Kaffeegenuss - alle Aufregung umsonst?

Kaffee hatte nicht immer einen makellosen Ruf. Es gab Zeiten, da hat man ihm gern mal diesen und jenen schlechten Einfluss auf unsere Gesundheit nachgesagt. In den letzten Jahren aber wurde er von einem großen Imagewandel kräftig durchgerührt und nahezu rehabilitiert.

Seiner Anhängerschaft fielen allerhand Kaffeesäcke vom Herzen und Wolken der Erleichterung wabern seither durch Wohnzimmer, Büroetagen und Coffeeshops.

 

Ein Getränk für besondere Gelegenheiten

Den einen weckt er frühmorgens die Lebensgeister, andere genießen ihn beim gemütlichen Kaffeeklatsch oder bemühen ihn als verlässlichen Muntermacher an einem langen Arbeitstag. Natürlich gibt es auch diejenigen, die ihn zu allen Anlässen einladen.

 

Ob modisch "to go" im Pappbecher, klein mit goldbrauner Crema oder groß mit schaumiger Milchhaube, Kaffee gehört zu den beliebtesten Heißgetränken. Gut 150 Liter trinkt der Deutsche im Schnitt pro Jahr, das entspricht 6,4 Kilo. Damit liegen wir weit hinter den Weltmeistern im Kaffeetrinken, den Finnen, die pro Kopf durchschnittlich 12 Kilo des schwarzen Goldes jährlich durch die Kehlen rinnen lassen.

 

Gestatten: Arabica und Robusta

Die Welt dreht sich hauptsächlich um diese beiden klangvollen Kaffeesorten. Die edlere Arabica liebt die Höhe, gedeiht besonders gut über 800 Meter - das brachte ihr den Namen Hochlandkaffee ein. Ihre Bohne ist groß und oval, die Einkerbung in sanfter S-Form geschwungen. Die Robusta dagegen mag es eher flach und bevorzugt Lagen unterhalb von 800 Metern. Die kleinere, rundliche Bohne mag keine Umschweife, ihr genügt ein fast gerader Bohnen-Schlitz.

 

Doch nicht nur ihr äußeres Profil, auch die Koffeinwerte der beiden Sorten unterscheiden sich erheblich: Während die Arabica über maximal 1,7 Prozent nicht hinauskommt, wartet die robuste Powerbohne mit bis zu 4,5 Prozent auf - das bringt ihr die Poleposition als Wachmacher.

 

Säure - nichts für jeden Magen

Auch bezüglich der so genannten Chlorogensäure hat die kleine Robusta mit 8 Prozent gegenüber einem 3 Prozent-Gehalt der Konkurrentin die Nase vorn. Das macht sie aber leider unattraktiver für Magenempfindliche. Zum Glück kann die Säure, die gern mal unsere Magenschleimhaut reizt, durch schonende Röstverfahren deutlich reduziert werden.

 

Wer in dieser Hinsicht sensibel ist, sollte maßvoll Kaffee trinken, vielleicht lieber Arabica wählen und auf jeden Fall eher stark gerösteten Kaffee bevorzugen. Testen Sie aus, was Ihnen am besten bekommt.

 

Allgemein wird die Hochlandbohne geschmacklich höher eingeschätzt als die Robusta, weil sie meist weicher und weniger bitter ist. Dennoch betonen Kaffeeexperten: Nicht alle Arabicas sind deshalb automatisch gut und es gibt auch exzellente Robustabohnen. Und schließlich hängt die Qualität ja auch noch von der Röstung ab, denn erst dabei entsteht ein aromatisches Produkt mit bis zu Tausend Geschmacks- und Geruchsstoffen. Probieren geht über studieren.

 

Muntermacher und Einschlafhilfe

Vereinfacht gesagt, wirkt Koffein so: In unserem Gehirn gibt es Rezeptoren, an die das Koffein andocken kann. Eigentlich sind diese Andockstellen für den Stoff Adenosin gedacht, der unter anderem dafür sorgt, dass wir ruhiger, entspannter und schläfrig werden. Koffein drängelt sich vor und besetzt diese Rezeptoren, so dass das Adenosin nicht ankoppeln kann. Die Folge: Nix mit Beruhigung und Müdigkeit. Hellwach und auf Trab bleiben ist angesagt.

 

Allerdings: Nachdem man Kaffee getrunken hat, dauert es noch etwa 30 Minuten, bis das Koffein in Höchstform ist. Dieses Zeitfenster kann man nutzen, um ein mittägliches Nickerchen einzuläuten. Senioren kennen diese Schlummerhilfe. Klingt kurios, ist aber so. Bei älteren Menschen ist das Gehirn oft schlechter durchblutet, was den Schlaf stört. Das Koffein im Kaffee verbessert die Durchblutung im Oberstübchen und das wiederum entspannt und hilft beim Nickerchen.

 

Kaffee: Von einigen Vorwürfen freigesprochen!

Die "Mensch-Kaffee-Beziehung" durchlebte nicht immer rosige Zeiten. Sie wurde von vielen Krisen geschüttelt. Der allseits beliebte Bohnentrank habe einen negativen Einfluss auf unsere Gesundheit. Ein gemeiner "Flüssigkeitsräuber" sei er, zudem schädlich für Herz und Blutdruck. Sogar mit Krebs brachte man ihn in Verbindung, weil beim Rösten gefährliche Stoffe entstünden. Vorwürfe, die eine riesige Kaffeegemeinde verunsicherten und verängstigten.   

