Nicht nur Pflegepersonal wird dringend gesucht, auch andere Branchen beklagen einen erheblichen Fachkräftemangel. Das ist das Ergebnis einer Studie der Bertelsmann Stiftung. Die Situation hat sich im Gegensatz zum Vorjahr verschärft. Lösen kann das Problem eigentlich nur Zuwanderung, so das Urteil der Arbeitsmarktforscher am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung. 

Arbeitnehmer aus dem Ausland gesucht

Fachkräfte aus dem Ausland bieten großes Potenzial, den Bedarf an qualifiziertem Personal zu decken. Dennoch zeigt die Studie: Nur ein Sechstel der Unternehmen versucht bisher aktiv, Fachkräfte aus anderen Staaten zu rekrutieren. 

Doch warum agieren viele Unternehmen so zögerlich? Für zahlreiche Betriebe sind neue Rekrutierungswege zunächst unsicheres Terrain. Es gibt rechtliche Besonderheiten zu beachten, aber auch kulturelle Aspekte sowie die Sprache spielen beim Finden und Binden internationaler Fachkräfte eine wichtige Rolle.

Ein systematischer Rekrutierungsprozess ist entscheidend

Im Rekrutierungsprozess hilft ein systematisches Vorgehen - von der Personalsuche bis zur Einarbeitung der neuen Fachkraft. Hier empfiehlt es sich, der Fachkraft für den gesamten Bewerbungsprozess einen Ansprechpartner aus der Personalabteilung oder aus dem späteren Einsatzbereich zur Seite zu stellen - vorzugsweise mit entsprechenden Sprachkenntnissen.

Anforderungsprofil erstellen

Entscheidend für Arbeitgeber ist die Frage nach dem konkreten Personalbedarf: Welche Mitarbeiter werden in den kommenden Jahren gebraucht? Hier geht es vor allem darum, den demografischen Wandel in Deutschland und die Digitalisierung in Produktion und Verwaltung zu berücksichtigen. Ins Anforderungsprofil für eine zu besetzende Stelle gehören Informationen zu den wichtigsten fachlichen und persönlichen Qualifikationen. Diese Kernpunkte sollten auch in der Stellenausschreibung aufgeführt sein. Existiert ein Anforderungsprofil bereits, sollten Arbeitgeber prüfen, ob es noch aktuell und für eine internationale Bewerbersuche geeignet ist. 

Es lohnt sich, auch Mitarbeiter und Führungskräfte in die Suche mit einzubeziehen, die die erforderlichen Kompetenzen für die Stelle einschätzen können. So erhalten Arbeitgeber einen detaillierten Überblick über das Aufgabenspektrum und die nötigen Fähigkeiten. 

Zielgruppenanalyse und Festlegung des Ziellandes

Unternehmen sollten zunächst prüfen, welche Länder beziehungsweise Nationalitäten für ihr Unternehmen besonders gewinnbringend sein können. Auch das kann von Vorteil sein: Gibt es bereits bestimmte Länder, mit denen Kunden- oder Zulieferbeziehungen bestehen? Eine Übersicht über internationale Ländersteckbriefe und Übersichten finden Sie bei der Länderübersicht  der TK.

Weiterführende Links bieten auch die Internetseiten des Auswärtigen Amts sowie die der Deutschen Außenhandelskammern.

Serviceangebote nutzen

Gerade kleine und mittlere Unternehmen sollten bei der Stellenausschreibung das Serviceangebot der Bundesagentur für Arbeit (BA) nutzen: Deren örtliche Niederlassung arbeitet mit der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der BA zusammen. 

Vorteilhaft für Unternehmen ist die europaweite Veröffentlichung von Stellenangeboten über EURES (European Employment Services). Dieses Netzwerk bietet Unternehmen zudem kostenlose Informations-, Beratungs- und Vermittlungsdienstleistungen für die Beschäftigung von internationalen Fachkräften an. Arbeitgeber können sich auf dem EURES-Portal registrieren, in vielen europäischen Ländern nach Bewerbungsunterlagen suchen und bei Interesse Bewerber kontaktieren.

Make it in Germany

Wenn Arbeitgeber bei der Arbeitsagentur (BA) eine Stellenanzeige in einem Engpassberuf (zum Beispiel IT-Berufe, Pflegekräfte) melden, erscheint diese auf der Jobbörse der Bundesregierung im Portal "Make it in Germany" (eventuell muss im Online-Formular ein Häkchen gesetzt werden, um der Veröffentlichung zuzustimmen). Mithilfe des Jobportals können Interessenten weltweit kostenfrei auf das Stellenangebot aufmerksam gemacht werden.

Jobbörsen, Mobile Recruiting und soziale Netzwerke

Im Internet gibt es zahlreiche internationale oder landesspezifische Jobbörsen. Viele Arbeitnehmer im In- und Ausland sind in sozialen Netzwerken aktiv und knüpfen dort Business-Kontakte. Ein wichtiger Vorteil: Es kann direkt mit Interessenten in persönlichen Kontakt getreten werden. Soziale Netzwerke und Jobportale sind häufig auch untereinander vernetzt.