteuer, die Einkommensteuer sowie die Grunderwerbsteuer. Angesichts der Komplexität und der stetigen Veränderungen im deutschen Steuerrecht sollte bei Übernahmen auf jeden Fall ein Steuerberater eng eingebunden werden, raten Experten.
Juristische Herausforderungen
Die juristische Gestaltung soll die wichtigste Aspekte absichern, die sich im Zusammenhang mit einer Nachfolgeregelung stellen. Dazu sind vor allem entsprechende Vereinbarungen im Erb-, Ehe-, Gesellschafts- und Unternehmensrecht notwendig. Zwar gibt der Gesetzgeber für viele der genannten Rechtsbereiche Regelungen vor, diese entsprechen allerdings nur selten den vielfältigen Anforderungen einer Unternehmensnachfolge. Unternehmen sollten vor allem darauf achten, dass alle getroffenen Vereinbarungen miteinander synchronisiert sind und nicht in Konkurrenz zueinander treten. Wie bei den steuerlichen Angelegenheiten gilt auch hier die dringende Empfehlung, sich eine professionelle juristische Betreuung und Begleitung zu sichern.
Hilfen nutzen
Alle Unternehmer sollten vor dem in der Regel tiefgreifenden Einschnitt einer Unternehmensübergabe oder -übernahme die zur Verfügung stehenden Hilfsangebote nutzen. Hilfe können sowohl Familie und Freunde geben als auch Verbände, Kammern, Banken und Sparkassen. Umfassende Informationen und Serviceangebote findet man etwa beim Existenzgründungsportal des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi).
Auch die "nexxt Initiative Unternehmensnachfolge" bietet tiefgehende Informationen und Serviceangebote. "nexxt“ ist eine gemeinsame Initiative des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie, der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) sowie weiteren Vertretern von Verbänden, Institutionen und Organisationen der Wirtschaft, des Kreditwesens und der freien Berufe. Wertvolle Dienste kann auch ein spezialisierter Berater mit einem entsprechenden Erfahrungsschatz leisten.