Evaluation des DMP Diabetes mellitus Typ 2

Eine Analyse basierend auf Routinedaten der Techniker Krankenkasse

 

Bonn, 30. September 2010

 

Roland Linder, Susanne Ahrens, Frank Verheyen

 

Einleitung

Für Disease Management Programme (DMP) wurden 2009 ca. 1,1 Milliarden Euro aufgewendet, zum größten Teil für das DMP Diabetes mellitus Typ 2. In den letzten Jahren wurden bereits einige Anstrengungen unternommen, um die Effektivität von DMP zu evaluieren. Problematisch dabei war eine unzureichende Berücksichtigung von Selektionseffekten auf Seiten der Patienten wie auch der behandelnden Ärzte, welche die Aussagen zu den eigentlichen Programmeffekten stark überlagern. Mit innovativer Methodik ging das WINEG der Frage nach, inwieweit das DMP DM Typ 2 das Outcome für TK-Versicherte verbessert oder Kosten einzusparen hilft.

 

Methoden

Untersucht wurden Routinedaten der Techniker Krankenkasse aus den Jahren 2006-2008 mit harten Endpunkten wie bspw. der Inzidenz von Schlaganfall, Herzinfarkt oder Niereninsuffizienz. Bewusst verzichtet wurde auf eine Auswertung der qualitativ diskussionswürdigen Daten aus der DMP-Dokumentation. Ausgehend von einem Propensity Score Interval Matching wurde ein ausgefeiltes Kontrollgruppendesign entwickelt und angewendet. Die dabei berücksichtigten Variablen waren Alter, Geschlecht, Ausbildung, Berufstätigkeit, Pflegestufe, Komorbiditäten, DDD sowie Pharma- und Krankenhauskosten im Jahr vor der (möglichen) Einschreibung der Versicherten in das DMP.


Ergebnisse

Hinsichtlich der Inzidenz von Komorbiditäten, Fußamputationen, Inanspruchnahme von Pharmaka, Krankenhauskosten und Notfalleinweisungen zeigten sich mit Ausnahme häufigerer Medikamentenverordnungen in der Gruppe der DMP-Teilnehmer keine deutlichen Unterschiede zwischen den DMP-Teilnehmern und der Kontrollgruppe. Kosteneinsparungen bei den DMP-Teilnehmern waren nicht erkennbar.


Diskussion

Mit einem intelligenten Kontrollgruppendesign können Selektionseffekte weitgehend ausgeschlossen werden. Es ist geplant, zukünftig weitere DMP mit dieser Methodik zu untersuchen.


Schlussfolgerungen

Das DMP DM Typ 2 ist in der momentan in Deutschland praktizierten Form wenig effizient. Sinnvoll erscheinen die Beibehaltung einzelner Elemente sowie die Hinzunahme zusätzlicher Unterstützungsangebote zur Förderung der Behandlerkompetenz. Für eine umfassende Evaluation der DM-Programme empfiehlt es sich, harte Endpunkte aus den GKV-Routinedaten zu berücksichtigen.

 

 

Download:

Präsentation (PDF, 843 KB, nicht barrierefrei)

 

Weitere Artikel aus "9. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung (DKVF) 2010"