Männer leiden im Verborgenen, gehen bei Depressionen nur selten zum Arzt. Bei ihnen versteckt sich die psychische Erkrankung außerdem hinter anderen Symptomen und wird häufig gar nicht erkannt. Die Aufklärung in dieser Hinsicht hinkt erheblich - beim starken Geschlecht selbst und in den Arztpraxen.
Glaubt man Statistiken, sind Depressionen hauptsächlich "Frauensache". Kein Wunder: Das weibliche Geschlecht spricht offener über seine Probleme, zeigt Gefühle und holt sich Hilfe. Deshalb sind wir in Sachen Melancholie und Schwermut zahlenmäßig gut erfasst, zwei- bis dreimal häufiger als Männer sollen wir davon heimgesucht werden. Doch die Selbstmordrate macht stutzig, ist sie doch bei Männern dreimal höher als bei Frauen. Und wer Suizid begeht, so die Fachleute, ist in der Regel depressiv.
Depressionen - viele Ursachen
Inzwischen ist die Depression eine der größten Volkskrankheiten. Sie kann jeden treffen und hat selten eine einzige Ursache. Viele verschiedene Faktoren wirken zusammen und nehmen Körper und Seele in die Zange. Die genauen Zusammenhänge sind immer noch nicht restlos geklärt. Unter anderem gehen Wissenschaftler von einer genetischen Veranlagung aus.
Medizinische Erklärungsversuche
Zudem ist bei depressiven Menschen ein veränderter Hirnstoffwechsel festgestellt worden. Die Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin, die für die Übertragung von Impulsen zwischen den Nervenzellen verantwortlich sind, sind nicht in der richtigen Menge vorhanden oder aus der Balance geraten. Das hat Auswirkungen: Wahrnehmung, Fühlen, Denken stimmen dadurch nicht mehr - die Kommunikation, der Informationsaustausch zwischen den Nervenzellen, sei dadurch gestört.
Andere Erklärungsansätze machen fehlgeregelte Stresshormone für Depressionen verantwortlich. Auch schwere oder chronische körperliche Erkrankungen können sie begünstigen, zum Beispiel dauernde Schmerzen, Schilddrüsenerkrankungen oder auch Parkinson. Und in der Kindheit kann der Grundstein dafür gelegt werden - durch Gewalt in der Familie, schlagende Eltern, Liebesentzug, ständige Erniedrigung, kaum soziale Kontakte etwa.
Autor: Dr. Susanne Holst, erstellt am 08.11.11

