Als Resilienz wird die Widerstandsfähigkeit eines Menschen gegenüber Belastungen, Dauerstress, Veränderungen und Traumata bezeichnet. Sie ist die Fähigkeit, sich von Krisensituationen zu erholen, ohne unter anhaltenden Beeinträchtigungen zu leiden.

Welche Eigenschaften oder Verhaltensweisen damit genau gemeint sind, ist nicht eindeutig. In einigen Konzepten wird der Wachstumsgedanke genannt: Danach gelten vor allem die Menschen als besonders resilient, die an Krisen wachsen und Veränderungen als Chance begreifen.

Man geht davon aus, dass Resilienz zu einem gewissen Teil genetisch bestimmt ist. Zu ihr gehören aber auch Einstellungen, Verhaltensweisen und Fähigkeiten, die gefördert und trainiert werden können.

Resilienz in der betrieblichen Gesundheitsförderung

In der betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) gewinnt das Resilienzkonzept immer mehr an Bedeutung: Es soll psychischer Beanspruchung, negativen Stressfolgen und Burnout vorbeugen. Kritiker befürchten, dass wichtige Baustellen wie die Verbesserung von Arbeitsbedingungen oder die Reduzierung der Stressbelastung durch Resilienzförderung aus dem Fokus geraten - Arbeitnehmer also möglicherweise nur für eine psychisch immer belastendere Arbeitswelt fit gemacht werden sollen. 

Resilienzförderung kann aber zusätzlich zur Verringerung von belastenden Faktoren einen sinnvollen Interventionsansatz in der Gesundheitsförderung bieten. Denn werden die Widerstandsfähigkeit und die Fähigkeit zur Krisenbewältigung gefördert, hat das weitere positive Auswirkungen auf das Gesamtbefinden der Menschen, nämlich

  • weniger körperliche Beschwerden,
  • eine schnellere Erholung,
  • weniger Ängste,
  • weniger Depressionen sowie 
  • mehr Lebenszufriedenheit.

Da es verschiedene Resilienzkonzepte gibt, ist es wichtig für die praktische Arbeit, sich auf ein bestimmtes Konzept festzulegen. So werden Maßnahmen nicht beliebig, sondern nachvollziehbar durchgeführt.

"Die sieben Säulen der Resilienz"

Ein sehr bekanntes und häufig verwendetes Modell ist das der sieben Säulen nach Ursula Nuber:

1. Säule - Optimismus
Grundlage jeder Krisen- und Konfliktbewältigung ist der Glaube daran, dass Krisen zeitlich begrenzt und überwindbar sind. Optimismus beinhaltet außerdem die Überzeugung, auf die Ereignisse im Leben Einfluss ausüben zu können.

2. Säule - Akzeptanz
Krisen werden akzeptiert und den Tatsachen wird ins Auge geblickt, sodass Schritte zur Bewältigung unternommen werden können.

3. Säule - Lösungsorientierung
Es werden Lösungen für die Krise gesucht und der Versuch unternommen, die Kontrolle über das Leben zurückzugewinnen.

4. Säule - Opferrolle verlassen
Wer die Opferrolle verlässt, kann sich wieder auf die eigenen Stärken besinnen und die Realität angemessen interpretieren. Er verhält sich wie ein "Stehaufmännchen".

5. Säule - Verantwortung übernehmen
Man schiebt die Schuld weder auf andere, noch macht man sich selbst zum Sündenbock. Stattdessen übernimmt man in angemessener Weise Verantwortung für das eigene Handeln.

6. Säule - Netzwerkorientierung
Es wird ein stabiles Netzwerk aufgebaut und gepflegt. 

7. Säule - Zukunftsplanung
Durch gute Vorbereitung sollen zukünftige Krisen idealerweise vermieden, zumindest aber möglichst gut bewältigt werden.

Stufenmodell von Al Siebert

Die Besonderheit dieses Resilienzmodells ist sein stufenweiser Aufbau. Er stellt nicht alle Faktoren wie die oben genannten Säulen nebeneinander, sondern benennt eine Grundstufe mit Basisfertigkeiten und -verhaltensweisen, die sich erlernen lassen. Darüber steht eine Aufbaustufe, die fortgeschrittene Fähigkeiten und Einstellungen umfasst.

Für die einzelnen Stufen empfiehlt Siebert jeweils Übungen zur Förderung resilienter Verhaltensweisen oder Einstellungen. 

Resilienz stärken und trainieren

Je nachdem, welches Modell zugrunde gelegt wird, ergeben sich daraus unterschiedliche Möglichkeiten zur Förderung der Resilienz. Sinnvoll scheint auf jeden Fall ein möglichst frühzeitiges und präventives Vorgehen zu sein.

Da wahrscheinlich jeder Mensch eine eigene Mischung aus Fähigkeiten und Einstellungen hat, die seine persönliche Resilienz ausmachen, gibt es keinen Fähigkeitskanon, über den jeder verfügen muss. Die Förderung sollte deswegen eher eine Art Werkzeugkoffer darstellen, aus dem sich jeder Mensch die für ihn passenden Methoden in geeigneter Ausprägung zusammenstellt.

Führt man Resilienztrainings durch, können sie in verschiedenen Settings angeboten werden, zum Beispiel als offene Seminare oder für spezielle Mitarbeitergruppen oder Führungskräfte.

Unternehmen und Organisationen

Nicht nur einzelne Personen können resilient sein, sondern auch Gruppen, Organisationen und Unternehmen. Sogar natürliche (Öko-) oder technische (Wirtschafts-) Systeme können Resilienz aufweisen. Auch hier unterscheiden sich die Definitionen und Konzepte zur Resilienz.

Hilfreiche Strategien zu Stärkung der Resilienz in Organisationen könnten zum Beispiel sein:

  • Analyse der eigenen Stärken und Schwächen
  • Reduktion von Risiken, Aufbau von Kraftquellen und Reservesystemen
  • Krisenszenarien und Frühwarnsysteme aufbauen und für die gravierendsten Risiken Aktionspläne erstellen
  • Problemlösefähigkeiten von Mitarbeitern, Führungskräften und Teams stärken
  • soziale Kontakte und den Zusammenhalt innerhalb der Organisation stärken
  • Resilienz der Führungskräfte fördern
  • Resilienz in die Personalauswahl und -entwicklung integrieren
  • gemeinsame Werte entwickeln und eine Kultur der gegenseitigen Unterstützung leben.

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