Vier Tage vor Beginn des großen Rennens verletzt sich Andreas Niedrig schwer und muss seine Teilnahme am Race Across America 2011 absagen. Ein Team aus acht ambitionierten Freizeitsportlern springt für ihn ein. Sein Bericht vom Krankenbett:
Acht Betreuer hatten nur ein Ziel: Sie wollten alles tun, damit ich als Solofahrer das Race Across America, kurz RAAM, finishe. Alle hatten eine Aufgabe und wussten genau, was auf sie zukommt. Ob Teamchef, Chef des Wohnmobils, Mechaniker, Fahrer, Navigator, Arzt, Physio - jeder hatte seinen Bereich, für den er zuständig war.
Ich habe für dieses Ziel viele Jahre trainiert, viel geopfert. Gerade in den letzten sechs Monaten konzentrierte ich mich zu 100 Prozent auf das Erreichen meines Traumes. 14.680 zurückgelegte Radkilometer allein in diesem Jahr. Alles war gut vorbereitet und neben der normalen Anspannung vor einem Wettkampf freute ich mich auf den Startschuss.
In den letzten Tagen vor einem großen Rennen fängt man an, sich auszuruhen. 'Taperphase' wird das genannt. Eine der schönsten Phasen, denn hier kann man sich seiner Familie widmen und die Seele baumeln lassen. Die Fokussierung rückt in den Hintergrund und man spürt förmlich, wie die Müdigkeit, die durch die vielen Trainingskilometer in der Muskulatur hängt, immer mehr durch zurückkehrende Kraft
ausgetauscht wird.
Dadurch fühlt man sich ein wenig wie ein Rennpferd, welches mit den Hufen scharrt und nur noch eines möchte: starten.
Diagnose Patellasehnenabriss
Andreas nach der Knie-OP mit dem Elektroscooter unterwegs.
Zwei Tage vor unserem Abflug kam es dann zum Super-GAU. Bei einem Spaziergang mit meinem Hund war ich unaufmerksam und fiel hin. Ich spürte beim Versuch aufzustehen sofort, dass etwas Schlimmeres passiert ist. Als ich nicht hochkam, war mein erster Gedanke: Habe ich frische Unterwäsche an? Ich wusste, dass ich ins Krankenhaus musste und ich kann mich noch an die Worte meiner Mutter erinnern, immer frische Unterwäsche anzuziehen, wenn man das Haus verlässt. Man weiß ja nie, was passiert. Wie recht sie hatte. Bevor der Krankenwagen kam, rief ich meinen besten Freund Heiner an und teilte ihm mit, dass für mich das Rennen nicht stattfinden wird. Er meinte nur: "Abwarten!"
Im Krankenhaus kam die erschütternde Diagnose: Patellasehnenabriss! Viel schlimmer geht es kaum. Ganz ehrlich, ich war total fertig und traurig. Doch bevor die Frage aufkam, warum immer ich, haben Heiner und ich schon an einem Plan B gearbeitet. 'Patellasehnenabriss' ist die neue Situation, daran kann man nun mal nichts ändern. Ich kann definitiv nicht starten und das verändert alles. Diese Veränderungen müssen wir jetzt nutzen, um das Bestmögliche daraus zu machen. Das bedeutet für mich, die eigenen Emotionen hinten anzustellen und den Kopf und den Verstand arbeiten zu lassen.
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- Seite 5: Das alles - nun leider ohne mich
Autor: Andreas Niedrig / TK, erstellt am 14.06.11; zuletzt aktualisiert am 29.12.11

