Seine Schuhsohle war es, die für Salman aus Kanada in Katar beinahe das Aus für eine Geschäftsbeziehung bedeutet hätte. "Während eines Termins mit einem Lieferanten saß ich ihm gegenüber auf dem Sofa, und meine Schuhsohlen waren unabsichtlich in seine Richtung gedreht." Erst später erfuhr er, dass dies in den Golfstaaten als Beleidigung verstanden wird. Er musste sich entschuldigen. 

Der nächste Fauxpas folgte bei der Begrüßung einer Kommilitonin im Executive MBA-Programm, der er freundlich die Hand reichte. "Es verstieß gegen ihre religiösen und kulturellen Gepflogenheiten, was ich absolut respektiere und verstehe. Sie hat mir dann erklärt, dass es am besten ist, Frauen im Nahen Osten ohne Körperkontakt zu begrüßen."

Die Begrüßung: Achtung, Fettnäpfchen-Gefahr!

Händeschütteln, Verneigung oder Wangenkuss? Diese Frage stellen sich Expats auf der ganzen Welt, wenn sie zum ersten Mal in ihrem Einsatzland auf Geschäftspartner treffen. Das kann zu komischen oder auch peinlichen Situationen führen, wie die US-Amerikanerin Cathy berichtet. "Als Amerikanerin möchte ich den Leuten immer die Hand schütteln und die Hälfte der Zeit liege ich damit auch richtig. Manchmal beugt sich mein Gegenüber aber bereits für einen Wangenkuss zu mir herüber oder streckt einen Arm für eine angedeutete Umarmung aus, während ich versuche, nach der Hand zu greifen", erklärt sie. "Es kommt dann zu einem komischen Umarmung-Wangenkuss-Handschüttel-Spektakel, bei dem jeder verwirrt ist und an seiner anfänglichen Intention zweifelt, und wir entscheiden müssen, was nun angemessen ist."

Die Frau am gleichen Tisch? Ein No-Go in Paraguay

Erfahrungen mit Geschlechter-Verhaltensregeln hat auch ein Expat aus den USA gemacht. Bei einem Geschäftsessen in Paraguay brachte er seine Frau mit, die sich gleich neben ihn an den Tisch setzte - als einzige Frau. Was die beiden nicht wussten: In Paraguay sitzen Frauen selbst als Grundbesitzerinnen und Entscheidungsträgerinnen beim Essen nicht mit Männern am selben Tisch.

Während derartige Fehler in der Regel von den Einheimischen verziehen werden, vermasselte sich der Brite Terry in Südafrika das Geschäft mit Kunden aus dem Agrarsektor - allein mit seiner in London üblichen eleganten Business-Kleidung. "Wenn sie mich kommen sahen, dachten sie, dass ich ein Banker sei, und verschwanden einfach", berichtet Terry. Nachdem ein Freund ihm dann den Tipp gab, auf Shorts und kurzärmlige Hemden umzusteigen, klappte es.

Die Sache mit der Pünktlichkeit

Auch Deutschland ist übrigens laut der Umfrage nicht frei von Gepflogenheiten, die bei ausländischen Mitarbeitern auf Verwunderung stoßen - vor allem die Pünktlichkeit und der vergleichsweise späte Arbeitsbeginn. "Es fühlt sich manchmal falsch an, wenn ich schon nachmittags gehe, während alle anderen noch im Büro sind - obwohl wir am Ende ja alle gleich lang arbeiten", berichtet ein US-Amerikaner, der sich zugleich darüber wundert, dass in Deutschland Raucherpausen akzeptiert werden.

Wie leicht es fällt, sich in einem Land zurechtzufinden, hat InterNations nach seiner Studie übrigens in einer Rangliste aus 53 Ländern zusammengestellt. Am unkompliziertesten ist es in Singapur, Irland und Estland, die meisten Schwierigkeiten haben Expats in Japan, Saudi-Arabien und China. Deutschland liegt auf Platz 40.

Netzwerk hilft beim Eingewöhnen

Für die jährliche Expat-Insider-Studie hat InterNations mehr als 18.000 Menschen befragt, die im Ausland leben und arbeiten. Aus insgesamt 178 Ländern trafen Erfahrungsberichte und Einschätzungen rund um das Leben jenseits der Heimat ein. 

Das Netzwerk bietet Arbeitnehmern im Ausland die Gelegenheit, sich mit Gleichgesinnten zu verschiedenen Themen aus dem Bereich Business und Networking auszutauschen. Die gemeinsamen Aktivitäten tragen nach Angaben des in München ansässigen Unternehmens dazu bei, das Berufsleben im Ausland zu meistern.