 

Dieses miese Image rief weltweit immer mehr Wissenschaftler auf den Plan, sich den Kaffee und seine Wirkung genauer anzusehen. Heute, viele Beobachtungsstudien später, glaubt man mehr darüber zu wissen.

 

Entzieht Kaffee dem Körper Flüssigkeit?

Richtig ist, dass Koffein kurzfristig harntreibend wirkt. Laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung ist dies jedoch nur vorübergehend und der Flüssigkeitsverlust werde im Laufe eines Tages wieder ausgeglichen. Bei regelmäßigen Kaffeetrinkern sei der harntreibende Effekt ohnehin nicht stark ausgeprägt, der Körper scheint sich an das Getränk zu gewöhnen.

 

Gegen einen täglichen Genuss von bis zu vier Tassen Kaffee sei nichts einzuwenden und man könne ihn in die Flüssigkeitsbilanz einbeziehen wie jedes andere Getränk auch. Als Durstlöscher taugt er allerdings nicht. Ein Glas Wasser zum Espresso, wie es die Italiener praktizieren, ist gut, aber nicht zwingend notwendig.

 

Kaffeetrinken erhöht nicht das Risiko für chronische Erkrankungen

So das Ergebnis der EPIC-Deutschland-Studie des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke. 42.600 gesunde Erwachsene hatten Angaben zu ihrer Ernährung und ihrem Lebensstil gemacht. Die Beobachtungsstudie, die über neun Jahre lief, weise darauf hin, dass Kaffeegenuss allein nicht vermehrt zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs führt.

 

Man habe die Daten verglichen und beobachte, dass er sogar das Risiko für Typ-2-Diabetes mindere. Personen, die täglich mehr als vier Tassen koffeinhaltigen Kaffee konsumierten, hatten im Vergleich zu denjenigen, die durchschnittlich weniger als eine Tasse tranken, ein um 23 Prozent geringeres Typ-2-Diabetes-Risiko - ohne Koffein sähe das ähnlich aus.

 

Worauf genau dieser Effekt zurückzuführen ist, darüber rätseln die Wissenschaftler noch. Am Koffein allein könne es nicht liegen, vielleicht spielt auch die Chlorogensäure, die sich positiv auf den Insulin- und Zuckerstoffwechsel auswirken soll, eine Rolle. Oder es ist einfach so, dass Kaffeeliebhaber seltener gesüßte Softdrinks und andere kalorienreiche Getränke konsumieren. Dadurch wird langfristig Übergewicht vermieden, das ja einer der großen Risikofaktoren für Diabetes Typ 2 ist.

 

Beobachtungsstudien werden häufig überinterpretiert

Dieser Fall zeigt deutlich, wie vage und spekulativ Beobachtungsstudien sind. Nur weil in der EPIC-Studie Kaffeetrinker seltener Diabetes hatten, heißt das noch lange nicht, dass das Heißgetränk vor dieser Erkrankung schützt! Diese Herleitung funktioniert so nicht. Dafür muss noch mehr geforscht und die Zusammenhänge noch besser verstanden werden. Verlassen Sie sich derweil lieber darauf, Übergewicht zu vermeiden und sich viel zu bewegen. Und bedenken Sie: Wer sehr viel Kaffee mit viel Zucker trinkt und auch sonst bei dem Süßmacher kräftig zulangt, legt sich auch überflüssige Kilos zu und erhöht damit langfristig die Gefahr für Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

 

Erhöht Kaffee den Blutdruck?

Laut Deutschem Institut für Ernährungsforschung haben Studien gezeigt, dass Kaffeetrinken kurzfristig den Blutdruck ansteigen lässt. Besonders bei Personen, die selten zu dem braunen Sud greifen und bei Menschen mit Bluthochdruck, scheint dieser Effekt stärker ausgeprägt zu sein. Bei Gesunden hänge ein regelmäßiger Kaffeekonsum aber nicht mit einem höheren Risiko für Bluthochdruck zusammen. Und wer bereits darunter leide, solle maßvoll damit umgehen - ein bis zwei Tassen täglich seien vertretbar. Wenn Sie besonders sensibel auf Koffein reagieren, sprechen Sie vorsichtshalber am besten mit Ihrem Arzt darüber, auch bei Herzproblemen.

 

Sollten Schwangere auf Kaffee verzichten?

Es ist umstritten, ob Kaffee dem Ungeborenen schadet und das Risiko für Früh- und Fehlgeburten erhöht. Zudem steht im Raum, dass Koffein das Geburtsgewicht des Kindes senken kann. Deshalb sollten werdende Mütter lieber damit geizen. Man weiß heute, dass Koffein den Mutterkuchen passiert und somit auch in den Blutkreislauf des Ungeborenen eindringt. Wenn Sie gar nicht verzichten können, sind ein bis zwei Tassen täglich laut Expertenempfehlung wohl unbedenklich.

 

Ich finde, weil man Verantwortung für ein neues Leben trägt, kann man auch mal ganz darauf verzichten oder man freundet sich bis nach dem Stillen mit entkoffeiniertem Kaffee an. Und bedenken Sie bitte, dass auch Schokolade, Cola, Tee oder Energydrinks den Muntermacher Koffein enthalten. Diese Mengen müssen Sie in die Bilanz einbeziehen.

 

Unterm Strich ist es mit dem Kaffeetrinken wie mit vielen Dingen: Es kommt auf den "Genuss" an, der besonders mit Eigenschaften wie "maßvoll" und speziellen Momenten einhergeht, in denen man sich etwas gönnt.