Seit dem März 2020 erleichtert das neue FEG die Anerkennung von Berufsabschlüssen und beschleunigt die Visumsgenehmigung für qualifizierte Fachkräfte - so die Theorie. Doch die Corona-Pandemie macht Unternehmen und Fachkräften einen Strich durch die Rechnung. Grenzschließungen, nationale Lockdowns und eingeschränkter Betrieb in den deutschen Auslandsvertretungen verzögerten die Visaverfahren.

Insgesamt wurden nach Zahlen des Auswärtigen Amts in der ersten Jahreshälfte 30.117 Visa zur Erwerbstätigkeit ausgegeben - so wenige wie zuletzt 2015. Nach Informationen des evangelischen Pressedienstes (epd) betrug die Zahl der nach dem Gesetz vergebenen Visa zwischen April und Juni nur gut 2.300. "Die Fachkräfteeinwanderung liegt gerade auf Eis“, resümiert Bettina Offer, Rechtsanwältin und Expertin für Corporate Immigration aus Frankfurt am Main laut epd

Hoher Bedarf auch in Corona-Zeiten

Am Bedarf an Fachkräften mangelt es nach Ansicht von Arbeitsmarktexperten nicht. "Wir brauchen Pflegekräfte, Mediziner, Fachkräfte im Tiefbau oder IT-Fachleute", sagt Daniel Terzenbach, Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit in einem Interview mit dem Handelsblatt. Corona ändere nichts an der Tatsache, dass Deutschland eine alternde Bevölkerung habe und Fachkräfte im Gesundheitsbereich händeringend gesucht werden.

Noch macht sich dieser Bedarf nicht in Form von deutlich steigenden Antragszahlen bemerkbar. Immerhin lässt sich ein leichter Aufwärtstrend erkennen, denn seit dem 1. Juli 2020 ist für Fachkräfte mit einem konkreten Jobangebot die Einreise in die Bundesrepublik wieder möglich.

Holger Kolb, stellvertretender Geschäftsführer des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration, geht davon aus, dass die Nachfrage nach ausländischen Fachkräften kurz- und mittelfristig niedrig bleibt. "Sobald sich die Wirtschaft erholt hat, steigt auch die Nachfrage wieder", so die Erwartung des Experten auf lange Sicht.

Zentrale Anlaufstellen in Großstädten

Ausländerbehörden haben ihre Prozesse an die Herausforderungen des neuen FEG angepasst. Um eine schnelle Bearbeitung zu gewährleisten, gibt es in großen Städten wie Berlin, Frankfurt oder Hamburg zentrale Anlaufstellen mit Teams, die sich ausschließlich mit dem sogenannten beschleunigten Verfahren beschäftigen. Per Vollmacht können Unternehmen die Behörde beauftragen, sie bei der Einstellung von Bewerbern aus Nicht-EU-Ländern zu unterstützen.

Dass der Rahmenvertrag durch persönliche Vorsprache und Unterschrift abgeschlossen werden muss, stellte am Anfang der Pandemie eine Herausforderung dar. Inzwischen bieten die meisten Ausländerbehörden aber wieder eine persönliche Beratung an.

Weitere Informationen

Informationen zum Fachkräfteeinwanderungsgesetz haben wir im Artikel " Neue Regeln zur Zuwanderung " zusammengestellt.

Arbeitgeber finden Details zum beschleunigten Verfahren im Portal "Make it in Germany", einem mehrsprachigen Angebot der Bundesregierung.