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Die Preisverleihung 2011

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Die Preisverleihung des "pulsus 2011" hat in Berlin stattgefunden. In festlichem Rahmen wurde der pulsus in sechs unterschiedlichen Kategorien verliehen.

Zum siebten Mal wurde jetzt der Gesundheitspreis "pulsus" verliehen. Und auf die Bühne gebeten wurden Menschen, die ansonsten eher nicht im Rampenlicht stehen. Die aber mit ihrem besonderen Einsatz, ihrer Nächstenliebe, ihrem Engagement ganz Großes erreicht haben. Prominenter Ehrengast des Abends war Dr. Frank-Walter Steinmeier, SPD-Fraktionsvorsitzender. Er hielt die Laudatio in der Kategorie Organspende.

 

Preisträger 2011 Alle pulsus-Preisträger 2011 - zusammen mit den Laudatoren. 

pulsus Sieger 2011: Christa RobbelKämpferin des Jahres 2011: Christa Robbel aus Berlin

Kämpfer des Jahres 2011

Zum "Kämpfer des Jahres" wurde Christa Robbel aus Berlin gewählt. Seit 21 Jahren pflegt die ehemalige Gastronomin nun schon ihren Ehemann Peter. Nach einem schweren Schlaganfall, den er mit 50 Jahren auf dem Weg zur Arbeit erlitt, hat er sich nie wieder erholt. "Eine Selbstverständlichkeit für mich, ihn zu pflegen", sagt Christa Robbel. Rund um die Uhr ist sie seither für ihren Mann da. Denn er benötigt nicht nur Hilfe beim Anziehen und Essen. Auch bei den alltäglichen Handgriffen wie Zähneputzen und Waschen ist Unterstützung notwendig. "Natürlich kostet das enorm viel Kraft und Zeit", gesteht die "Kämpferin des Jahres". "Deshalb ist der Preis für mich schön und traurig - beides zugleich!" Eine positive Lebenseinstellung zu behalten, auch wenn das eigene Leben in den Hintergrund gerückt ist - das ist die wirkliche Kunst. "Gelingen kann das nur, wenn man sich selbst nicht so wichtig nimmt", ist die Mutter zweier Töchter überzeugt. Den Abend der Preisverleihung genoss sie gemeinsam mit ihrem ehemaligen Arbeitskollegen Uwe Becker. Er hatte sie für den pulsus vorgeschlagen. "Denn sie hat eine Auszeichnung wirklich verdient. Und zwar für jahrzehntelangen Kampf!", so der waschechte Berliner.

 

pulsus Sieger 2011 Prof. Bernd DomresArzt des Jahres 2011: Prof. Bernd Domres aus Tübingen

Arzt des Jahres 2011

"Arzt des Jahres" ist Professor Bernd Domres (73) geworden. Ein Riesenglück, dass er in Berlin dabei sein konnte und nicht gerade wieder zu einem Auslandseinsatz in einem Katastrophengebiet - irgendwo in der Welt - gerufen wurde. "Ich bin in meinem ganzen Berufsleben nicht einen einzigen Tag krank gewesen. Ich hoffe, dass ich noch einige Jahre weiterhin im Einsatz sein kann." Dabei könnte der umtriebige Uniprofessor eigentlich schon längst seinen Ruhestand genießen. Stattdessen ist er aber überall dort zur Stelle, wo chirurgische Hilfe benötigt wird. In Katastrophengebieten wie Haiti, Chile oder zuletzt Pakistan. Als Mitgründer und Präsident des Deutschen Instituts für Katastrophenmedizin hat der erfahrene Unfallchirurg Vieles gesehen. Armut, Hunger, Krankheit, furchtbare Schicksale. 30 Jahre Auslandseinsätze - das ist natürlich auch für die eigene Familie nicht immer leicht. "Aber meine Frau und die Kinder standen immer hinter mir. Mein Sohn ist selbst Arzt geworden, arbeitet als Herzchirurg." Wie er die zahlreichen schlimmen Erlebnisse und Bilder verarbeitet, die er im Laufe der Jahrzehnte gesehen hat? "Stolz empfinde ich jedenfalls nicht. Das stärkste Gefühl, das ich empfinde, ist Dankbarkeit!"

pulsus Sieger 2011 Kategorie "Krankenschwester des Jahres"Krankenschwester 2011: Yvette Duwenbeck mit Pflegekind Sophie. 

Krankenschwester des Jahres 2011

"Krankenschwester des Jahres" 2011 darf sich ab sofort Yvette Duwenbeck nennen. Sie würde ihren Preis am liebsten teilen - und zwar mit den Menschen, die ihr am nächsten sind: Mit Ihrem Mann Dirk und ihrer "Tochter auf Zeit" Sophie. Das fröhliche Mädchen leidet an einem Lymphangiom im Gesicht. Dieses unübersehbare Geschwulst muss immer wieder operiert werden. Hänseleien und verstohlene Blicke von Mitschülern oder auch Fremden gehören für das Mädchen seit vielen Jahren zum Alltag. Ihre Lieblingspflegerin Yvette Duwenbeck hat Sophie bei einem ihrer zahlreichen Krankenhausaufenthalte kennengelernt. Zehn Jahre ist das jetzt her. Seitdem hat die engagierte Krankenschwester mehrfach ihre Arbeitsstelle gewechselt, um für Sophie da sein zu können. Heute lebt Sophie sogar bei den Duwenbecks. "Sophie wurde eine Lebenserwartung von gerade mal zwei Jahren vorhergesagt. Heute ist sie fast 14 - und entwickelt sich prächtig. Ein tolles Mädchen, und wir freuen uns, sie bei uns zu haben", so Yvette Duwenbeck glücklich.

