Fünf Jahre APS - APS in fünf Jahren
APS: Die Perspektive einer Krankenkasse
Bonn, 1. Oktober 2010
Hardy Müller
Zur Arbeit des APS (Aktionsbündnis Patientensicherheit) in den ersten 5 Jahren seines Bestehens kann man nur gratulieren. In vergleichsweise kurzer Zeit wurde ein für die Patientenversorgung hochrangiges Thema auf freiwilliger Basis gestartet, in breitem Konsens und international korrespondieren in Deutschland organisatorisch verankert.
Im Vortrag wird zu fünf ausgewählten Feldern hervorragenden Aspekte aus den letzten 5 Jahren skizziert und ein Ausblick auf die Entwicklung in den nächsten 5 Jahre gewagt.
Die Agenda "Patientensicherheit" wurde in den letzten 5 Jahren in Deutschland etabliert. Das bisherige Wachstum etwa an Mitgliedern oder an deutschsprachiger Literatur wird nicht einfach fortzuschreiben sein. Zukünftig geht es verstärkt um qualitatives Wachstum.
Die Organisation des APS wird sich weiter professionalisieren. Eine Herausforderung besteht darin, das bisherige Integrations-Vermögen des APS beizubehalten, um auch in Zukunft der Politik oder den Krankenkassen einen zuverlässigen Ansprechpartner bieten zu können.
Bislang dominierten bei den APS-Themen fehlerhafte Therapien, entsprechende Handlungsanweisungen und deren Implementierung. Aus Sicht der Krankenkassen wäre auch die Erforschung fehlerhafte Diagnosen wünschenswert. Die Evaluation und der Nutzennachweis zu den Aktivitäten des APS gehört bereits heute zum Programm und gewinnen in Zukunft an Bedeutung.
Die Zielgruppen waren zunächst das Krankenhaus und die niedergelassenen Ärzte. Zukünftig werden die Pflege und nicht zuletzt die Patienten direkt bei Maßnahmen zur Erhöhung der Patientensicherheit zu adressieren sein. Die Frage, inwieweit die typisch deutsche sektorale Gliederung der Gesundheitsversorgung Fehlerquellen generiert, ist von besonderem Interesse für die gesetzliche Krankenversicherung.
Als letzten Themenblock wird die Verantwortlichkeit für die Patientensicherheit thematisiert. Die Diskussion wird heute wesentlich von einem "Kultur-Begriff" dominiert (Sicherheit-, Vertrauens-, Risiko-, Organisations-, Verantwortungs-Kultur etc.). Diese Entwicklung weg von der Anprangerung einzelner hin zu Fragen, inwieweit das System Fehler ermöglicht, war not-wendig, um eine fruchtbare Auseinandersetzung mit dem Thema in Gang zu bringen. Mit Blick auf die nächsten Jahre ist zu fragen, ob dieses Primat der Kultur(en) allein zukünftig die Patientensicherheit befördern kann. These: Das Primat der Kultur in der Diskussion um Patientensicherheit entmündigt die Individuen und negiert Antworten auf drängende Fragen zu gefährlichem und schuldhaftem Verhalten.
Zukunftsforscher belegen empirisch: Die Hälfte der Prognosen sind erfahrungsgemäß falsch. Das Problem dabei: Welche Hälfte das ist, wissen wir erst hinterher. Was definitiv zu sagen ist: Mit Sicherheit kann das Feld der Patientensicherheit weitere wertvolle Beiträge oder Erträge für die Optimierung der gesundheitlichen Versorgung liefern.
Aus Sicht der Krankenkassen ist dem APS jedenfalls eine gute Entwicklung zu wünschen.
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