Die Preisverleihung 2013
Zum neunten Mal wurde in Berlin der pulsus Award vergeben - der große Gesundheitspreis der TK und der Bild am Sonntag. Dr. Susanne Holst moderierte die Gala. Knapp 200 Gäste liefen über den roten Teppich und waren bei der Veranstaltung live dabei.
Mit dem pulsus werden vor allem die stillen Helden des Alltags gewürdigt. Das sind die Menschen, die sich bewundernswert selbstlos für andere oder eine gute Sache einsetzen. Im Rampenlicht standen am Abend der Preisverleihung außerdem die Kandidaten, die tapfer ihr eigenes Schicksal gemeistert haben.
Zum Arzt des Jahres 2013
Zum Arzt des Jahres 2013 wurde Prof. Dr. Jürgen Schäfer gekürtwurde Prof. Dr. Jürgen Schäfer (56) gewählt. Er ist akademischer Direktor der Universitätsklinik Marburg - und als Endokrinologe, Diabetologe, Intensivmediziner und Kardiologe tätig. Darüber hinaus hat er dort einen ganz besonderen "Titel": Er ist als deutscher "Dr. House" bekannt! Studenten, die begeistert von den Vorlesungen ihres Dr. House sind, haben Professor Schäfer für den pulsus Award vorgeschlagen. Dabei hat er mit dem Star der gleichnamigen US-Serie, in der es um nicht alltägliche Krankheitsfälle geht, nicht wirklich etwas gemein. Weder behandelt er seine Patienten respektlos, noch rennt er dauer-grimmig über die Flure. Seinen Spitznamen verdankt er seinem so ungewöhnlichen wie erfolgreichen Lehrkonzept. Seit fünf Jahren nutzt er die TV-Serie im Hörsaal. "So will ich meinen Studenten beibringen, wie man erfolgreich seltene und schwer zu lösende Erkrankungen diagnostiziert", sagt Schäfer.
Auch im Alltag kümmert sich er sich im Stil von Dr. House mit Vorliebe um Patienten, die andernorts keine Hilfe finden und "aufgegeben" worden sind. Schäfer: "Gerade erst konnte ich jemandem helfen, der jahrelang unentdeckt an einer Kobaltvergiftung durch eine defekte Hüftprothese litt." In einer eigenen Abteilung für unentdeckte Erkrankungen werden künftig in Marburg zehn junge Medizinkollegen gemeinsam mit Professor Schäfer schwierige Fälle lösen.
Kämpfer des Jahres 2013
Kämpfer des Jahres 2013, Rick Wolthusen wurde Rick Wolthusen (22) aus Dresden. Voller Tatendrang und Elan wirbelt der junge Medizinstudent für Spenden, für bessere medizinische Bedingungen in Ghana, für notleidende Menschen in Westafrika. Dabei hätte Rick genügend Gründe, sich erst mal um sich selbst zu kümmern: Seit seinem 14. Lebensjahr leidet er an schwerem Rheuma, das immer wieder für steife Finger oder Kniegelenke sorgt. Außerdem muss er als Medizinstudent für die Uni büffeln. Seitdem er jedoch zweimal für mehrere Wochen als Praktikant in einer Klinik in Ghana war, hat der junge Mann sein Herz an Afrika verloren: "Die Aufenthalte haben meinen Blick aufs Leben verändert. Ich habe gemerkt, wie gut es uns geht. Davon möchte ich etwas abgeben."
Seitdem sammelt er Geld für die Menschen in Afrika. Dank seiner Hilfe konnte bereits eine Solar- sowie Müllverbrennungsanlage errichtet werden. Außerdem sind - dank seiner Initiative - gerade 70 ausrangierte Krankenhaus-Betten nach Ghana verschifft worden. In Planung ist ein Austausch-Programm für junge Leute. "Von meiner Krankheit lasse ich mich nicht einschränken. Schließlich gibt es noch so viel zu tun!"
