Bisher galt für deutsche Arbeitnehmer im Vereinigten Königreich eine Regelung der EU zur Gleichbehandlung. Mit dem Austritt entfallen jedoch diese Privilegien. Das Vereinigte Königreich wird zum Drittstaat.

"Das Handels- und Kooperationsabkommen federt einen harten Brexit ab, dennoch sind einige aufenthalts- und arbeitsrechtliche Klippen zu umschiffen, soweit es um die grenzüberschreitende Erbringung von Dienstleistungen etwa geht", gibt Rechtsanwalt und Experte für Aufenthaltsrecht Dr. Sebastian Klaus von der Frankfurter Kanzlei Bluedex Labour Law zu bedenken. "Wer ab 2021 in Großbritannien dauerhaft leben und arbeiten will, muss ordentlich 'Punkte sammeln' - die werden je nach Qualifikation, Kompetenzen und Gehalt vergeben." 

Neufälle: Einreise nach Punkten 

"Die Einreise von EU-Staatsangehörigen zwecks Erbringung von Dienstleistungen als Arbeitnehmer oder freiberuflichen Tätigkeiten ist nach dem Handels- und Kooperationsabkommen nur noch unter engen Voraussetzungen möglich", erklärt Dr. Klaus. Während das Handels- und Kooperationsabkommen aufenthaltsrechtlich vor allem bei Aufenthalten zur grenzüberschreitenden Dienstleistungserbringung Relevanz hat, betrifft das neue Einwanderungssystem des Vereinigten Königreichs das, was Deutschland mit Wirkung zum 1. März 2020 durch das Fachkräfteeinwanderungsgesetz neu zu steuern begann: langfristige Migration, insbesondere zum Zweck der Arbeitsaufnahme. 

"Um ein Arbeitsvisum zu erhalten, müssen Kandidaten besondere Kompetenzen nachweisen. Voraussetzungen sind ein Nachweis über ein bestehendes Jobangebot, das den eigenen Qualifikationen entspricht, sowie gute Englischkenntnisse", fasst Dr. Klaus die wesentlichen Elemente des neuen britischen Einwanderungssystems zusammen. 

Mindestens 70 Punkte

70 Punkte müssen erreicht werden: Für gute Sprachkenntnisse, einen zugesicherten Arbeitsplatz und eine qualifizierte Stelle gibt es 50 Punkte. Um auf die erforderliche Anzahl zu kommen, müssen Bewerber zusätzlich mindestens 25.600 Pfund (etwa 30.820 Euro) pro Jahr verdienen, einen Mangelberuf ausüben oder einen für den Job relevanten Doktortitel in Ingenieurs- oder Naturwissenschaften haben.

Um die Voraussetzungen zu überprüfen, hat die britische Regierung eine App veröffentlicht. In dieser kann ein Antrag gleich online ausgefüllt werden. Auch der notwendige Identitätsnachweis kann hierüber erfolgen. Neben dem Ausfüllen des Pflichtformulars und dem Identitätsnachweis ist die Entrichtung der Visumsgebühr notwendig. 

Zugang zum Gesundheitsdienst

Wer für mehr als sechs Monate ins Vereinigte Königreich kommt, muss darüber hinaus prüfen, ob ein Einwanderungskrankenzuschlag (Immigration Health Surcharge) geleistet werden muss, der einen Zugang zum Gesundheitsdienst (National Health Service, NHS) des Vereinigten Königreichs ermöglicht.

Bestandsfälle: Alles bleibt beim Alten

"Seit dem 1. Januar 2021 ist hinsichtlich der Sozialversicherung bei Mitarbeiterentsendungen in das Vereinigte Königreich zwischen zwei Personengruppen zu unterscheiden: Bestands- und Neufälle. 

Als Bestandsfälle werden solche Personengruppen definiert, die bereits vor dem Ende des Übergangszeitraums am 31. Dezember 2020 in das Vereinigte Königreich entsandt wurden. Für sie gelten bis zum Ende der Entsendung (maximal 24 Monate) die bisherigen Rechtsvorschriften über soziale Sicherheit weiter. Das gilt sowohl für Entsendungen als auch für Ausnahmevereinbarungen. Voraussetzung ist hierbei, dass sich insbesondere die Rahmenbedingungen für die entsandte Person nicht ändern, also dass z.B. keine Unterbrechungszeiträume von mehr als einem Monat vorliegen. Der Nachweis der Entsendung bzw. Ausnahmevereinbarung erfolgt weiterhin über die A1-Bescheinigung", klärt Dr. Klaus auf. 

Die Neufälle sind nach dem Handels- und Kooperationsabkommen zu beurteilen, welches ebenfalls Regelungen für die Entsendung enthält.

Antrag auf EU-Settlement Scheme noch bis Juni

"Wer bis zum 31. Dezember 2020 im Vereinigten Königreich wohnhaft war, kann für sich und seine Familie einen Antrag beim EU-Settlement Scheme stellen, um auch weiterhin im Vereinigten Königreich leben zu können. Achtung: Die Frist für den Antrag ist der 30. Juni 2021", so Dr. Klaus. 

Aktuelle Informationen zum Brexit und zur Einreise nach Großbritannien stellt die Deutsche Auslandsvertretung im Vereinigten Königreich zur Verfügung.