Herumtollen im Schwimmbad, kühne Sprünge mit dem Skateboard, erste Versuche mit den Schlittschuhen auf dem Eis: Stürze sind dabei unvermeidlich. Nicht selten werden dabei die vorderen mittleren Schneidezähne beschädigt oder ausgeschlagen.
Das richtige Verhalten in den ersten Minuten nach einer solchen Verletzung ist entscheidend für das weitere Schicksal der verletzten Zähne. Wenn sie richtig versorgt werden, heilen die herausgeschlagenen Zähne sehr häufig wieder ein und bleiben noch viele Jahre im Kiefer.
Sofortmaßnahmen:
- Der herausgeschlagene Zahn sollte auf keinen Fall gereinigt werden, auch wenn er sichtbar verschmutzt ist, damit die empfindliche Wurzelhaut nicht verletzt wird.
- Die beste Sofortmaßnahme ist, den Zahn direkt wieder in das Zahnfach zurückzustecken und so schnell wie möglich einen Zahnarzt aufzusuchen. Dabei ist es nicht so wichtig, dass der Zahn exakt in die Zahnreihe eingeordnet wird. Entscheidender ist, dass er nicht länger als fünf Minuten trocken bleibt. Auch die Blutung wird damit gestoppt.
- Ist es nicht möglich, den Zahn wieder in das Zahnfach zu stecken, kann er in steriler physiologischer Kochsalzlösung aufbewahrt werden. Diese 0,9-prozentige Salzlösung bietet dem herausgeschlagenen Zahn optimale Überlebensbedingungen. Aber Achtung: setzen Sie in der Eile eine derartige Lösung nicht selbst an, denn wenn die Mischung nicht exakt stimmt, richten Sie mehr Schaden als Nutzen an. Physiologische sterile Kochsalzlösung gibt es in Apotheken. Sie ist praktisch unbegrenzt haltbar und kann im Arzneischrank aufbewahrt werden.
- Ersatzweise kann der Zahn auch in einem Gefäß mit kalter Milch transportiert werden.
- Haben Sie mehrere Kinder oder betreiben eine Risikosportart, empfiehlt sich die Anschaffung einer Zahnrettungsbox als Zusatzausstattung für den Erste-Hilfe-Schrank (in Apotheken erhältlich). Diese Box ist ein guter Aufbewahrungsort bis zum unverzüglichen Zahnarztbesuch; in Notfällen kann der Zahn darin bis zu 25 Stunden aufbewahrt werden.
- Wenn der Zustand des Betroffenen es zulässt (entsprechendes Alter, bei vollem Bewusstsein), ist auch eine Aufbewahrung unter der Zunge für den Transport zur Zahnarztpraxis möglich.
Die Überlebenschancen fachgerecht transportierter und eingepflanzter (replantierter) Zähne sind erstaunlich gut. Der Zahnarzt entfernt zuerst den abgerissenen Nerv aus dem Zahn, bevor er ihn wieder einpflanzt. Anschließend wird der Zahn wieder korrekt in sein ursprüngliches Zahnfach eingesetzt und mit einer Schiene für vier bis sechs Wochen stabilisiert. Normales Essen ist damit ohne Weiteres möglich.
Um die Einheilungsvorgänge zu optimieren, wird der Zahnarzt anschließend für sieben bis zehn Tage ein Antibiotikum verordnen.
Bei Kindern ist die Replantation die Methode der Wahl. Eine kieferorthopädische Schließung der Lücke ist zwar möglich, aber häufig kosmetisch unbefriedigend, besonders dann, wenn es sich um einen einzelnen mittleren Schneidezahn handelt.
Bei Risikosportarten lohnt es sich, von Ihrem Zahnarzt präventiv einen Zahnschutz anfertigen zu lassen.
erstellt am 22.02.06; zuletzt aktualisiert von Dr. med. dent. Eva-Katharina Essig am 05.10.11
Quelle: Zahnunfall-Zentrum der Universitätsklinik Basel