Eigentlich wollte Rick Opernsänger werden. "Musik war immer nur mein Hobby, mein Herz hängt an der Medizin. Mich fasziniert die Vielfältigkeit mit Patienten, in der Forschung oder auch der Industrie arbeiten zu können."
In der Sonderkategorie Organspende 2013
In der Kategorie Organspende siegte Michael Stapfgeht der pulsus Award an Michael Stapf, 27, aus dem bayerischen Kötz. Jeden Tag kämpft der junge Mann aufs Neue um sein Leben. Denn das hängt an der Dialyse. Dreimal die Woche muss er für vier Stunden angeschlossen werden - an Geräte, die sein Blut von Schadstoffen reinigen. Es gibt kein Verschieben, kein Absagen. Anders geht es nun mal nicht.
Um darauf aufmerksam zu machen, wie sich lebensbedrohlich langes Warten anfühlt, hat sich Michael acht Stunden mit einem Dialysegerät auf den Frankfurter Hauptbahnhof gesetzt. Denn: Wer denkt schon freiwillig über Organspenden nach? Noch dazu, wenn man gerade auf einen Zug wartet. In diesem Fall taten es die vielen Reisenden... Eine Aktion, die wirklich Aufsehen erregte und mit der Michael Stapf für den pulsus nominiert wurde.
"Wie Zehntausende Menschen in Deutschland brauche ich dringend ein neues Organ. Seit sieben Jahren warte ich auf den erlösenden Anruf." Seit der Geburt leidet er an Cystinose, einer Stoffwechselkrankheit, die alle Körperzellen schädigt. Als Jugendlicher bekam er die erste Spenderniere, vor acht Jahren stieß sie sein Körper ab. "Heute wird mein Leben von der Dialyse bestimmt. Aber ich gebe den Kampf und die Hoffnung nicht auf."
Schwester des Jahres 2013
Schwester des Jahres 2013: Martina Scharfdarf sich nun Martina Scharf (55) aus Contwig in Rheinland-Pfalz nennen. Für sie kam Pflegen im Minutentakt nach jahrelangen Erfahrungen im Dienst nicht mehr infrage. "Mehr Zeit für echte Zuwendung, mehr Muße für wirkliche Fürsorge - das war es, worauf es mir ankam!", schildert die stets einsatzbereite Pflegerin ihre Motivation, sich selbstständig zu machen. "Den Alltag in Altenheimen kannte ich zur Genüge. 25 Jahre lang habe ich miterlebt, wie es läuft - und mir wirklich gut überlegt, wie ich es besser machen könnte." Sie möchte so viel Zeit wie möglich mit ihren Patienten verbringen, mit ihnen reden, lachen, ihnen Trost spenden, für sie da sein.
Zehn Jahre ist es nun her, dass sie einen (eigenen) mobilen Pflegedienst gründete. Die beiden Töchter Lisa und Saskia haben ihre Mama für den pulsus vorgeschlagen. "Weil sie ihren Beruf liebt, immer für ihre Patienten da ist und immer ein offenes Ohr hat." Jeden Morgen um kurz nach fünf Uhr steht sie auf und ist bis abends unterwegs. Rund 200 Kilometer legt Martina Scharf jeden Tag zurück, auch am Wochenende: „Ich habe weniger Zeit als früher, der letzte Urlaub liegt zehn Jahre zurück. Aber mein Job füllt mich heute viel mehr aus“, erzählt sie. "Ich bin nicht mehr gehetzt, kann mit den Patienten private Worte wechseln. Wie schön, wenn ich anderen den Tag erleichtern und ein wenig erträglicher machen kann. Ein Danke oder auch ein Lächeln ist für mich der schönste Lohn!"
