In dem einen Fall vom 17. Dezember 2020 (Az. VI R 22/18) wurde eine Arbeitnehmerin eines international agierenden Unternehmens im Rahmen eines konzernweiten Mitarbeiteraustausches in eine Zweigstelle in die USA entsandt. Dafür war sie ein befristetes Arbeitsverhältnis mit der amerikanischen Zweigstelle eingegangen und hatte einen zweiten Wohnsitz in den USA bezogen. Ihre Vergütung enthielt ein Flugbudget und einen Wohnkostenzuschuss. Bei beiden Bestandteilen ging sie davon aus, dass diese als steuerfreie Werbungskostenerstattungen zu behandeln seien - also nicht zum ausländischen Arbeitslohn zählten, der dem Progressionsvorbehalt unterlegen hätte.

Disput um Steuerfreiheit der Zuschüsse

Das Finanzamt in Deutschland stufte das Flugbudget und den Wohnkostenzuschuss jedoch in voller Höhe als Teil der ausländischen Einkünfte ein. Der Arbeitslohn könne nicht um Unterkunftskosten und Kosten für Heimfahrten gemindert werden. Der Grund liege darin, so das Finanzamt, dass sich der Lebensmittelpunkt der Arbeitnehmerin während des Einsatzes in die USA verlagert hätte und die dortige Zweigstelle somit als ihre erste Tätigkeitsstätte galt.

Bundesfinanzhof: Erste Arbeitsstätte lag im Ausland

In einer darauf folgenden Klage gab der Bundesfinanzhof dem Finanzamt Recht und stellte fest: Mit dem eigenständigen Arbeitsvertrag war die Klägerin der US-Arbeitsstätte zugeordnet, wodurch diese als erste Tätigkeitsstätte galt. Somit war sie nicht auswärts tätig und die Flüge und anteiligen Wohnkosten waren nicht steuerfrei.

Inhaltsgleiches Urteil

Das andere Urteil vom selben Tag behandelt einen ähnlich gelagerten Fall und kommt zu demselben Ergebnis: BFH-Urteil vom 17. Dezember 2020, Az. VI R 21/18.