Mit Yoga zu mehr Wohlgefühl

Yoga hat sein esoterisches Image längst hinter sich gelassen. Von seinen positiven Effekten auf Körper, Geist und Seele schwärmen inzwischen viele Millionen Anhänger weltweit. Doch wer von den Übungen profitieren will, muss genau wissen, was er tut.

 

Yoga - der Weg zur Harmonie

Die jahrtausendealte indische Lehre vom Leben ist eine bewährte Übungsmethode, um körperliche und seelische Verspannungen zu lösen, zu Ruhe, Gelassenheit und Ausgeglichenheit zu finden. So ähnlich brachte es auch mein kleiner Sohn auf den Punkt, als er mich bei meiner ersten Yoga-Sitzung erwischte: "Mama, übst Du wieder Ruhe und Gelassenheit?" Meine andächtige Haltung hat ihn wohl so sehr beeindruckt, dass er dann lieber flugs den Rückzug antrat.

 

Mit Übungen, Atmung und Entspannung zur inneren Harmonie

Nach der Yoga-Lehre basiert Krankheit immer auf einer Störung von Körper, Geist und Seele zugleich. Um gesund zu werden, gilt es, die Energien wieder in Harmonie zu bringen - mit konzentrierten Körperübungen (Asanas), bewussten Atemübungen (Pranayamas), Meditation und Tiefenentspannung. Das sind die Säulen des so genannten Hatha-Yoga, das in Europa am häufigsten praktiziert wird.

 

Eine Fülle verschiedener Stile

Weil Yoga mit den Jahren immer beliebter wurde, stieg auch die Zahl der unterschiedlichen Stile rasant an. Da fällt es schwer, den Überblick zu behalten. Grundsätzlich gibt es Ausrichtungen, die körperlich sehr anspruchsvoll sind und solche, die weniger Kraft und Beweglichkeit voraussetzen.

 

Hatha und Iyengar-Methode

Neben Hatha ist auch die daraus weiterentwickelte Iyengar-Methode sehr beliebt, weil sie mit Hilfsmitteln wie Gurten, Klötzen, Polstern und Rückenbänken arbeitet. Das macht die Übungen leichter und ist besonders für Schüler mit körperlichen Beschwerden geeignet.

 

Kundalini-Yoga

Das Kundalini-Yoga ist dagegen dynamischer, es soll die am unteren Ende der Wirbelsäule ruhende Schlangenkraft ("Kundalini") wecken. Typisch dafür sind auch spezielle Halteübungen und vielförmige Mantras (Meditationswörter).

 

Yoga mit modernem Anstrich

Populäres Power-Yoga kombiniert traditionelles Yoga mit modernen Fitnessübungen. Es kommt aus den USA, wird häufig in Fitness-Studios angeboten und legt viel Wert auf Ausdauer, Dynamik und Fitness. Die Anhänger des Bikram-Yoga, auch Hot-Yoga genannt, üben in 35 bis 40 Grad heißen Räumen und bei hoher Luftfeuchtigkeit. Das soll die Muskel- und Sehnenarbeit sicherer machen. Außerdem werde der Körper durch das Schwitzen "entgiftet". Sportmediziner kritisieren diesen Yoga-Stil, auch weil Hitze nichts für Menschen mit Herz- oder Kreislaufproblemen ist! Experten warnen: Dies sei nicht nur eine Strapaze, es könne für jeden gefährlich werden, weil der Schweiß in einem derart heißen Raum nicht verdunstet und somit die Haut nicht kühlen kann.

 

Yoga für die Hormone

Und auch das ist im Angebot: Hormon-Yoga, das bei Wechseljahrsbeschwerden helfen und auf natürliche Weise die Hormonproduktion stimulieren soll. Durch spezielle Yogaübungen will man Hitzewallungen, Depressionen und Gereiztheit mildern. Neben der Nasenatmung spielt hier die tiefe Bauchatmung eine große Rolle, die die Beckenorgane besser durchblutet, folglich auch mit mehr Sauerstoff versorgt. Dadurch sollen auch prämenstruelle Beschwerden abnehmen.

 

Die Yoga-Welt ist bunt und vielfältig. Unterm Strich sind mir persönlich Hatha, Iyengar und Vini-Yoga am sympatischsten. Letzteres setzt auf abgewandelte Übungen je nach Alter, Fitness und Gesundheitszustand der Teilnehmer.

