Kaum ein Thema wird derzeit so viel diskutiert wie die Zukunft der Arbeit. Flexibilisierung, Agiles Arbeiten, Künstliche Intelligenz und demographischer Wandel sind die Buzzwords, wenn es darum geht, wie der Wandel in der Arbeitswelt vonstattengeht. Komplexere Anforderungen an die Beschäftigten bringen auch neue Fragestellungen für das Gesundheitsmanagement mit sich. "Wenn sich die Arbeitswelt verändert, muss sich natürlich auch die Gesundheitsförderung in den Betrieben darauf einstellen. Dann brauchen wir neue Antworten, wie wir Arbeit gesund gestalten", ist sich Karen Walkenhorst, Personalvorstand der Techniker Krankenkasse sicher.

Veränderungsbereitschaft wird Kernkompetenz

Gesunde Führung heiße aber auch, die Beschäftigten zu motivieren, sich auf Neues einzulassen - unabhängig von Alter und Qualifikation. "Veränderung wird in der Arbeitswelt zum Dauerzustand. Deshalb ist lebenslanges Lernen einer der wichtigsten Zukunftstrends. Die Aufgabe der Führungskräfte ist, Berührungsängste abzubauen, Neugierde zu schaffen und damit die Veränderungsbereitschaft zu fördern", so TK-Vorstand Walkenhorst. Dabei sei es wichtig, alle Mitarbeitergenerationen mitzunehmen.

Auch Mitarbeitermotivation unterliegt sozialem Wandel

Denn was oft vernachlässigt wird: Nicht nur die Arbeit und der sich daraus ableitende Bedarf von Berufsprofilen und -qualifikationen ändert sich. Auch die Haltung der Beschäftigten zu ihrem Job unterliegt einem sozialen Wandel. Unternehmen sollten auch die innere Haltung ihrer Beschäftigten berücksichtigen. "Motivation ist wichtig, damit Beschäftigte gut arbeiten und gesund bleiben", erklärt Walkenhorst. "Hier müssen Führungskräfte ansetzen. Dafür müssen sie aber wissen, was ihre Mitarbeiter in ihrem Inneren antreibt." Denn eine heterogene Belegschaft biete Unternehmen große Chancen, weil sie auf ein großes Potenzial unterschiedlicher Kompetenzen und Perspektiven zurückgreifen können. Die Stärken der "Mixed Teams" zu heben, sei eine Frage der gesunden Führung.

Für die Babyboomer hat die Arbeit einen hohen Stellenwert

Die größte Beschäftigtengruppe ist heute zugleich die Älteste:  die bis Mitte der 1960er Jahre Geborenen, die sogenannten Babyboomer. Sie sind in den Wirtschaftswunderjahren und dem Bewusstsein aufgewachsen, dass die Arbeitswelt voller Chancen ist. Der Beruf hat - nicht nur aus Statusgründen - einen hohen Stellenwert, Hierarchien spielen eine große Rolle. Gearbeitet wird "9to5". Gesundheit und Lebensstil sind für sie Privatsache. Gesundheitsförderung im Betrieb erleben sie erstmals in der zweiten Hälfte ihres Erwerbslebens.

Mobilität und Flexibilität der Generation X

Die folgende Generation, die Jahrgänge bis Ende der 70er, von Arbeitswissenschaftlern auch als "Generation X" oder "Generation Praktikum" bezeichnet, wuchs in dem Bewusstsein auf, dass sich die Arbeitswelt nicht um sie reißt, ihnen mit Beginn der Digitalisierung aber immer mehr abverlangt. Die Beschäftigten arbeiten viel, zum Teil sogar unbezahlt, Arbeitsverhältnisse sind immer öfter befristet, sie erleben den Aufstieg der Zeit-arbeit. Auch deshalb ist diese Generation im Vergleich zur vorherigen - wenn auch unfreiwillig - jobwechselwilliger. Und: Auch wenn die Erwerbstätigkeit von Frauen zunimmt, erhält Privates einen höheren Stellenwert. 

Durch die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes entstehen außerdem neue Themen für das Betriebliche Gesundheitsmanagement: Es müssen Strategien für Risikofaktoren wie Mobilität und finanzielle Unsicherheit entwickelt werden, da es immer mehr Pendler und befristet Beschäftigte gibt. Um ihre Gesundheit kümmert sich die Generation X allerdings wenig, Kranksein gilt eher als Schwäche. Auch hier sollten Chefs ansetzen. Gesunde Führung heißt auch, Beschäftigten Strategien für gesundes Arbeiten aufzuzeigen, damit sie langfristig leistungsfähig bleiben.