Die Innovation des Jahres 2013
Simone Linden nahm den pulsus für den Verein "Mehr Zeit für Kinder" entgegensind Bücher, die Kindern aus betroffenen Familien Krankheitsbilder wie Demenz, Depression oder Krebs erklären. Die Pulsus-Trophäe geht somit an den Frankfurter Verein "Mehr Zeit für Kinder", der die Idee zu den Büchern entwickelt und umgesetzt hat. "Ein tolles Projekt", so die Laudatorin Dr. Christine Theiss, "weil es Kindern Mut macht. Und sie - vielleicht sogar erstmals - davon erfahren, dass auch viele andere Familien mit Krebs oder depressiven Angehörigen zu tun haben. Keiner ist allein mit seinen Sorgen, Nöten und unbeantworteten Fragen." Geschäftsführerin Simone Linden und ihre Stellvertreterin Katrin Bunk sowie die Autorin Gabi Winter und Illustrator Tobias Borries nahmen die Auszeichnung entgegen. Mit Titeln wie "Warum fahren Papas Gefühle Achterbahn?" oder "Warum trägt Mama im Sommer eine Mütze?" werden auf knapp 40 Seiten Krankheiten kindgerecht und in gut verständlicher, einfacher Sprache erklärt.
Die zentrale Botschaft: Krankheit gehört zum Leben. Das ist nichts "Peinliches" - das kommt in den besten Familien vor. So erfahren Kinder, dass sie Optimismus und Lebensfreude bewahren können - auch wenn Mama oder Papa krank sind; Oder, ein anderes Beispiel: die Oma, der Opa merkwürdige Dinge tut, weil sie oder er an Alzheimer erkrankt sind. Außerdem - auch dies vermitteln die Bücher - kann es gelingen, gemeinsam gegen die Erkrankung anzukämpfen.
Initiative des Jahres 2013
Erhielten den pulsus für die beste Initiative: Heike Bermond und Sandra Wiegelerist das Projekt "Wohnen für Hilfe" aus Köln geworden. Die beiden Koordinatorinnen Heike Bermond und Sandra Wiegeler nahmen gemeinsam - und überglücklich - den pulsus entgegen. Die Idee ihres Programms, das sozusagen "Wohnpartnerschaften" vermittelt: Studierende, die möglichst günstig wohnen möchten, ziehen bei Menschen ein, für die sie kleine Unterstützungsleistungen erbringen. Das kann der Wocheneinkauf für die ältere Dame sein, die Gartenpflege für den alleinstehenden Herrn. Gemeinsame Spaziergänge oder Mahlzeiten, den Hund ausführen und regelmäßig Staubsaugen können aber ebenso gut als Gegenleistung für ein zur Verfügung gestelltes Zimmer erbracht werden. Die Faustregel für das Wohnprojekt lautet: "Pro Quadratmeter überlassenen Wohnraum leisten die Studierenden eine Stunde Hilfe im Monat." Schon 220 Wohnpartnerschaften dieser Art konnten in Köln vermittelt werden. Das Beste daran: "Immer profitieren beide Partner - die jungen Leute ebenso wie diejenigen, die sonst im Alter allein wohnen würden", lobte Vera Cordes als Laudatorin die Initiative. In vielen weiteren Großstädten hat die Idee ebenfalls für begeisterte Partnerschaften gesorgt.
Die pulsus-Jury bei der Gala in Berlin
Die Juroren traten auch als Laudatoren auf. Von links vordere Reihe: Dr. Christine Theiss (Ärztin und Profi-Kickboxerin), Walter Mayer (Chefredakteur der Bild am Sonntag), Dr. Jens Baas (Vorsitzender des Vorstands der TK), Dr. Susanne Holst (Ärztin und Moderatorin). Hintere Reihe: Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer (Experte für Mikrotherapie, Bestsellerautor), Prof. Dr. Björn Nashan (Transplantationschirurg am UKE Hamburg), Vera Cordes (NDR-Moderatorin/Journalistin), Dr. Franziska Rubin (Autorin/MDR-Moderatorin).