Helicobacter pylori (HP) ist ein Bakterium, das im Magenschleim und auf den Schleimhautzellen des Magens lebt. Es wird mit der Entstehung von Erkrankungen des Magens oder des Darmes wie Magenschleimhautentzündung (Gastritis) und Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür (Ulcus ventriculi oder Ulcus duodeni) in Verbindung gebracht.
Bei einigen Menschen löst der Erreger nicht nur eine Reizung und Schädigung der Magenschleimhaut aus, sondern auch schwerwiegende Erkrankungen wie zum Beispiel Magenkrebs und MALT-Lymphome.
Diese Gefahr ist allerdings gering.
Wie wird Helicobacter pylori nachgewiesen?
Zur Diagnose einer Helicobacter pylori-Infektion und zur Therapiekontrolle stehen verschiedene, invasive und nichtinvasive Methoden zur Verfügung.
Invasive Diagnostik
Der Nachweis des Bakteriums erfolgt unter Verwendung von zuvor bei einer Magenspiegelung (Gastroskopie) entnommenen Gewebeproben, einer sogenannten Biopsie.
Der Urease-Schnelltest
Beim Urease-Schnelltest wird die Gewebeprobe mit einer harnstoffhaltigen Indikatorflüssigkeit zusammengebracht. Helicobacter pylori produziert ein Enzym, das ihm erlaubt, Harnstoff zu spalten: die sogenannte Urease. Ist dieses Enzym in der Gewebeprobe enthalten, verfärbt sich die Indikatorflüssigkeit.
PCR
Die Polymerase-Kettenreaktion, abgekürzt PCR, ist eine molekularbiologische Untersuchungsmethode zum direkten Nachweis des Erbgutes des Erregers aus Biopsiematerial. Dieser Test kann Bakterien zuverlässig nachweisen, ist aber bislang kaum verfügbar.
Kultureller Keimnachweis
Nach einer Magenspiegelung kann der untersuchende Arzt das dabei gewonnene Material in bestimmten Nährmedien ansetzten. Der Keimnachweis erfolgt dann anhand des möglicherweise einsetzenden Erregerwachstums. Sind in der Kultur tatsächlich Helicobacter nachweisbar, so ist gleichzeitig deren Ansprechen auf Antibiotika bestimmbar.
Nicht-invasive Diagnostik
Der C13 / C14 Atemtest
Bei diesen Untersuchungen nimmt der Patient eine Testlösung mit Harnstoff zu sich, der mit den schwach radioaktiven Kohlenstoffatomen C13 oder C14 markiert ist. Helicobacter pylori ist in der Lage Harnstoff zu spalten. Dadurch wird das an den Harnstoff gebundene C13 / C14 in Form von Kohlendioxid frei und über die Lunge abgeatmet. Bei einer Infektion lässt sich eine erhöhte Konzentration C13 / C14 in der Ausatemluft messen.
HP-Antikörpernachweis
Der serologische HP-Antikörpernachweis, also die Bestimmung von im Blut vorhandenen Antikörpern gegen den Keim, zeigt lediglich, dass sich der Organismus mit dem Keim schon einmal auseinandergesetzt hat. Denn ein positiver Antikörpertest ist noch mindestens ein Jahr nach erfolgreicher Therapie nichts Ungewöhnliches. Als Testverfahren ist er deshalb nur begrenzt geeignet und bedarf der Ergänzung durch andere Verfahren.
HP-Stuhltest
Für den Test wird eine erbsengroße Stuhlprobe benötigt, aus der sich im Labor bestimmte Antigene (Oberflächeneigenschaften) des Bakteriums nachweisen lassen.
Muss man die Helicobacter-Infektion immer behandeln?
Die Mehrzahl aller Helicobacter-Infektionen bleibt vermutlich ohne jegliche Folgen für den Betroffenen. Aus diesem Grund wird die Notwendigkeit der Behandlung eines positiven Helicobacter-Befundes, ohne dass der Patient unter einer Entzündung oder einem Magen- beziehungsweise Zwölffingerdarmgeschwür leidet, sehr unterschiedlich bewertet.
Patienten mit Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren, bei denen eine Infektion mit Helicobacter-pylori vorliegt, sollten allerdings behandelt werden. Ähnliches gilt für Patienten mit einer chronischen Magenschleimhautentzündung und Risikofaktoren für die Entwicklung eines Magenkarzinoms oder bei geplanter Therapie mit Medikamenten wie Diclofenac, Ibuprofen oder Ketoprofen.
Autor: Dr. med. Martina Waitz; Ulrich Kraft, erstellt am 24.04.05; zuletzt aktualisiert von Maren Bradtmöller am 08.09.11
Quelle: Hahn/Riemann: Klinische Gastroenterologie (3. Auflage 2000); Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag (2004 und 2007); Berufsverband Deutscher Internisten e.V. (2008): Helicobacter-Infektionen. www.internisten-im-netz.de/de_-rztliche-untersuchungen_1058.html (Stand 05.02.2008); Schaps, K.-P.; Kessler, O.; Fetzner, U.; Barnaure, I.;Barreiro-Coton, S.; Issels, R.-D.: Innere Medizin. 1. Aufl. Heidelberg: Springer, 2007; Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie, Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung, Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie: Helicobacter pylori und gastroduodenale Ulkuskrankheit (Stand: 12/2008)