Jeder fünfte leidet unter der sogenannten Freizeitkrankeit - oder Leisure Sickness - das ergab eine Studie der IUBH Internationalen Hochschule Bad Honnef.  Bei einer 15 Jahre älteren Studie aus Holland waren es noch deutlich weniger. Dass sich die Zahl der Betroffenen erhöht hat, könnte an den veränderten Arbeitsbedingungen liegen, wie weitere Studienergebnisse der Hochschule zeigen.

Im Fokus der Befragung stand die Frage: Welchen Einfluss hat es, wie die Menschen ihre Freizeit gestalten? Dabei identifizierten die Forscher fünf Anteile, aus denen die Freizeit besteht:

  • Arbeitsbezogene Freizeit: Die Person ist beispielsweise ständig erreichbar oder erledigt Aufgaben auch außerhalb der Arbeitszeit. Private Treffen mit Kollegen und Geschäftspartnern können dazugehören.
  • Regeneration und Weiterbildung: Ruhephase nach der Arbeit durch Erschöpfung, Fortbildungen - beide haben einen starken Bezug zur Arbeit.
  • Pflichten und Soziales: Kein Bezug zum Beruf, die Pflichten müssen aber erledigt werden. Dazu zählen zum Beispiel Haushalt, Einkaufen, die Versorgung der Kinder oder Ehrenämter.
  • Kontrast zur Arbeit: Damit ist alles gemeint, das einen bewussten Kontrast zur Arbeit setzt. Beispielsweise ausgleichende Tätigkeiten wie Sport, Hobbys, Kunst oder Zeit in der Natur.
  • Freie Freizeit: Damit ist die Zeit gemeint, in der man wirklich tun kann, worauf man gerade Lust hat.

Am stärksten sind die Arbeitstiere und die Inaktiven betroffen

In der Regel werden alle fünf Freizeittypen gelebt. Unterschiedlich ist jedoch, wie die Anteile gewichtet werden und wie anfällig die Personen damit für Leisure Sickness werden. Am stärksten betroffen sind diese beiden Gruppen:

Die Arbeitstiere leben für die Arbeit und zeigen große Anteile der ersten beiden Freizeittypen. Oft sind sie zu erschöpft für außerberufliche Aktivitäten, Sport und soziale Kontakte spielen eine eher untergeordnete Rolle. In Bezug auf die "Pflichten und Soziales" liegen sie dagegen ganz weit vorn. In dieser Gruppe finden sich vor allem Personen ab 45 Jahren, die eher keine Führungsposition haben.

Die Inaktiven liegen beim Anteil "Freie Freizeit" weit vorn und haben den geringsten Anteil an "Arbeitsbezogener Freizeit" und "Regeneration und Weiterbildung". Sie haben die meiste Energie für Freizeit und Aktivitäten, dabei aber wenig Struktur und Verbindlichkeiten. Zu ihnen gehören eher Männer, jüngere Altersgruppen und Führungskräfte.

"Es gibt einen nachweisbaren Zusammenhang zwischen dem Freizeitverhalten und dem Auftreten von Leisure Sickness", sagt Claudia Möller, Professorin für Tourismusmanagement an der IUBH. "Unsere Vermutungen, dass viel 'Freie Zeit' eher vor Leisure Sickness schützt, haben sich nicht bestätigt." Stattdessen scheine es so zu sein, dass zu wenig Sozialkontakte und Verpflichtungen eher zum Auftreten des Phänomens beitragen. Wichtig seien offenbar Struktur und Verbindlichkeit in der Freizeit, ebenso wie der Kontrast zur Arbeit. Denn die Gruppen, die am stärksten von der Freizeitkrankheit betroffen sind, haben weniger Kontrast zur Arbeit. Und die Gruppen, die nicht darunter leiden, schaffen sich einen stärkeren Ausgleich.

So können Sie die Freizeitkrankheit vermeiden

Tipps, wie man Leisure Sickness vorbeugen kann, hat der IUBH Touristik-Radar zusammengestellt:

  • Erwarten Sie nicht zu viel vom Urlaub. Buchen Sie lieber weniger Aktivitäten und entscheiden Sie spontan von Tag zu Tag, was Sie machen möchten.
  • Schalten Sie Ihr Smartphone aus. Die ständige Erreichbarkeit kann belastend sein. Machen Sie sich bewusst, dass Sie nicht immer erreichbar sein müssen.
  • Genießen Sie den Urlaub zuhause. Nicht immer ist eine Urlaubsreise möglich - dennoch können Sie sich auch zuhause wunderbar entspannen. Bauen Sie sich selbst keinen Druck auf, wenn es im Urlaub nicht so klappt wie ursprünglich vorgesehen.
  • Machen Sie auch im Urlaub eine Pause. Kommen Sie in Ruhe am Urlaubsort an und nehmen Sie sich die Zeit, sich nach der Reise auszuruhen. Gehen Sie früh schlafen, dann haben Sie viel mehr vom nächsten Urlaubstag.
  • Powern Sie sich nicht vor dem Urlaub aus. Haben Sie keine Angst vor dem Unerledigten und verausgaben Sie sich nicht vor dem Urlaub.
  • Machen Sie sich bewusst, was Sie geleistet haben. Jeder hat das Recht auf eine Pause und jeder darf sich Zeit für sich nehmen. Erlauben Sie sich, zur Ruhe zu kommen.