Der Mangel an Arbeitskräften kommt nicht überraschend. Der demografische Wandel macht sich bemerkbar, denn Deutschland verliert pro Jahr rund 350.000 Menschen im erwerbsfähigen Alter. Bis 2035 werden dem Arbeitsmarkt rund sieben Millionen Menschen weniger zur Verfügung stehen. 

Engpässe in 148 Berufen

In einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, der die Interessen von mehreren Millionen Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungen vertritt, klagen 56 Prozent der Firmen über fehlende Mitarbeiter. Das ist eines der größten Geschäftsrisiken.

Die Bundesagentur für Arbeit listet aktuell in 148 Berufen Engpässe auf. Weitere 122 Berufe stehen unter Beobachtung. In Deutschland sind noch nie so viele Arbeitsplätze unbesetzt gewesen wie im ersten Quartal 2022. Eine Erhebung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg ergab für den Zeitraum Januar bis März 2022 bundesweit insgesamt 1,74 Millionen offene Stellen. Das ist der höchste Wert seit Beginn der Messung im Jahr 1989. 

Es müssten pro Jahr rund 400.000 Zuwanderer aus sogenannten Drittstaaten außerhalb der Europäischen Union nach Deutschland kommen, um dieser Mangellage auf dem Arbeitsmarkt entgegenzusteuern. Die sogenannte Blaue Karte EU ermöglicht es akademischen Fachkräften bereits seit 2012, nach Deutschland zu kommen. Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz (FEG) bezieht zudem nichtakademische Berufe ein. 

Anerkennungsjahr soll parallel zur Arbeit laufen 

Mit der Reform des FEG soll die Beschäftigung ausländischer Fachkräfte zukünftig nicht mehr durch Bürokratie und Formalia verzögert werden. Auch die Anforderungen für die Einreise sollen gesenkt werden, insbesondere betrifft dies das Anerkennungsverfahren für die berufliche Qualifikation. 

Die Minister Faeser und Heil kündigten an, auch Fachkräften den Zugang zum Arbeitsmarkt zu ermöglichen, die zwar einen Arbeitsvertrag, jedoch noch keinen in Deutschland anerkannten Abschluss haben. Dieser könne dann mit Hilfe des Arbeitgebers hierzulande nachgeholt werden, parallel zur Arbeit.

Berufserfahrene ohne Arbeitsvertrag dürfen folglich unter zwei Bedingungen zur Jobsuche nach Deutschland einreisen: Sie müssen bestätigen, dass ihr Abschluss zumindest teilweise mit einem deutschen vergleichbar ist und dass sie ihren Lebensunterhalt selbst sichern können.

Mindestgehaltsgrenze für "Blue Card" soll sinken

Auch die Einwanderung von Fachkräften mit bereits anerkannter Qualifikation soll erleichtert werden. Die sogenannte "Chancenkarte" soll künftig auch die Beschäftigung in einem fachfremden Beruf möglich machen, solange ein in Deutschland anerkannter Berufsabschluss vorliegt. 

Außerdem soll die Gehaltsgrenze für junge Hochschulabsolventen gesenkt werden, um mit der sogenannten "Blue Card" einreisen zu können. Damit wird ein leichterer Berufseinstieg für gut ausgebildete junge Menschen in Deutschland ermöglicht. Aktuell (2022) gilt eine Mindestgehaltsgrenze von 56.400 Euro brutto pro Jahr.