 

Mit Yoga gegen Schmerzen, Verspannungen, Stress

Wichtig für den wohltuenden Charakter von Yoga ist natürlich, dass man es richtig praktiziert. Dann können die Übungen effektiv dazu beitragen, die Körperhaltung zu verbessern und insgesamt beweglicher zu machen. Ungleichgewichte werden wieder ins Lot gebracht, schwache Muskeln gestärkt und verkürzte gedehnt. Ebenso profitiert die Atmung von Yoga. Die Atemzüge werden tiefer, so dass mehr Sauerstoff über die Lungen in den Körper gelangt. Auch wer unter Rücken- oder Nackenschmerzen leidet oder unter Gelenkproblemen, könnte es mit Yoga mal probieren.

 

Herz und Kreislauf mögen Yoga

Ärzte für Naturheilkunde empfehlen: Vor allem bei psychosomatischen oder chronischen Krankheiten kann die indische Methode Heilungsprozesse entscheidend mit vorantreiben. Auch das Herz-Kreislauf-System profitiert: ein erhöhter Blutdruck sinkt, der Herzschlag wird langsamer und regelmäßiger - so kann man das Risiko für einen Herzinfarkt mindern.

 

Ein gutes Mittel gegen Stress

Durch Yoga lässt sich die Menge des Stresshormons Cortisol im Blut erheblich senken. Das haben amerikanische Forscher herausgefunden. Alle Krankheiten, bei denen Stress eine Rolle spielt, können deshalb positiv beeinflusst werden und solche, bei denen Entzündungsstoffe vorkommen, etwa Diabetes, Rheuma und Migräne. Tests belegen, dass Yoga-Übungen die Konzentration dieser Stoffe im Blut reduzieren. Das gilt auch für den Herzinfarkt, bei dem - neben verengten Gefäßen - auch Entzündungsprozesse mit verantwortlich gemacht werden. Erkenntnisse, durch die Yoga zunehmend auch Anerkennung in der Medizin erfährt.

 

Falscher Ehrgeiz und schlechte Anleitung schaden

Obwohl fernöstliche Heilmethoden als harmlos und sanft gelten, kann Yoga auch Schaden anrichten - immer dann, wenn es falsch und "mit Gewalt"“ ausgeübt wird. Gefährdet sind dann vor allem die Wirbelsäule, Schulter-, Knie- und Hüftgelenke.

 

Nicht alle Übungen sind für jeden geeignet

Übungen, bei denen man sich stark zurückbeugt wie bei der "Kobra" und dem "aufschauenden Hund", belasten den unteren Rücken. Wer den "Schulterstand" ungeschickt probt, riskiert Nackenschmerzen. Und der typische "Lotussitz" mit gekreuzten Beinen kann zur Qual für die Knie werden, wenn man sie zu heftig gegen den Boden drückt.

 

Schmerzen nicht ignorieren - auf den Körper hören

Viele ahnen nicht, dass auftretende Schmerzen vom Yoga stammen können, weil diese häufig zeitverzögert auftreten. Gezerrte Muskeln, gereizte Gelenke, entzündete Nerven und überdehnte Bänder und Sehnen sind mögliche Yoga-Verletzungen.


Wer sich als Neueinsteiger nach den Abbildungen in Büchern verrenkt, begeht schnell Fehler. Also bitte nicht in Selbstregie von null auf 100 starten, sondern lieber einen kompetent angeleiteten Kurs besuchen.

 

Gut ausgebildete Lehrer zahlen sich aus

Der Beruf "Yoga-Lehrer" ist leider gesetzlich nicht geschützt. Das bedeutet, dass sich jeder so nennen und Kurse anbieten kann. Der "Berufsverband der Yogalehrenden in Deutschland (BDY)" hat deshalb bestimmte Mindestanforderungen festgelegt. So muss ein "echter" Lehrer eine vierjährige Ausbildung hinter sich bringen, in der er sich unter anderem auch medizinisches und psychologisches Wissen aneignet. Eine Grundvoraussetzung dafür, um einschätzen zu können, welche Übungseinheiten ein Schüler überhaupt leisten kann.

 

Fragen Sie nach

Gut ausgebildete Lehrer fragen nach Vorerkrankungen, suchen passende Übungen aus und korrigieren Fehlhaltungen. Sie wissen um das Risiko, sich zu überfordern. Kleine Gruppen sind dabei empfehlenswert, denn maximal zwölf Schüler kann ein Lehrer wirklich gut überblicken. Begeben Sie sich also in erfahrene Hände, dann wird Sie Yoga auch beflügeln.