Damit bei Verletzungen nicht zu viel Blut aus den Gefäßen austritt und verloren geht, wird das Gerinnungssystem aktiviert: Die Blutung stoppt und der Heilungsprozess kann beginnen. Gleichzeitig darf die Gerinnungsneigung nicht zu hoch sein, da sonst auch ohne äußere Verletzung Blutgerinnsel (Thromben) entstehen und ein Blutgefäß verstopfen können.
Das Blutgerinnungssystem funktioniert durch ein sehr präzises und kompliziertes Zusammenspiel unterschiedlicher Zellen und Substanzen wie den Blutplättchen (Thrombozyten
), Botenstoffen und verschiedenen sogenannten Gerinnungsfaktoren.
Wie wird die Blutgerinnung untersucht?
Die einzelnen Untersuchungsverfahren prüfen unterschiedliche Abschnitte des Blutgerinnungssystems. Analysen der Blutgerinnung werden zum Beispiel vor Operationen, zum Ausschluss von Gerinnungsstörungen aber auch zur Überwachung einer gerinnungshemmenden beziehungsweise blutverdünnenden Therapie durchgeführt. Um die Gerinnung zu beurteilen, sind in der Regel unterschiedliche Untersuchungsmethoden notwendig.
Sollten sich hierbei Störungen der Blutgerinnung zeigen, sind weitere diagnostische Untersuchungen zur Abklärung der Ursache, zum Beispiel einer Blutarmut (Anämie), einer erblichen Blutgerinnungsstörung (zum Beispiel Hämophilie), einer Lebererkrankung, einer bösartigen Erkrankung (zum Beispiel Leukämie), einer Erkrankung der Blutgefäße oder der Blutplättchen erforderlich.
Die wichtigsten und gebräuchlichsten Untersuchungsmethoden werden im Folgenden dargestellt.
Blutungszeit nach Duke
Die Bestimmung der Blutungszeit kann Auskunft über die Funktion der gerinnungsaktivierenden Blutgefäßzellen und der Blutplättchen (Thrombozyten) geben. Zunächst wird mit einer Lanzette ein kleiner Einstich in die Fingerbeere oder das Ohrläppchen gemacht, dann alle 15 bis 30 Sekunden mit einem saugfähigen Filterpapier das ausgetretene Blut abgetupft. Der Untersucher misst die Zeit, die vergeht, bis die Blutung von allein zum Stillstand kommt.
Die normale Blutungszeit beträgt zwei bis vier Minuten.
Rumpel-Leede-Test
Dieser Blutgerinnungstest prüft die Funktion der Blutgefäße und der Blutplättchen im Rahmen der Blutgerinnung. Eine Blutdruckmanschette am Oberarm des Patienten erzeugt einen leichten Blutstau. Dieser wird für fünf Minuten belassen.
Wenn mehr als fünf stecknadelkopfgroße Blutungen (Petechien, kapilläre Hautblutungen) pro Quadratzentimeter auftreten, ist dies ein Hinweis auf eine Fehlfunktion der Blutgefäße oder der Blutplättchen. Dieser Test ist beispielsweise bei Scharlach oder Vitamin C-Mangel positiv.
Thrombozytenzahl
Eine ausreichende Menge an Blutplättchen (Thrombozyten) ist die Voraussetzung für eine normale Blutgerinnung. Die Anzahl der Thrombozyten wird bei der Erstellung des Blutbildes mitbestimmt. Dazu wird das Blut im Allgemeinen aus einer Vene in der Ellenbeuge entnommen.
Der Normalwert beträgt für Erwachsene 140.000 bis 440.000 Thrombozyten pro Mikroliter Blut.
Thromboplastinzeit (Prothrombinzeit, Quick-Wert, INR-Wert)
Mit diesem Test kann indirekt die Funktion bestimmter Gerinnungsfaktoren wie den Faktoren I, II, V, VII und X bestimmt werden. Die Produktion dieser Substanzen erfolgt vor allem in der Leber. Voraussetzung hierfür ist ein ausreichendes Angebot an Vitamin K. Vitamin K wird zum einen im Dünndarm durch die dort vorhandenen Bakterien gebildet und zum anderen über die Nahrung zugeführt. Zu den Vitamin K-reichen Nahrungsmitteln zählen unter anderem Kohl, Spinat, Sauerkraut, Broccoli, Zwiebeln und Petersilie.
Der Quick-Wert war lange Zeit fester Bestandteil von Blutgerinnungsuntersuchungen. Um Messunterschiede bei verschiedenen Bestimmungsverfahren der unterschiedlichen Labore zu berücksichtigen, setzt sich heutzutage mehr und mehr der sogenannte INR-Wert (International Normalized Ratio) durch. Der INR-Wert wird durch eine Umrechnungsformel aus dem Quick-Wert ermittelt.
Die Werte dienen in der Praxis außerdem zur regelmäßigen Überwachung der Therapie mit gerinnungshemmenden Substanzen (zum Beispiel Phenprocoumon). Zur Bestimmung der Thromboplastinzeit wird Blut aus einer Vene entnommen und von einem Labor untersucht. Es besteht auch die Möglichkeit, dass der Patient die INR-Zeit mit einem Selbsttest eigenständig kontrolliert. Nach einer ausführlichen Schulung ist er so unabhängiger und bei einer optimalen Einstellung der Blutgerinnung treten weniger Komplikationen auf.
Der Quick-Wert beträgt normalerweise zwischen 70 und 120 Prozent. Während einer gerinnungshemmenden Behandlung wird je nach zugrunde liegender Ursache beispielsweise ein therapeutischer Quickwert von 20 bis 30 Prozent beziehungsweise ein INR von 2,0 bis 3,0 angestrebt. Gründe für eine gerinnungshemmende Therapie sind zum Beispiel ein künstlicher Herzklappenersatz, die Prophylaxe eines Schlaganfalls oder Herzinfarktes bei Vorhofflimmern sowie die Prophylaxe einer Beinvenenthrombose und Lungenembolie.
Partielle Thromboplastinzeit (PTT)
Dieser Gerinnungstest erfasst weitere Gerinnungsfaktoren wie die Faktoren I, II, V, VIII, IX, X, XI, XII, XIV, XV. Neben dem INR(International Normalized Ratio), (beziehungsweise Quick)-Wert ist die PTT ein weiterer wichtiger Wert bei der Routineuntersuchung der Blutgerinnung.
Sie ist wesentlich zur Diagnose und Kontrolle angeborener Gerinnungsstörungen wie der Bluterkrankheit (Hämophilie). Darüber hinaus dient der Test der Überwachung einer blutverdünnenden Therapie zum Beispiel mit Heparin im Krankenhaus. Die Bestimmung der PTT erfolgt durch eine Blutentnahme und anschließender Untersuchung in einem Labor.
Der Normalwert der PTT beträgt 28 bis 40 Sekunden.
Autor: Dr. med. Holger Karrenberg; Dr. med. Martina Waitz, erstellt am 20.01.05; zuletzt aktualisiert von Dr. med. Anne-Kristin Schulze am 05.09.11
Quelle: Hahn, J.M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, 3. Auflage, 2000; Neumeister, B.: Klinikleitfaden Labordiagnostik. Urban & Fischer Verlag, 2000; Thomas, L.: Labor und Diagnose. GBTH-Books Verlagsgesellschaft; Halwachs-Baumann, G.: Labormedizin Klinik - Praxis - Fallbeispiele. 1. Auflage Wien: Springer, 2006