Die Corona-Krise hat die Lage für Ausbildungsbetriebe weiter verschärft - vor dem Hintergrund der Pandemie bekommt rund die Hälfte der Ausbildungsbetriebe weniger Bewerbungen. Das zeigt das von u-form Testsysteme im April und Mai 2020 zusätzlich zur Studie durchgeführte "Corona Stimmungsbarometer duale Ausbildung". 

Jobmarketing muss Priorität haben

Beispiel Stellenanzeigen für Azubis: In vielen Fällen geht die Praxis der Betriebe an den Wünschen der künftigen Azubis vorbei. Denn Azubis entscheiden sich in erster Linie für einen Beruf. Die Beschreibung des Ausbildungsberufs finden 61 Prozent der Zielgruppe "sehr wichtig". Bezogen auf die verschiedenen Bestandteile einer Stellenanzeige ist dies der höchste Wert. Der Ablauf der Ausbildung kommt bei den "sehr wichtig"-Nennungen auf nur auf gut 38 Prozent. Ein Blick auf gängige Ausbildungsplatz-Annoncen zeigt, dass Betriebe hier oft falsche Schwerpunkte setzen. Denn der Ausbildungsberuf spielt darin häufig eine eher untergeordnete Rolle.  

Google schlägt TikTok

Es kommt nicht darauf an, den trendigsten Social Media-Kanal möglichst intensiv zu bespielen. Anders als vielfach angenommen, spielt TikTok bei der Ausbildungsplatzsuche von Schülern nur eine untergeordnete Rolle. Ausbildungsbetriebe sollten dagegen Google im Blick haben, das für junge Bewerber längst zur Jobsuchmaschine Nr. 1 geworden ist: Rund 84 Prozent der Azubi-Bewerber nutzen Google "oft" oder "sehr oft" für die Ausbildungsplatzsuche (Studienergebnisse 2019). 

Gesundheitsmanagement vor Klimaschutz

Der "gute Ruf als Ausbildungsbetrieb" liegt bei den Auswahlkriterien der Zielgruppe ebenfalls weit vorn. Knapp 68 Prozent der Befragten positionieren dieses Kriterium unter die ersten drei von insgesamt acht Rängen. Hoch priorisiert werden zudem die Übernahme eines Großteils der Azubis (63 Prozent) die Wohnortnähe (knapp 50 Prozent), die Höhe der Ausbildungsvergütung (48 Prozent) und das Engagement für die Gesundheit der Mitarbeiter (43 Prozent). Weit abgeschlagen ist überraschenderweise mit 13 Prozent der "Klima- und Umweltschutz". 

Skepsis gegenüber KI - Kombination aus Tests und Vorstellungsgesprächen

Azubis wollen sich übrigens nicht unbedingt per WhatsApp bewerben, sondern bevorzugen eher die klassische Online-Bewerbung (Studie 2019). Im Hinblick auf den Einsatz von Künstlicher Intelligenz zeigt sich die junge Generation der Digital Natives überraschend skeptisch. So finden es den Ergebnissen der 2020 durchgeführten Studie zufolge gerade einmal 4 Prozent der Azubis und Schüler "gut", wenn Chatbots die Kommunikation mit den Bewerbern führen. Eine Vorauswahl durch Algorithmen überzeugt rund 13 Prozent. Die Mehrheit (knapp 61 Prozent) bevorzugt eine Kombination aus Tests und Vorstellungsgesprächen.

Wichtiges Feedback

Nach dem Recruiting ist vor dem Recruiting: Betriebe müssen gute Azubis nicht nur gewinnen, sondern auch entwickeln und langfristig binden. Eine unterschätzte Rolle kommt dabei dem Feedback zu. Das Feedback ihrer Ausbildungsverantwortlichen ordnen knapp 78 Prozent der Azubis als "hilfreich" ein. Sie bemängeln allerdings, dass sie nicht genug Feedback bekommen - insbesondere in Form eines "ausführlichen, individuellen Gesprächs", das knapp 70 Prozent der Azubis "niemals" oder "selten" erhalten.

Fünf Tipps, wie Sie im Azubi-Marketing positiv auffallen

1. Natürliche Schönheit kommt von innen

Arbeiten Sie aktiv am guten Ruf des Ausbildungsbetriebs. Achten Sie intern auf Qualität und verbessern Sie zum Beispiel ihr Feedbackmanagement. Digitale Tools zum Ausbildungsmanagement können dabei sinnvoll unterstützen. Achten Sie zudem auf Ihren guten Ruf, indem sie aktiv mit Azubi-Bewertungen auf entsprechenden Plattformen umgehen. 

2. Online sichtbarer werden

Nutzen Sie aktiv Suchmaschinen im Azubi-Marketing und Recruting. Sind Ihre Ausbildungsplatzanzeigen suchmaschinenoptimiert? Unter Umständen können sich auch bezahlte Anzeigen in Suchmaschinen anbieten.

3. Klar machen, worum es im Ausbildungsberuf wirklich geht

...zum Beispiel in den Stellenanzeigen. Jugendliche entscheiden sich in erster Linie für einen Beruf. Hier gilt: Jobmarketing schlägt Employer Branding. Nötig sind packende Beschreibungen des Ausbildungsberufs, keine Bulletpoint-Listen.

4. Offen über die Ausbildungsvergütung und Übernahmeaussichten sprechen

...selbst wenn es schwerfällt. Azubi-Bewerber interessieren sich brennend dafür, und Google for Jobs fordert Gehaltstransparenz.

5. KI-Anwendungen in der Auswahl von Azubis nur sehr behutsam einsetzen

Auswahlverfahren brauchen die Akzeptanz der Zielgruppen. Mit Tests und Vorstellungsgesprächen fahren sie besser.  

Azubi-Recruiting-Trendstudie nachlesen

Seit 2013 führt u-form Testsysteme die doppelperspektivische Studie "Azubi-Recruiting Trends" durch. Ziel der Umfrage ist es, Trends aufzuspüren, weit verbreiteten Thesen zum Bewerbungsverhalten von Jugendlichen auf den Zahn zu fühlen und handlungsorientiertes Wissen für Ausbildungsverantwortliche bereitzustellen.

In diesem Jahr haben an Deutschlands größter doppelperspektivischer Umfrage zum Azubi-Marketing und -Recruiting 5.754 Azubis und Schüler sowie 2.001 Ausbildungsverantwortliche teilgenommen. Studienpartner ist AUBI-plus GmbH.