Mobbing ist hässlich, teuer und macht krank! Am Anfang steht häufig nur ein Konflikt, ein kleiner Sturm im Wasserglas. Doch gibt man diesem Raum, Zeit und Futter, kann er sich zum bedrohlichen Hurrikan auswachsen - mit verheerenden Folgen. Rechtzeitig reden und klären nimmt dem Sturm die Puste und beugt Mobbing vor.
Mobbing hat System
Wo Menschen über viele Stunden zusammenarbeiten, gibt es Reibungspunkte und Auseinandersetzungen. Das ist normal. Kritisch aber wird es, wenn ein Mitarbeiter systematisch, über einen längeren Zeitraum schikaniert wird - mit dem Effekt, diese Person rauszukicken. Zur Zielscheibe kann jeder werden. Typische Charaktereigenschaften, die einen Menschen zum bevorzugten Mobbing-Opfer machen, gibt es laut Experten nicht. Der zielgerichtete Terror kann zwischen Kolleginnen und Kollegen stattfinden, von Vorgesetzten ausgehen oder von Mitarbeitern, die ihre Vorgesetzten mobben. In etwa der Hälfte aller Fälle - so der Mobbingbericht der Bundesregierung - sind Vorgesetzte an diesen Prozessen beteiligt. Die dauerhafte Schikane wird manchmal sogar gezielt von der Unternehmensführung eingesetzt, um bestimmte Mitarbeiter loszuwerden. Dann wird sie strategisch so durchgeführt, dass das weichgeklopfte Opfer von selbst geht und man möglichst um die Zahlung von Abfindungen herum kommt.
Die Täter sind kreativ, lassen sich einiges an fiesen Methoden einfallen - greifen aus mehreren Richtungen und auf allen Ebenen an. Es wird umfassend kritisiert, gedroht und beschimpft. Der Betroffene wird ausgegrenzt und wie Luft behandelt. Hinter seinem Rücken wird schlecht über ihn geredet, Gerüchte verbreitet, lächerlich gemacht. Dann werden ihm entweder keine mehr, "minderwertige" oder solche Aufgaben übertragen, die seine Qualifikation völlig übersteigen - Scheitern und Blamage programmiert. Und die Gesundheit wird attackiert. Man wird gezwungen gesundheitsschädigende Arbeiten zu verrichten, körperliche Gewalt wird angedroht, auch angewandt bis hin zu sexuellen Übergriffen. Alles ist möglich, auch das, was Sie sich nicht vorstellen können. Es tun sich geradezu menschliche Abgründe auf!
Autor: Dr. Susanne Holst, erstellt am 12.12.11