Generation Y: Die (Un-)Vereinbarkeit von Familie und Beruf 

Die nächste Generation "Generation Y" ist mit der Digitalisierung aufgewachsen. Arbeit wird zeit- und ortsunabhängig, Arbeit und Privates verschmelzen bei den Jahrgängen 1980 bis 1994 immer mehr. "Privat" ist dabei nicht gleichbedeutend mit Familie, denn die Lebensentwürfe werden individueller. Der Beruf hat wieder einen deutlich höheren Stellenwert, eine sinnstiftende Aufgabe ist aber wichtiger als Karriere. 

Junge Unternehmen, vor allem aus der Tech-Branche und Startups, aber auch große Online-Versandhändler, richten ihre Arbeitsorganisation darauf aus: Zwischen ergonomischen Sessellandschaften mit W-LAN und Steckdose sorgen Tischkicker, Smoothiemaker und Relaxzonen dafür, dass die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen. "Work-Life-Balance" wird zur Herausforderung. Denn wo es auf der Arbeit so gemütlich ist, möchte kaum jemand nach Hause gehen. 
 
Arbeitswissenschaftler fanden dafür schnell einen neuen Begriff: "Work-Life-Blending" beschreibt das fließende Ineinander-Übergehen von Arbeits- und Privatleben. Karen Walkenhorst sieht diese Entwicklung kritisch: "Natürlich ist es gut, wenn Unternehmen ihren Beschäftigten flexibles Arbeiten ermöglichen und dafür ein gutes Umfeld schaffen. Wenn Flexibilität aber der Tarnmantel für die ständige Erreichbarkeit ist, wird es ungesund. Unsere Studien zeigen, dass das Nicht-Abschalten-Können eine der Hauptursachen stressbedingter Erkrankungen ist. Auch hier heißt gesunde Führung vor allem mit gutem Beispiel voranzugehen."

Generation Z fordert wieder mehr Struktur

Die heutigen Berufseinsteiger scheinen das schon erkannt zu haben. Die Generation Z, das heißt die ab 1995 Geborenen, unterscheiden sich in Selbstverständnis und Haltung zur Arbeit zum Teil deutlich von den Vorgängergenerationen. Sie halten Privates und Berufliches auseinander und wenig von Großraumbüros. Durch den Bologna-Prozess haben sie im Gegensatz zu ihren Kollegen früherer Generationen ein viel strukturierteres Studium absolviert, Struktur und Organisation sind es auch, die sie jetzt von ihrem Arbeitsplatz erwarten.

Sie sind selbstfokussierter und daher auch gesundheitsbewusster: Sie ernähren sich gesund und wenn sie krank sind, bleiben sie Zuhause. Das führt in der Konsequenz dazu, dass junge Beschäftigte statistisch gesehen doppelt so häufig fehlen. Aber ist das verkehrt? Krankenstandsdaten der TK zeigen, dass die jungen Beschäftigten häufiger, aber kürzer krankgeschrieben sind. Karen Walkenhorst dazu: "Präsentismus, also dass sich Beschäftigte krank zur Arbeit schleppen, hilft niemandem. Das Risiko für Fehler oder Unfälle steigt, man kann andere anstecken oder selbst Krankheiten verschleppen."

Demografiemanagement gegen Fachkräftemangel

Dass die Generation Z auf sich achtet, sei durchaus etwas, was sich die anderen abschauen können. "Die meisten von uns werden mindestens bis 67 arbeiten. Das Erwerbsleben ist also eine Langstrecke. Man muss sich fit halten, um gesund ans Ziel zu kommen", so die 53-Jährige. Gesundheitsförderung sieht sie auch als eines der wichtigsten Mittel gegen den drohenden Fachkräftemangel. "Wenn Unternehmen eine lebendige Lernkultur etablieren, die alle Mitarbeitergenerationen mit ihren jeweiligen Kompetenzen einbindet, sind sie auch für die Anforderungen der neuen Arbeitswelt besser aufgestellt", erklärt Karen Walkenhorst. 

Die TK unterstützt die Betriebe nicht nur als Krankenkasse dabei, ein Betriebliches Gesundheitsmanagement aufzubauen, sondern geht auch als Arbeitgeber voran. "Die TK ist ein wachsendes Unternehmen mit langer Tradition. Deshalb haben wir viele Beschäftigte, die schon sehr lange bei uns sind, sind aber auch attraktiv für Berufsanfänger und Absolventen. Deshalb müssen natürlich auch wir die unterschiedlichen Bedürfnisse aller Mitarbeitergenerationen sowie die betrieblichen Erfordernisse in Einklang bringen."

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Informationen zur Betrieblichen Gesundheitsförderung gibt es im TK-Firmenkundenportal .

Die TK-Stressstudie " Entspann dich, Deutschland " mit Informationen zu Fehlzeiten, Stressfaktoren und einer gesunden Arbeitswelt können Sie als PDF-Datei herunterladen.

Mit dem  TK-Fehlzeitentool ermitteln Sie Benchmarks zu Krankenstand, Arbeitsunfähigkeitsfällen oder Arbeitsunfähigkeitstagen.