Als Feelgood-Managerin bildet Patricia Fisch mehrmals täglich die Brücke zwischen dem Mutterkonzern in Schweden und den ersten Filialen in Deutschland. In den deutschen Filialen von Rusta, einer schwedischen Einzelhandelskette für Einrichtungsartikel, ist die 30-jährige zuständig für die Unternehmenskultur, auch zwischen den Filialen und dem Mutterkonzern. "Auch wenn wir nur ein paar hundert Kilometer von Schweden entfernt sind, so ist es schon eine Kunst, die beiden Kulturen in Deutschland zusammen zu bringen", sagt Patricia Fisch. 

Fika-Kultur verbindet Hierarchien 

Das gilt auch innerhalb der Belegschaft, die in verschiedenen Schichten arbeitet. Eine gesunde und lebhafte Firmenkultur fördert die zertifizierte Feelgood-Managerin durch gezielte Meetings, die mit ganz einfachen Mitteln ein Wir-Gefühl erzeugen.

"Wir treffen uns zum Beispiel vor der Filial-Öffnung zur Fika, so nennt man in Schweden eine Kaffeepause. Hier kommen die Mitarbeiter aller Hierarchien regelmäßig zusammen, um beim gemeinsamen Kaffee von ihren Erlebnissen vom Wochenende zu erzählen oder darüber, was in der letzten Woche besonders positiv bei der Arbeit lief. Das lockert auf und sorgt dafür, dass alle entspannt an die Arbeit gehen", berichtet Patricia Fisch. "Man kommt in die Küche und unterhält sich - diese Kommunikation hilft, um eine Feedback-Kultur zu schaffen", so die Feelgood-Managerin weiter.

Dass all diese Aktivitäten während der bezahlten Arbeitszeit stattfinden, versteht sich von selbst.

"Wertvolle Kulturarbeit"

Die Idee des Feelgood-Managements stammt ursprünglich aus den USA. In den flachen Hierarchien der Digitalunternehmen galt es, die Bedürfnisse der Mitarbeiter zu berücksichtigen und die Zusammenarbeit zu fördern.

Glaubt man so mancher deutschen Stellenanzeige, verstehen Personaler darunter aber nicht mehr als ein freundliches Empfangspersonal mit angeschlossenen Sekretariatsaufgaben. "Ein Feelgood-Manager ist weder Stimmungskanone vom Dienst noch ein verbesserter Frühstücksservice, sondern ein Gestalter für eine vernetzte Unternehmenskultur", stellt Monika Kraus-Wildegger klar. Sie hat mit dem Fraunhofer Institut den Qualitätsstandard des Berufs Feelgood-Manager entwickelt. "Gerade in internationalen Teamstrukturen wird eine wertvolle Kulturarbeit geleistet, auf die man nicht verzichten kann."

Die Feelgood-Expertin ist Gründerin einer bundesweiten Ausbildungsschmiede für zertifizierte Feelgood-Manager. Gerade bei der Akquise ausländischen Personals ist Feelgood-Management und die damit verbundene Wertschätzung eine erfolgsentscheidende Komponente, betont Kraus-Wildegger.  

"German Twist" für Talente aus dem Silicon Valley 

Feelgood-Management kann auch dazu beitragen, dass sich Expats aus dem Silicon Valley in Deutschland heimisch fühlen. Ein Beispiel dafür ist die Firma Wooga in Berlin. Das Unternehmen lockt begehrte Talente aus dem Silicon Valley in die Hauptstadt - mit der Aussicht auf Karriere plus gutem Arbeiten und Leben in Deutschland.⁠ 

Besonders attraktiv für die Expats aus Kalifornien ist die Wooga-Willkommenskultur "with a German Twist", die das Gefühl gut angekommen zu sein zum Ziel hat. "Eine zentrale Aufgabe des Feelgood-Managers ist es dabei, regelmäßig Feedback vom "Newbie" einzuholen, um den Willkommens- und Integrationsprozess stetig zu verbessern", so Kraus-Wildegger.

Investitionen für Feelgood-Management sind nach Auskunft der Expertin gut angelegt: Mehr Motivation, mehr Zufriedenheit, mehr Effektivität und mehr Loyalität - das sei die anerkannte Folge eines wertschätzenden Umgangs mit Mitarbeitern und einer gelebten und entspannten Feedback-Kultur. "In Zeiten, in denen nur eine hohe Identifikation mit dem Unternehmen bei Mitarbeitern Engagement und Loyalität entfesselt, ist das aktive Bemühen um eine wertschätzende Atmosphäre ein entscheidender Faktor im Kampf gegen Fachkräftemangel", so Kraus-Wildegger.

Arbeitsatmosphäre so wichtig wie das Gehalt

Google, Jimdo, Zalando, Spotify - auf der Liste der Unternehmen mit Feelgood-Managern stehen vor allem IT-Firmen und erfolgreiche Startups, aber auch Unternehmen wie Lufthansa Systems oder die Deutsche Investitions-Entwicklungsgesellschaft.

Von der Arbeitskultur der High-Tech-Firmen aus dem Silicon Valley, wo Ruheräume, Cafés und Sportangebote wie selbstverständlich ein Service des Arbeitgebers sind, sei man allerdings in der Regel immer noch weit entfernt. "Gerade wenn es um die Attraktivität für internationale Talente geht, gewinnen wir die Erkenntnis, dass für die Wettbewerbsfähigkeit nicht nur das Gehalt stimmen muss, sondern auch die Arbeitsatmosphäre", lautet das Fazit der Feelgood-Expertin.