 

Grundschule des Jahres 2011Grundschule des Jahres 2011: Astrid-Lindgren-Schule, Düsseldorf

Grundschule des Jahres 2011

"Schule des Jahres" 2011 ist die Astrid-Lindgren-Schule in Düsseldorf. Mit zehn Kindern, acht Müttern, einem Vater und zwei Lehrerinnen reiste eine große und fröhliche Delegation der Schule an. Die Grundschule arbeitet nach einem integrativen Konzept - das heißt, Kinder mit Behinderung werden zusammen mit gesunden Mitschülern unterrichtet. "An unserer Schule lernen die Kinder von Anfang an, Verantwortung zu übernehmen", so Schulleiterin Manuela Hasselmann. "Von 180 Kindern haben mehr als 25 eine Behinderung. Untereinander ist es da eine Selbstverständlichkeit, sich zu helfen und zu unterstützen. Berührungsängste werden abgebaut und die Kinder bekommen ein gutes Gefühl dafür, wann sie einspringen müssen." Im so genannten "buddy-Projekt übernehmen die Kinder vielfältige Aufgaben - etwa als Pausen-buddys, wenn sie Spielzeug an ihre Mitschüler ausgeben oder bei der Pflege der schuleigenen Tiere. Birgit Timmermann durfte als Mutter eines Astrid-Lindgren-Schülers mit auf die Bühne: "Leider ist unsere Zeit an der Schule bald vorbei. Denn mein Sohn Jan ist jetzt schon in der 4. Klasse. Der Abschied wird uns schwerfallen."

 

 

Kampagne 2011Kampagne des Jahres 2011: Die Angst- und Schmerzprophylaxe mit Schnobbl

Kampagne des Jahres 2011

Von der "Kampagne des Jahres" können Kinder profitieren, die ins Krankenhaus müssen. Die Idee hinter "Dolores" - so heißt die Schmerz- und Angstprophylaxe, die sich Krankenpfleger Raimond Ehrentraut (50) aus Bremen zusammen mit dem Psychologen Jürgen Vollmann ausgedacht hat: "Wenn ein Kind operiert werden muss und einige Tage im Krankenhaus bleiben muss, macht das ein mulmiges Gefühl. Unser Gegenmittel: Plüschtier Schnobbl, das auch gleich mit auf die Bühne gebracht wurde, als der pulsus überreicht wurde. Zusammen mit einem Hörspiel und einer Musik CD nimmt die kuschelige Fantasie-Figur die Angst." Insgesamt 1.000 der lustigen Plüschfiguren sind bereits im Einsatz, schaffen Vertrauen und sorgen für mehr Menschlichkeit im Klinik-Alltag. Wissenschaftliche Erhebungen über die Wirkung der Figur belegen, dass die von Schnobbl vorbereiteten Kinder ruhiger und gelassener sind.

 

pulsus Sieger 2011 Sonderkategorie "Organspende"Sonderpreis "Organspende" 2011: Sandy Sollan

Sonderpreis "Organspende" 2011

In der Sonderkategorie "Organspende" ging der pulsus an Sandy Sollan aus Neutrebbin (Brandenburg). Dr. Frank-Walter Steinmeier, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Deutschen Bundestag, hielt die Laudatio. Er hat im August vergangenen Jahres in der eignen Familie erlebt, welch lebensrettenden Stellenwert eine Organspende haben kann. Sandy Sollan verlor als junge Mutter eines ihrer Kinder - Sohn Peter stürzte beim Spielen mit seinem Bruder aus dem Kinderzimmerfenster. Indem die Ärzte den Hirntod feststellten, wollte Sandy Sollan "zumindest noch etwas für andere Kinder und deren Eltern" tun. "Peter konnte nicht mehr geholfen werden. Aber seine Organspende hat Kinder in drei Familien glücklich gemacht. Das ist ein ungeheurer Trost für mich", erzählt sie überwältigt. Über die Deutsche Stiftung Organtransplantation erfährt sie regelmäßig, wie es den Kindern heute geht. Ihren Beruf als Bürokauffrau hat die 37-jährige aufgegeben. Heute hilft sie als Trauerbegleiterin anderen, den Verlust geliebter Menschen zu verarbeiten. "Durch meine eigenen Erlebnisse weiß ich - Leben und Tod gehören nun mal zusammen."

Autor: Britta Surholt-Rauer, erstellt am 12.05.11

Quelle: TK, Fotos: Klaus Becker, Bild am Sonntag

 
 
 

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